Neue Studie: Entwaldung hat schon jetzt zu einem deutlichen Rückgang der Niederschläge im Süden Amazoniens geführt

Eine neue Studie konstatiert einen deutlichen Rückgang der Niederschläge im südlichen Amazonasbecken. Der Untersuchung zufolge handelt es sich um einen Rückgang der jährlichen Niederschläge um 8–11 Prozent. Dies hänge "zu 52–72 Prozent mit der weit verbreiteten Entwaldung im südlichen Becken und in den windzugewandten Regionen Südamerikas zusammen". Die Studie, veröffentlicht in Nature, konstatiert, dass die Entwaldung die aus dem Wald stammende Feuchtigkeit erheblich reduziere und dergestalt letztlich zu einem deutlichen Rückgang der Niederschläge führe. Zudem stellten die Autor:innen fest, dass Klimamodelle die Empfindlichkeit der Niederschläge gegenüber Entwaldung erheblich unterschätzten, "was bedeutet, dass der Amazonas-Regenwald viel früher als bisher angenommen von einem erheblichen Verlust bedroht ist", so die Autor:innen.
| von Christian.russau@fdcl.org
Neue Studie: Entwaldung hat schon jetzt zu einem deutlichen Rückgang der Niederschläge im Süden Amazoniens geführt
Links im Bild: Viehweide. Rechts im Bild: Amazonischer Regenwald. Foto: christian russau

Seit Langem gibt es die wissenschaftliche These, dass die zunehmende Entwaldung Amazoniens deutliche Auswirkungen auf den Regenhaushalt anderer Regionen des südamerikanischen Kontinents haben werde - das Stichwort hierzu sind die "Fliegenden Flüsse Aazoniens", über die KoBra bereits seit 2014 wiederholt berichtet hat. Nun vor wenigen Tagen, am 13. Januar, erschien in der Fachzeitschrift Nature ein Artikel zu den Erkenntnissen einer neuen Studie. Dieser zufolge habe die in den letzten Jahrzehnten in Amazonien gesamte bisherige Entwaldung bereits zu einem Rückgang der Niederschläge im Süden Amazoniens geführt. Den Wissenschaftler:innen zufolge habe der Verlust des Regenwaldes den natürlichen Wasserkreislauf in der Region verändert und das Klima trockener und instabiler gemacht.

Die Studie analysierte Satellitendaten und Klimamodelle aus den Jahren zwischen 1980 und 2019. Dabei ging es darum zu begreifen, inwiefern sich der Verlust der Vegetation auf die Feuchtigkeitszirkulation in der Atmosphäre auswirke. Das Ergebnis, so die Studie, zeige, dass in Teilen des südlichen Amazonasbeckens der Rückgang der Niederschläge während des untersuchten Zeitraums bis 8 bis zu 11 Prozent pro Jahr betragen könne:

"We identify a contrasting northern increase and southern decrease dipole trend in observed precipitation across the Amazon basin. The pronounced reduction in precipitation for the southern Amazon basin reaches up to 3.9-5.4 mm yr-1 per year, resulting in an 8-11% decline in annual precipitation across the observation period. We discover that this reduction in precipitation is primarily (52-72%) related to widespread deforestation in the southern basin and upwind regions over South America. Deforestation substantially suppresses forest-sourced moisture, increases atmospheric stability and moisture outflow, leading to precipitation reduction. We also find that climate models substantially underestimate the sensitivity of precipitation to deforestation, implying that the Amazon forest is at risk of major loss much sooner than previously projected."
https://www.nature.com/articles/s41467-026-68361-z

Die Wissenschaftler:innen erklärten, dass der Amazonas-Regenwald wie eine Art "Wasserpumpe" funktioniere: Die Bäume nehmen Wasser aus dem Boden auf und geben einen Teil dieser Feuchtigkeit durch Evapotranspiration an die Atmosphäre zurück, wodurch sie zur Bildung von Wolken und Regen beitragen. Wenn große Flächen abgeholzt werden, wird dieser Prozess geschwächt, und es fällt weniger Regen über dem Amazonasgebiet selbst und den angrenzenden Regionen. Genauso wurde auch schon in der Vergangenheit die These der "Fliegenden Flüsse Amazoniens" erklärt. Was an der Studie aber neu ist: Dass dieser Prozess schon jetzt Folgen zeitigt, und nicht erst in naher Zukunft, wenn einzelne Kipppunkte überschritten werden. Die Studie zeige, so die Autor:innen, dass viele Klimamodelle die Auswirkungen der Abholzung auf den Niederschlag noch immer unterschätzen. Daraus folge, so die Autor:innen, dass die Folgen des Waldverlusts schneller und intensiver sein könnten als bisher angenommen, was das Risiko von anhaltenden Dürren, Waldbränden und Schäden für die Landwirtschaft erhöhen würde.

Der Begriff der "flying rivers" wurde von dem Meteorologen Jose Marengo geprägt. Fliegende Flüsse bezeichnen die Verdunstung von errechnet 20 Milliarden Tonnen Wasser in Amazonien jeden Tag. Zum Vergleich: Der weltgrößte Fluss der Welt, der Amazonas, speist täglich 19 Milliarden Tonnen Wasser in den Atlantik. Der Begriff der Fiegenden Flüsse bezeichnet demnach den Vorgang der täglichen Verdunstung zu Wolken von 20 Milliarden Tonnen Wasser durch Amazoniens Blattwerk, von dem 50 Prozent sich in Amazonien selbst wieder abregnen und zehn Milliarden Tonnen gen Westen an den sechstausend Metern hohen Anden blockiert werden und von dort nach Süden getrieben werden und sich über dem Wassereinzugsgebiet des Cerrados - des zentralen Grundwasserspeichers Brasiliens - bis hin zu den Millionenmetropolen von São Paulo, Rio de Janeiro, Belo Horizonte sowie ganz Südbrasilien, Nordargentien, Uruguay und Teilen Paraguay abregnen und dergestalt überhaupt erst dafür sorgen, dass dort keine semi-ariden Zonen bestehen.

// Christian Russau

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