FJT 2026 - Brasilien im Wahljahr 2026: Demokratie, Klimapolitik und Quilombismos

Wir laden herzlich zur KoBra-Frühjahrstagung vom 27.–29. März 2026 in der Jugendherberge Mainz ein!
| von tilia.goetze@kooperation-brasilien.org
FJT 2026 - Brasilien im Wahljahr 2026: Demokratie, Klimapolitik und Quilombismos
Bild: Fantasmas da Esperança (2018) von Marcela Cantuária (Pinacoteca), Foto: Tilia Götze


Im Wahljahr 2026 steht Brasilien politisch an einem entscheidenden Punkt. Gemeinsam möchten wir mit Expert*innen, Basisbewegungen, brasilianischen Diaspora-Perspektiven, Aktiven aus der Solidaritätsarbeit und allen Interessierten erkunden, wie sich Demokratie, soziale Kämpfe und Klimapolitik derzeit neu ordnen.

Wir lernen die Grundlagen des politischen System Brasiliens kennen – wie funktioniert die brasilianische Demokratie, welche Machtblöcke spielen eine Rolle und welche Perspektiven bieten die Wahlen? Weiter geht’s in der Tagung um Zukunftsperspektiven für Klima und Umwelt, sowie die Notwendigkeit von Diaspora-Perspektiven in der Politik. Schließlich sammeln wir gemeinsam, wie sich auf globaler und lokaler Ebene die Rahmenbedingungen der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit und des Aktivismus verändern – und welche Handlungsspielräume wir darin haben.

Anmeldung bis 13. März 2026: https://pretix.eu/kobra/fjt26/

Ort: Jugendherberge Mainz, Otto-Brunfels-Schneise 4, 55130 Mainz


Veranstaltungsbeschreibungen:

Freitag, 27. März 2026 | 19:15–20:45 Uhr

„Zwischen Regierung, Parlament und Justiz: Die Dynamik des politischen Systems Brasiliens“

Brasilien befindet sich politisch an einem Wendepunkt. Nach den bolsonaristischen Umbrüchen der vergangenen Jahre sortiert sich das Machtgefüge zwischen Regierung, Parlament und Justiz neu. Während ein konservativ dominiertes Parlament zahlreiche progressive Vorhaben der Regierung Lula ausbremst, setzt der Supremo Tribunal Federal (STF) mit weitreichenden Entscheidungen markante Akzente – darunter die historische Verurteilung Jair Bolsonaros, deren Folgen das politische Feld noch auf Jahre prägen werden.

Unsere Veranstaltung führt zunächst verständlich in das politische System Brasiliens ein:
Wie funktioniert das präsidentielle Regierungssystem? Warum ist der presidencialismo de coalizão – die Notwendigkeit breiter und oft fragiler Parlamentskoalitionen – so zentral? Welche Handlungsspielräume besitzen Präsident, Parlament und Justiz? Und welche Rolle spielt der machtpolitisch einflussreiche Block Centrão?

Im Anschluss richten wir den Blick auf die Gegenwart:
Welche Reformen und Weichenstellungen verfolgt die Regierung Lula? Wo stößt sie auf Widerstände? Wie verändern die Interventionen des STF, die Neuformierung politischer Allianzen und internationale Einflussnahmen – etwa aus den USA – die politische Landschaft? Und was bedeutet dies für die kommenden Wahlen und für die Zukunft der brasilianischen Demokratie?

Die Veranstaltung bietet sowohl einen kompakten Einstieg in das Regierungssystem Brasiliens als auch eine kritische Analyse der aktuellen politischen Dynamiken.

Format: Hybridveranstaltung
Sprache: Portugiesisch, Simultanübersetzung ins Deutsche
Moderation: Lateinamerika Forum

Eine Veranstaltung der Berliner Brasiliendialoge (BBD) Mitglieder: Lateinamerika-Institut der FU Berlin • FDCL • KoBra • Lateinamerika Forum Berlin • Brot für die Welt • Misereor • Friedrich-Ebert-Stiftung • Heinrich-Böll-Stiftung • Rosa-Luxemburg-Stiftung

Samstag, 28. März 2026 | 10:00 – 12:00 Uhr

„Basisbewegungen im (brasilianischen) Wahlkampf: Was können wir vom "Quilombismo" lernen?“

mit Ana Graça Correia Wittkowski vom Verein BrasilNilê

Brasilien steht 2026 vor entscheidenden Präsidentschaftswahlen – und die Dynamiken, die den Wahlkampf prägen, sind eng verbunden mit historischen Machtverhältnissen und globalen politischen Verschiebungen. Doch was hat das mit uns in Deutschland zu tun? Wie hängen Entwicklungen wie der Bolsonarismus und die AfD miteinander zusammen, und welche Rolle spielt dabei die koloniale Vergangenheit beider Länder?

In einem vielseitigen und interaktiven Workshop lädt Ana Graça Correia Wittkowski vom Verein BrasilNilê dazu ein, den Blick zu weiten und alternative Perspektiven kennenzulernen. Im Zentrum stehen die politischen Kämpfe und Visionen von Schwarzen Frauen, Indigenen und Quilombolas, die in Brasilien eine tragende Rolle im Widerstand gegen konservative/ rechtsextreme Kräfte spielen und sich für ein „Gutes Leben für Alle“ einsetzen.

Gemeinsam erkunden wir:

  • welche historischen Wurzeln die aktuellen politischen Entwicklungen in Brasilien und Deutschland prägen,
  • wie sich marginalisierte Gruppen organisieren und welche autonomen Bewegungen dem Rechtsruck entgegentreten,
  • welche Ziele, Strategien und Herausforderungen diese Basisbewegungen auszeichnen,
  • und was wir aus ihren Erfahrungen für unser eigenes zivilgesellschaftliches Engagement in Deutschland lernen können.

Der Workshop bietet Raum für Austausch, Perspektivwechsel und gemeinsames Nachdenken darüber, wie gesellschaftliche Veränderung möglich wird – lokal wie global.

Sprache: Deutsch, bei Bedarf Übersetzung ins Portugiesische
In Kooperation mit: BrasilNilê e.V.

Samstag, 28. März 2026 | 14:30 – 16:00 Uhr

„COP 30 – was war, was bleibt“

Die COP 30 war im Jahre 2025 ein prägendes Ereignis für Brasilien. Nach einer kurzen Bilanz wollen wir der Frage nachgehen, inwieweit die COP brasilianische Politik über das Event hinaus beeinflusst. Wir diskutieren:

  • Was bedeutet die COP für soziale Bewegungen, insbesondere für die indigenen Bewegungen?
  • Sind tatsächlich Schritte in Richtung Ausstieg aus dem fossilen Modell zu erwarten?
  • Wie geht die Auseinandersetzung um den umstrittenen Tropenwaldfonds TFFF weiter?
  • Wie steht es um die Umwelt- und Klimapolitik im Wahljahr 2026?

KoBra war mit Camila da Abreu und Vinícius Mendes sowie Biancka Miranda und Thomas Fatheuer (beide Vorstand) auf der COP30 vertreten. In einem Podiumsgespräch werden die Vier auf die aufgeführten Fragen eingehen und sie in Interaktion mit dem Publikum weiterführen.

Moderation: Uta Grunert
In Kooperation mit: FDCL
Sprache: Deutsch, bei Bedarf Flüsterübersetzung ins Portugiesische

Sonntag, 29.März 2026 | 9:45 – 11:15 Uhr

„Perspektiven der Solidaritätsarbeit zwischen Brasilien und Deutschland“

Zum Abschluss schauen wir auf Kürzungen in der Bildungsarbeit, einen globalen Rechtsruck und veränderte Rahmenbedingungen, die uns vor neue Herausforderungen stellen. Nach einem kurzen Input diskutieren wir gemeinsam, wie wir unsere Arbeit stärken, uns vernetzen und Hoffnung als politische Praxis erhalten können.

Sprache: Deutsch, bei Bedarf Flüsterübersetzung ins Portugiesische
Moderation: noch offen


Du hast Lust, mitzuwirken und die Orga zu unterstützen? Wir freuen uns über Fotos, Protokolle, Texte, Awareness-Schichten, Moderationen oder Unterstützung bei der Anmeldung. Schreib uns einfach an info@kooperation-brasilien.org, auf was du Lust hast.


Zugänglichkeit

Wir möchten die Tagung für möglichst viele Menschen zugänglich machen:

  • Das Haus ist berollbar; barrierefreie Zimmer können wir nach vorheriger Absprache reservieren.
  • Assistenzpersonen sind herzlich willkommen und nehmen kostenfrei teil.
  • Für Deutsch-Portugiesisch bieten wir nach Bedarf eine Flüsterübersetzung an.
  • Die Auftaktveranstaltung ist auf Portugiesisch; für die deutsche Übersetzung nutzt bitte die Zoom-App (Smartphone + Kopfhörer nötig).
  • Aktuell stehen uns keine Kinderbetreuung, Gebärdensprachdolmetschung oder Sehhilfen zur Verfügung.
  • Unser Awareness-Konzept unterstützt einen sicheren, respektvollen Raum

Im Rahmen des FEB-Projekts "Global vernetzt, lokal engagiert: Klimagerechtigkeit und Vielfalt von Brasilien bis Deutschland"

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