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PM: ThyssenKrupp muss in Brasilien für Umwelt- und Gesundheitsschäden einstehen

Gemeinsame Pressemitteilung vom Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre aus Köln, dem Institut PACS aus Rio, KoBra aus Freiburg und FDCL aus Berlin: ThyssenKrupp braucht verantwortungsbewussten Aufsichtsrats-Chef. Konzern muss in Brasilien für Umwelt- und Gesundheitsschäden einstehen.
PM: ThyssenKrupp muss in Brasilien für Umwelt- und Gesundheitsschäden einstehen

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Rio de Janeiro / Berlin / Köln – Die Kritischen Aktionäre und Organisationen der Brasilien-Solidarität begrüßen den Rücktritt von ThyssenKrupp-Aufsichtsrats-Chef Gerhard Cromme, verlangen einen überzeugenden personellen Neuanfang und fordern Entschädigung für die Fischer an der Bucht von Sepetiba und medizinische Versorgung für die Anwohner des Stahlwerks.

„Wir haben Herrn Cromme bereits im Januar 2012 aufgefordert, die Verantwortung für das Stahlwerks-Desaster in Brasilien zu übernehmen und vom Aufsichtsratsvorsitz zurückzutreten", sagte Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. „Mit der Freude über den Rücktritt ist aber auch die Befürchtung verbunden, dass sich an der Geschäftspolitik von ThyssenKrupp nur wenig ändern wird. „Die für die Nachfolge Crommes gehandelten Aufsichtsratsmitglieder Ulrich Lehner und Hans-Peter Keitel stehen nicht für den von Cromme in Aussicht gestellten ´personellen Neuanfang´. Beide haben die in der Vergangenheit getroffenen Fehlentscheidungen mitzuverantworten. Lehners Urteilsfähigkeit ist auch deshalb zweifelhaft, weil er jüngst als Verwaltungsrat des Schweizer Novartis-Konzerns dem scheidenden Manager Daniel Vasella 59 Millionen Euro zuschanzen wollte.“

„ThyssenKrupp will das Stahlwerk TKCSA schnellstmöglich verkaufen und sich so aus der Verantwortung stehlen", kritisierte Sandra Quintela vom Instituto Políticas Alternativas para o Cone Sul (PACS) aus Rio de Janeiro. Sandra Quintela wendet sich gegen den Verkauf, solange die vom Stahlwerk ausgehenden Schäden nicht repariert und Entschädigungen geleistet wurden. „Wir brauchen dringend eine umfassende Untersuchung aller Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden, die ThyssenKrupp CSA in der Region angerichtet hat", stellte Sandra Quintela klar. Dazu müsse aber als Erstes der derzeit gültige Vertrag zwischen Umweltbehörden und ThyssenKrupp CSA (TAC-Abkommen) suspendiert werden und die Erteilung der definitiven Betriebsgenehmigung weiterhin verweigert werden, forderte sie.

„ThyssenKrupp ist verantwortlich für die an der Bucht von Sepetiba in Rio de Janeiro entstandenen Schäden", ergänzte Marcos da Costa Melo vom Netzwerk der Brasiliengruppen, Kooperation Brasilien (KoBra), mit Sitz in Freiburg. „Die 8.000 Fischerfamilien müssen für ihre jahrelang durch das Stahlwerk erlittenen massiven Einbußen beim Fischfang entschädigt werden", forderte da Costa Melo.

Christian Russau vom Berliner Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL) ergänzte, dass die vom Stahlwerk ausgehenden Gesundheitsgefahren für die Anwohner dringend angemessen untersucht und die Anwohner medizinisch betreut werden müssten. „Es kann nicht sein, dass ThyssenKrupp straffrei die Umwelt verschmutzen darf und die Belange der Anwohner derart mit Füßen tritt", kritisierte er.

„Immer mehr zum Problem wird für den Konzern die dominante Stellung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und ihres Vorsitzenden Berthold Beitz“, sagte Markus Dufner. „Nachdem Beitz seinen designierten Nachfolger Cromme hat fallen lassen, wird nun offenbar, dass er das letzte Glied in der Verantwortungskette ist. Aber wer kann Herrn Beitz davon überzeugen, dass er jetzt den Vorsitz der Krupp-Stiftung niederlegen sollte?“