Munich Re wegen Belo Monte-Beteiligung weiter in der Kritik

Dachverband der kritischen Akltionäre stellt Gegenantrag für Jahreshauptversammlung am 30. April 2014 in München und fordert die Verweigerung der Entlastung des Vorstands der Munich Re.
| von KoBra
Munich Re wegen Belo Monte-Beteiligung weiter in der Kritik
Photo: GegenStrömung

Eingereicht vom Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, Köln:

"Gegenantrag zu Tagesordnungspunkt 3:
Entlastung der Mitglieder des Vorstands für das Geschäftsjahr 2013:
Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, die Mitglieder des Vorstands nicht zu entlasten.
Begründung:
„Vorausschauendes und verantwortungsbewusstes Handeln ist integraler Bestandteil der Konzernstrategie“ für die Munich Re, so heißt es im jüngsten CSR-Bericht. Das tatsächliche Handeln der Munich Re steht dazu im Widerspruch.
Die Münchener Rück hat 25 % der Rückversicherungssumme für den Bau des umstrittenen Staudamms Belo Monte in Brasilien übernommen und erhält dafür umgerechnet 15,5 Millionen Euro an Prämien über einen Zeitraum von vier Jahren.
Mit der Übernahme von 25 % der Rückversicherung des Staudamms Belo Monte verstößt Munich Re gegen die eigenen Prinzipien und Leitlinien.
Durch das Staudammprojekt werden 400 km² Regenwald geflutet und unwiederbringlich zerstört, einzigartige Schutzgebiete vernichtet und große Mengen klimaschädlicher Treibhausgase freigesetzt. Fachleuten zufolge müssen bis zu 40.000 Menschen für den Staudamm aus ihrer Heimat vertrieben werden. Dazu zählen Flussanwohner, Indigene, Kleinbauern ebenso wie Bewohner/innen der Armenviertel in der Stadt Altamira.
Umweltzerstörung, Artenverlust, Menschenrechtsverletzungen, die Ausbreitung von Armut und Krankheiten sind weitere Folgen. Die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (CIDH) der Organisation Amerikanischer Staaten (OEA) hat die unverzügliche Aussetzung des Genehmigungs- und Bauprozesses des Großprojektes Belo Monte gefordert, da die Rechte indigener Bevölkerungen missachtet werden, die durch das
Projekt ihrer Lebensgrundlagen beraubt werden.
Die Bundesstaatsanwaltschaft im brasilianischen Bundesstaat Pará hat in 24 bislang eingereichten Klagen gegen das Staudammprojekt Belo Monte auf die Vielzahl an Gesetzesbrüchen durch das Projekt hingewiesen. Darüber hinaus beschäftigen 50 weitere Klagen, die von Betroffenen selbst eingereicht worden sind, aktuell die Justiz. Auch im vergangenen Jahr wurden die Bauarbeiten richterlich wegen Nicht-Einhaltung der Auflagen
zum Schutz von Mensch und Natur zwischenzeitlich gestoppt. Des Weiteren kam es zu Baustellenbesetzungen durch betroffene Fischer und indigene Gemeinschaften.
Am 27. März dieses Jahres stellte das für die Region zuständige Bundesgericht eine Vielzahl von Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Umweltverträglichkeitsstudie und der Vorläufigen Betriebslizenz für das Staudammprojekt fest. Das Gericht kritisierte zudem, dass
eine Vielzahl der in der UVP geforderten 40 Auflagen bisher nicht umgesetzt worden sind. Es forderte das Betreiberkonsortium -
unter Androhung eines Baustopps - auf, innerhalb der nächsten 90 Tage eine neue, vollständige UVP vorzulegen. Sollte dies nicht geschehen,
würden alle bisher erteilten Lizenzen an Gültigkeit verlieren.
Die Beteiligung der Munich Re an einem Projekt, dessen UVP und Betriebslizenzen durch die Justiz als fehlerhaft und fragwürdig bewertet worden sind, ist untragbar. Der Vorstand hat es trotz mehrfach er Aufforderung bisher versäumt, den seit Jahren gegen das Staudammprojekt Belo Monte erhobenen Vorwürfen gewissenhaft nachzugehen und sich ein vom Betreiberkonsortium unabhängiges Bild von den sozialen, ökologischen und auch
juristischen Problemen des Projektes zu machen. Sowohl Vertreter/innen von Betroffeneninitiativen als auch der Bundesstaatsanwaltschaft hatten in diesem Kontext wiederholt Gesprächsangebote unterbreitet. 25 % der Rückversicherungssumme ist ein signifikanter Anteil an dem gesamten Projekt Belo Monte. Damit zeichnet der Vorstand der Münchener Rück mitverantwortlich für die im Zusammenhang mit Belo Monte stehenden Vorgänge und kann damit nicht entlastet werden.

Köln, 15.04.2014
Markus Dufner
Geschäftsführer
Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre e.V."

Quelle der Veröffentlichung laut Aktionärsgesetz: Munich Re