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Welle der Gewalt gegen die indigenen Völker

Die Zivilgesellschaft sowie die Regierung ist bestürzt über die antiindigenen Aktionen, die das Land vom Norden bis in den Süden durchziehen.

Beklagenswert ist die Gewalt während der letzten zwei Wochen. Drei Indios wurden brutal ermordet, zwei von ihnen für ihren Einsatz um Land. Am 09.01.2003 fand man die Leiche des Indio Macuxi, Aldo da Silva Mota (52 Jahre), nahe der Fazenda Retiro im Gebiet Raposa/Serra do Sol in Roraima. Der Arzt Ricardo Gouveia vom gerichtsmedizinischen Institut in Boa Vista schrieb in seinem Bericht "unbekannte Todesursache". Der Indianerrat von Roraima (CIR) und Angehörige des Opfers drängten auf ein weiteres Gutachten. Auf Veranlassung des Justizministers wurde die Leiche von Aldo in das gerichtsmedizinische Institut nach Brasília gebracht. Laut Dr. Eduardo Reis, dem Koordinator der Abteilung für Forensische Anthropologie des Bundesdistriktes, stellte man einen Einschuss fest. Das Gutachten ist noch nicht veröffentlicht. Dr. Eduardo wird sich an den Ort des Geschehens zur Beweissicherung begeben.

Am 06.01.2003 prügelten drei Jugendliche den Indio Kaingang Leopoldo Crespo (77 Jahre) in Miraguaí (RS) zu Tode, der auf dem Gehsteig in der Stadt schlief. "Die Fußtritte und Misshandlungen, die den alten Kaingang töteten, schmerzen alle Brasilianer. Wir schämen uns als Nation. Wenn wir ein großes Land sein wollen, das Träume verwirklicht und an der Zukunft baut, müssen wir den Rassismus und die Intoleranz bekämpfen und das Recht auf Vielfalt garantieren", heißt es in einer Erklärung von CIMI Süd am 09.01.2003. Dieses Verbrechen erinnert sehr an Galdino, der 1997 von Jugendlichen in Brasília verbrannt wurde.

Am Morgen des 13.01.2003 kam ein weiterer Indio, der Kazike Guarani-Kaiowá Marcos Veron (74 Jahre), in Juti (MS) gewaltsam ums Leben. Auch er wurde zu Tode geprügelt, nachdem er mit rund 100 Indios die Rückgewinnung des indigenen Gebietes Taquara betrieben hat, das der Fazendeiro für sein Anwesen Brasília do Sul beansprucht. Die Täter waren Arbeiter der Fazenda. Laut Berichten der Guarani kamen der Verwalter der Fazenda und Polizisten am 12.01.2003 in das Lager der Indios und versprachen, dass nichts geschehen werde. Tags darauf sind mehr als 50 Personen, darunter Pistoleiros der Fazenda und Polizisten, in das Lager eingedrungen und haben die Indios überfallen. Sechs Frauen wurden vergewaltigt, ein Indio angeschossen, eine Person getötet und zwei Indios verschwanden. Die Präsidentschaft des CIMI führte ein Gespräch mit dem Justizminister und forderte sofortige Maßnahmen, um dieser Welle der Gewalt ein Ende zu setzen sowie deutliche Zeichen, die auf eine neue indigene Politik hinweisen. Der Haftbefehl für den flüchtigen Verwalter der Fazenda, Nivaldo Alves de Oliveira, ist ausgestellt. Die Arbeiter Estevão Romero und Carlos Roberto dos Santos sind bereits festgenommen. Die Bundespolizei hat Untersuchungen eröffnet. Die Leiche von Veron wurde am 15.01.2003 mit gerichtlicher Genehmigung beerdigt. Acht Fahrzeuge der Bundespolizei und die Staatsanwälte der Republik, Charles Stevan da Motta Pessoa und Ramiro Rockenbach da Silva, waren beim Begräbnis. Seit 1998 warten die Guarani-Kaiowá auf den Bericht der Identifizierung ihres Gebietes, der noch immer nicht von der FUNAI übergeben wurde. Für den CIMI sind diese Gewaltakte sehr besorgniserregend, gerade jetzt, da man bestrebt ist, eine neue indigene Politik zu definieren. Dieser Tage richtet die Welt ihre Blicke auf Brasilien, wenn in Porto Alegre das Weltsozialforum stattfindet. Die indigenen Völker hoffen, dass sie dort nicht nur ihre Bestürzung, sondern auch ihren Beitrag zur Gestaltung einer neuen Welt einbringen können.