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Stopp des Genehmigungsverfahrens für Goldabbau beim Staudammprojekt Belo Monte gefordert

Größter Goldabbau Brasiliens geplant. Bundesstaatsanwaltschaft fordert zuvor Anhörung indigener Gruppen und lehnt getrennte Umweltfolgenprüfungen ab. Die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft forderte Anfang der Woche das Umweltministerium des Bundesstaates Pará auf, dem geplanten Goldabbau durch den kanadischen Rohstoffkonzern Belo Sun Mining in direkter Nachbarschaft des Staudamms Belo Monte keine Genehmigungslizenz zu erteilen.
Stopp des Genehmigungsverfahrens für Goldabbau beim Staudammprojekt Belo Monte gefordert

El Dorado für Goldkonzern. Die Volta Grande soll auf einer Länge von bis zu 100km trocken gelegt werden. (Grafik: GegenStrömung)

Brasília. Die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft forderte Anfang der Woche das Umweltministerium des Bundesstaates Pará auf, dem geplanten Goldabbau durch den kanadischen Rohstoffkonzern Belo Sun Mining in direkter Nachbarschaft des Staudamms Belo Monte keine Genehmigungslizenz zu erteilen. Der Konzern Belo Sun Mining mit Sitz in Toronto erhofft sich mit dem Projekt am Xingu-Fluss den Abbau von bis zu 4,1 Millionen Unzen Gold über einen Zeitraum von zwölf Jahren. Damit wäre dies die größte Goldmine Brasiliens.

Das Projekt mit dem Namen "Volta Grande" soll ab dem dritten Quartal 2013 auf dem Gebiet der sogenannten "Großen Schlinge" des Xingu-Flusses begonnen werden. Durch den Bau des umstrittenen Staudamms Belo Monte soll dieses Gebiet bis zu 70 Prozent trockengelegt werden. Erst durch die infolge des Staudammbaus eintretende Trockenlegung des Flussbetts auf 100 Kilometern Länge wird der Abbau in offenem Tagebau wirtschaftlich möglich. Die Staatsanwälte sehen die Rechte indigener Gruppen der Region durch dieses neue Projekt, das im vergangenen Jahr durch die Bloggerin Telma Monteiro öffentlich gemacht wurde, bedroht. Deshalb sollte für das Goldabbau-Projekt von Belo Sun Mining solange keine Genehmigung erteilt werden, bis die betroffenen indigenen Gruppen angemessen angehört wurden. Dies sei bislang nicht geschehen, so die Staatsanwaltschaft.

Hinzu käme, so die Staatsanwaltschaft, dass es wegen der gleichzeitigen Unregelmäßigkeiten des Genehmigungsverfahrens für den Stauddam Belo Monte und der damit für die Bewohner und Umwelt verbundenen Gefährdungen, nicht angebracht sei, die zwei umstrittenen Projekte getrennt zu betrachten. Vielmehr müssten beide Vorhaben in einer Umweltfolgenstudie zusammen analysiert werden, um die gegebenenfalls sich kumulativ einstellenden sozialen und Umweltfolgen in ihrem Zusammenspiel zu untersuchen. So sollten vor der Erteilung jedweder Lizenz die Auswirkungen sowohl des Staudamms Belo Monte und des Goldabbauprojekts von Belo Sun Mining vor allem in Fragen von "Umsiedlung von Bevölkerung, der Anwendung umweltverschmutzender Substanzen sowie die Umweltauswirkungen" genauestens geprüft werden, empfahl die Staatsanwaltschaft.

"Belo Monte ist der Todesstoß ins Herz der indigenen Völker am Xingu", hatte der katholische Bischof der Diözese von Altamira, Pará, Erwin Kräutler, das Staudammprojekt in Amazonien erst Anfang Januar anläßlich der Aktionärsversammlung der Siemens AG genannt. Siemens ist gemeinsam mit dem Unternehmen Voith über die Lieferung von Turbinen ebenso an dem drittgrößten Staudammbau der Welt beteiligt, wie die Konzerne Allianz AG und Münchener Rück an Versicherung und Rückversicherung an Belo Monte teilhaben. Auch wenn europäische Firmen mit "diesem Wahnsinnsprojekt astronomische Gewinne" machten, sei dadurch Belo Monte noch lange nicht ethisch vertretbar, so Bischof Kräutler, der 2010 den Right Livelihood Award, den sogenannten "alternativen Nobelpreis", für seinen Einsatz für Menschenrechte in der Xingu-Region erhalten hatte. "Jede Firma, die sich an Belo Monte beteiligt, zeichnet mitverantwortlich für diese Menschenrechts- und Umweltkatastrophe", empörte sich der Bischof.

Mit dem Belo Monte-Projekt soll am Xingu-Fluss im brasilianischen Amazonasbecken der drittgrößte Staudamm der Erde realisiert werden. Für eine Kapazität von bis zu 11 GW soll er eine Fläche größer als den Bodensee fluten, während ein derer Flussabschnitt, die "Volta Grande", deutlich weniger Wasser erhalten wird. Die in Brasilien gegen das Staudammprojekt kämpfenden Indigenen, Flussanwohner und Umweltgruppen warnen seit Jahren vor der Zerstörung von Schutzgebieten und Regenwaldflächen. Zudem drohten mehr als 30.000 Menschen die Zwangsumsiedlung, die Lebensweisen indigener Völker seien bedroht und tausende Fischer stünden vor dem Verlust ihrer Existenzgrundlage, so die gegen den Staudammbau weltweit protestierenden Umweltgruppen.