Satellitengestützter Waldschutz oder neue Landraub-Methode?

Die Bioökonomie hat einen umfassenden gesellschaftlichen Wandel weg von einer fossilen hin zu einer Biomasse-basierten Ökonomie zum Ziel. Unklar ist jedoch, wie verhindert werden soll, dass ein wachsender Biomasse-Verbrauch die ungleiche globale Übernutzung landwirtschaftlicher Flächen, Wälder und Süßwasser verschärft. Entsprechend gewinnen in der Debatte um eine nachhaltige Bioökonomie zunehmend Monitoring- Ansätze an Bedeutung, die über Raumplanungsinstrumente den Schutz von biodiversitätsreichen Gebieten und Landrechte kleinbäuerlicher Gruppen sicherstellen sollen.
  • Satellitengestützter Waldschutz oder neue Landraub-Methode?
  • 2021-04-13T18:00:00+02:00
  • 2021-04-13T20:00:00+02:00
  • Die Bioökonomie hat einen umfassenden gesellschaftlichen Wandel weg von einer fossilen hin zu einer Biomasse-basierten Ökonomie zum Ziel. Unklar ist jedoch, wie verhindert werden soll, dass ein wachsender Biomasse-Verbrauch die ungleiche globale Übernutzung landwirtschaftlicher Flächen, Wälder und Süßwasser verschärft. Entsprechend gewinnen in der Debatte um eine nachhaltige Bioökonomie zunehmend Monitoring- Ansätze an Bedeutung, die über Raumplanungsinstrumente den Schutz von biodiversitätsreichen Gebieten und Landrechte kleinbäuerlicher Gruppen sicherstellen sollen.
  • Wann 13.04.2021 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo digital
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In der digitalen bilingualen Veranstaltung (deutsch – portugiesisch) wird der Fokus auf den satellitengestützten Waldschutz, dem Umweltkataster (Cadastro Ambiental Rural), im brasilianischen Amazonasbecken gesetzt. Dieses Instrument sieht vor, den Waldschutz im Privatbesitz sicherzustellen, indem überwacht wird, dass 80% der Besitzfläche mit Wald bedeckt ist oder entsprechend wieder aufgeforstet wird. Während Befürworter*innen mit dem Instrument große Hoffnungen auf eine effektive Abholzungsbekämpfung verbinden, warnen Kritiker*innen vor neuen Fallstricken. Sie problematisieren, dass dieses Instrument von den ungeklärten und umkämpften Landbesitz- und Landzugangsverhältnissen vor Ort abstrahiert. Denn die CAR-Registrierung funktioniert online ohne Vorortkontrolle der
angegebenen Landtitel. Die Gefahr, dass über dieses Umweltmonitoring-Instrument Landraub legalisiert wird, ist groß.
In der Veranstaltung beleuchten die geladenen Expert*innen die Widersprüche und Fallstricke satellitengestützter Raumplanungsinstrumente und diskutieren alternative Ansätze.

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Die Veranstaltung soll max. zwei Stunden dauern. Es gibt 4 kurze Inputs von 10 Minuten, dann folgt die moderierte Abschlussdiskussion. Die Veranstaltung richtet sich an eine interessierte Öffentlichkeit in Brasilien und Deutschland. Sie soll entsprechend in den Netzwerken und Mailing-Listen beworben werden.


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Maria Backhouse (FSU, Jena): Bioökonomie und Waldschutz in Amazonien
Thomas Fatheuer (FDCL, Berlin): Satellitenstützen Monitoringsystemen aus der Sicht der
deutschen Entwicklungszusammenarbeit
Eliane Moreira (MPF): Die aktuelle Landbesitzfrage (Questao fundiária)
Maurício Torres (UFPA, Belém): CAR - ein neues Instrument des Landraubs
Moderation: Maria Backhouse und Kristina Lorenzen


Geplant: Dokumentation und Aufzeichnung für Radios über die Kooperation mit dem KoBra-Netzwerk.