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Münchener Rück: Profite auf Kosten von Mensch und Umwelt

Anlässlich der morgigen Hauptversammlung der Münchener Rück fordert ein breites Bündnis aus Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen mehr Verantwortung von der Münchener Rück, dem weltgrößten Rückversicherer. Das Bündnis wirft dem Konzern vor, sich gern als nachhaltig agierendes Unternehmen zu präsentieren, dabei aber aktuell in die Absicherung eines der umstrittensten Energieprojekte weltweit verstrickt zu sein: Belo Monte.
Münchener Rück: Profite auf Kosten von Mensch und Umwelt

Photo: GegenStrömung

Berlin, München, Freiburg. Wie von KoBra berichtet, hat die Münchener Rück 25 Prozent der Rückversicherung des Staudammbaus von Belo Monte im amazonischen Bundesstaat Pará in Brasilien übernommen. Helena Palmquist, Vertreterin der Bundesstaatsanwaltschaft im brasilianischen Pará, wo Belo Monte gebaut wird, und Verena Glass von der Widerstandsbewegung Xingu Vivo para Sempre („Lebender Xingu-Fluss“) sind deswegens eigens auf Einladung der Organisation GegenStrömung aus Brasilien nach München gereist. Sie wollen gemeinsam mit dem Aktionsbündnis gegen Belo Monte und dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre am Donnerstag, dem 25. April, die Münchener Rück auf deren Aktionärsversammlung in München mit den Auswirkungen des von ihr abgesicherten Staudamms Belo Monte konfrontieren. „Das Staudammprojekt Belo Monte entzieht den Einwohnern der Amazonas-Region um Altamira und an der großen Flussschlinge des Xingu ihre Lebensgrundlage“, beschreibt Verena Glass die Situation in Brasilien. Durch das Staudammprojekt werden 400 km² Regenwald vernichtet und bis zu 40.000 Menschen sind von Zwangsumsiedlung bedroht. Tausende Fischer, Flussanwohner, Indigene und Kleinbauern stehen vor dem Verlust ihrer Existenzgrundlage. „Wir vor Ort begreifen dieses Projekt als  brutales Attentat auf das Überleben Tausender Menschen in einer der artenreichsten Regionen Amazoniens und der Welt“, so Glass weiter.
Zudem gebe es zahlreiche juristische Auseinandersetzungen. „Die Bundesstaatsanwaltschaft im brasilianischen Bundesstaat Pará hat bereits 17 Mal  Klagen gegen das Staudammprojekt Belo Monte eingereicht, weil das Projekt so viele Gesetze  bricht“, so Helena Palmquist von der Bundesstaatsanwaltschaft in Pará. Dabei gehe es um fehlende Konsultationen der betroffenen indigenen Bevölkerung, um unvollständige und widersprüchliche Umweltverträglichkeitsstudien, um intransparente und rechtlich fragwürdige Genehmigungsprozesse sowie die fehlende Kontrolle und Sanktionierung des Baukonsortiums, wenn es vorgeschriebene Bauauflagen nicht einhält. Zusammenfassend hält Palmquist Belo Monte für „einen Angriff auf die brasilianische Verfassung“.
Die Münchener Rück hat 25 Prozent der Rückversicherungssumme für den Bau des Staudamms übernommen und erhält dafür umgerechnet 15,5 Millionen Euro an Prämien über einen Zeitraum von vier Jahren. „Die Beteiligung an der Rückversicherung des Staudamms Belo Monte in Brasilien ist ein Skandal“, so Martin Glöckle von der Organisation Pro Regenwald. „Die Münchener Rück präsentiert sich gern als Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Ihr tatsächliche Handeln steht dazu im Widerspruch, denn Belo Monte hat nicht nur schwere soziale und ökologische Auswirkungen, sondern wird in großem Stil Methangas freisetzen, ist also alles andere als klimafreundlich“, so Glöckle weiter.
Belo Monte ist kein einmaliger „Ausrutscher“ der Münchener Rück: Brasilianischen Quellen zufolge sichert die Münchener Rück zudem den Teles-Pires-Staudamm im Bundesstaat Mato Grosso ab. Auch bei diesem Staudamm wurden die Bauarbeiten bereits mehrfach gerichtlich gestoppt, da indigene Gemeinschaften nicht hinreichend konsultiert wurden und die Zerstörung kultureller Heiligtümer droht, so das Organisationsbündnis in ihrer Pressemitteilung.
„Diese beiden Beispiele belegen, dass die Münchener Rück in Sachen Nachhaltigkeit enormen Nachholbedarf hat und dringend mehr Verantwortung übernehmen muss. Sie sollte als Rückversicherer die Risiken in der Welt minimieren statt, wie bei Belo Monte und Teles Pires, die Kosten und Risiken für Mensch und Umwelt zu vergrößern“, forderte Barbara Happe von der Umweltorganisation urgewald.