2021 - Keimzellen des Widerstands

Am 23. und 24. April 2021 findet unsere KoBra-Frühjahrstagung 2021 Online statt.
2021 - Keimzellen des Widerstands
Foto: Jonas Santos / Mídia NINJA (CC BY-NC 2.0): "Es wird vorübergehen."

Mit Beginn des Jahres 2021 ist die Halbzeit der Bolsonaro-Regierung erreicht. Die Krisen in Brasilien spitzen sich währenddessen zu: Das Land verzeichnet 255.000 Todesfälle (01.03.2021) durch das Coronavirus und es scheint kein Ende in Sicht. Das Gesundheitssystem ist maßlos überlastet und die Rufe der Bevölkerung nach einem Amtsenthebungsverfahren Jair Bolsonaros werden immer lauter. Dennoch besteht dafür mit dem neuen Präsidenten der Abgeordnetenkammer, dem Bolsonaro-Unterstützer Arthur Lira (PP) wenig Hoffnung. Der Präsident verfolgt weiterhin ein Projekt des Demokratieabbaus und schränkt Beteiligungsmöglichkeiten für die Zivilgesellschaft systematisch und zunehmend ein. Unter seiner Agrar- und Wirtschaftspolitik leidet die Umwelt enorm und auch Menschenrechts-verletzungen häufen sich. Auch wenn sich in der Bevölkerung keine Revolution anbahnt, gibt es Widerstandskämpfe. Wir wollen uns im Rahmen dieser Fachtagung damit beschäftigen, wie es um die demokratischen Institutionen Brasiliens steht und dabei auf aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen eingehen. Wie gestaltet sich Widerstand? Welche Perspektiven gibt es auf politischer Ebende? Anhand zweier Beispiele schauen wir uns die Schwierigkeiten, Herausforderungen und Ziele von Bewegungen an, die sich innerhalb der multiplen Krisen für Alternativen einsetzen.

Anmeldung/ Tickets

Programm:

Freitag, 23. April 2021

19:00 - 20:30 Uhr Einführungsveranstaltung

Perspektiven im Kampf gegen ein autoritäres System

Referentin: Annette von Schönfeld (Leiterin der Heinrich-Böll-Stiftung Rio de Janeiro)

Moderation: Tilia Götze (KoBra) und Uta Grunert (KoBra)

Samstag, 24. April 2021

10:00 - 12:00 Uhr Workshop 1

Passe livre - Bewegung für kostenlosen ÖPNV

Mobilität ist ein Grundbedürfnis wie der Zugang zu Wasser, Energie und Bildung. Eine Grundversorgung für alle sollte das gesellschaftliche Ziel sein. Insbesondere im urbanen Umfeld funktioniert die Mobilität aber nicht Individualisiert. Auch elektrische PKWs benötigen zu viel Platz. Autonome Fahrzeuge haben das Potential den Belegungsgrad der Fahrzeuge noch unter 1 zu drücken. Massentransportmittel und aktive Mobilität sind für den engen, dicht besiedelten Raum die einzig skalierende Mobilitätsform. Obwohl die Elektrifizierung des Fahrrads den Bewegungsradius erweitert hat, kommt die urbane Mobilität nicht ohne Straßenbahnen, Busse und Züge aus.

Die Großstädte Brasiliens zeichnen sich durch eine mangelhafte bis nicht existierende Stadtplanung aus was die Mobilität betrifft. Die ökonomischen Zentren, an denen die Arbeitsplätze, Einkaufsmöglichkeiten und Institutionen verortet sind, konzentrieren sich in kleinen Bereichen was Millionen Menschen dazu zwingt mehrere Stunden in Transportmitteln zu verbringen und dabei einen großen Teil ihres Einkommens ausgeben.

Wie schaffen wir es aber, dass alle einen diskriminierungsfreien Zugang zu Mobilität haben? Was zählt zum Grundbedürfnis Mobilität? Ist das Landhaus mit entsprechender Pendelstrecke zum Arbeitsplatz Teil dieses Grundbedürfnisses? Wie sieht es mit den Urlaubsflügen aus? Gibt es ein Grundrecht auf den Konzertbesuch in einer anderen Stadt oder sogar einem anderen Bundesstaat?

Referentin: Thais Lamoza

Moderation: Fabian Kern (KoBra / VCD Regionalverband Südbaden)

14:00 - 16:00 Uhr Workshop 2

Traditionelle Gemeinschaften in Pará: Der Kampf um ein gutes Leben für Alle

Im Norden Brasiliens, im Bundesstaat Pará, leben traditionelle Gemeinschaften und Quilomoblagemeinden, die sich seit Jahrzehnten immer wieder gegen die Interessen großer Konzerne und für ihre Rechte und den Erhalt der Natur einsetzen. Ausländische Unternehmen, auch aus der EU, wollen aus dem Gebiet günstige Rohstoffe gewinnen. Die Bevölkerung vor Ort wehrt sich – und lebt Alternativen. In diesem Workshop berichtet Jaqueline von FASE über aktuelle Schwierigkeiten, Ziele und Forderungen der traditionellen und Quilombola-Gemeinschaften. Gleichzeitig geht es auch um lokale Lösungen sowie Kämpfe zu Zeiten der Pandemie und der Bolsonaro-Regierung. Wir fragen im Workshop weiter: Wie stehen wir in Europa mit den Gemeinden in Pará in Verbindung? Wo stehen wir selbst in diesen Kämpfen? Was können wir von ihnen lernen?

Jaqueline Felipe dos Santos ist Pädagogin und Mitarbeiterin bei der NGO FASE Amazonia, welche in den Bereichen städtische Entwicklung, sozio-ökologische Nachhaltigkeit der Territorien und Autonomie der Frauen tätig ist.

Referentin: Jaqueline Felipe dos Santos (FASE Amazônia)

Moderation: Silke Tribukait (ASW, KoBra)

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