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Entwicklungen bei der Entwaldung

Als wie von Umweltverbänden erwartet mit dem Anstieg der Agrarpreise auch die Entwaldung zu Jahresbeginn Rekordhöhen erreichte und die damals noch amtierende Umweltministerin und ihr Stellvertreter den Zusammenhang mit der Agrarexpansion öffentlich zugaben, stritt nicht nur Lula öffentlich eine Zunahme der Entwaldung ab.

Auch der einflußreiche Gouverneur von Mato Grosso, Blairo Maggi, zweifelte die Glaubwürdigkeit der staatlichen Statistik an und präsentierte eine positivere Gegenstatistik, die auch Wälder wie auf dem Bild rechts als vollwertigen Urwald zählt. Zugleich machte er sich die weltweite Hungerkrise zunutze, indem er sie gegen die Entwaldung ausspielte: „Es ist nicht möglich, mehr Nahrung zu produzieren, ohne mehr Land zu besetzen und mehr Bäume abzuschlagen.“ Damit stellte er sich offen gegen Marina Silva, die seit Jahren versucht hatte, die Entwaldung durch Agrarexpansion zu verhindern.

Dabei sprechen die offiziellen Statistiken, die aufgrund der Vorwürfe mit Satellitenbildern höherer Auflösung nochmals überprüft und zu 96% bestätigt wurden, eine deutliche Sprache. Auch wenn mehr als die Hälfte Amazoniens während der Monate März und April verdeckt unter Regenwolken lag, wurde alleine von August 2007 bis April 2008 eine Entwaldung von 5.850 km² gemessen, das ist mehr als in der gesamten letzten Saison von August 2006 bis Ende Juli 2007 (4.974 km²), und dies in der Regenzeit, in der es normalerweise zu feucht für Brandrodung ist. Im Mai kamen noch einmal 1.096 km² und im Juni 870 km² hinzu(1). Von August 2007 bis Mai 2008 führt Mato Grosso mit 48% der Entwaldung, gefolgt von Pará mit 37% und Rondônia  mit 9%. Außerdem haben Wissenschaftler ermittelt, dass 19% der Entwaldung im Mai in Schutzgebieten stattfand, mit steigender Tendenz. Ein Schutzgebiet an der umstrittenen BR-163 hat allein im Mai 35 km² Wald verloren. US-Amerikanische Wissenschaftler stellen darüber hinaus fest, dass über die Hälfte der globalen Entwaldung zwischen 2000 und 2005 in Brasilien stattfand (siehe rote Flächen in der Karte der National Academy of Sciences rechts). Das Problem der Entwaldung ist also weiterhin drängend.

 


(1) Diese Daten beziehen sich sämtlich auf das schnellere, aber gröbere DETER-Satellitensystem, da das PRODES-Satellitensystem erst 4-12 Monate nach Berichtszeitraum Daten liefert. Wie in vorangegangenen Berichten erwähnt, unterschätzt DETER die Entwaldung systematisch. Dies erklärt die Tatsache, dass die genannten Zahlen deutlich niedriger sind als die im Bericht zu Tropenwaldfragen von März 2008 genannten. Im Zeitraum vom 1. August 2006 bis zum 31. Juli 2007 wurden laut PRODES etwa 11.000 km² Wald zerstört

 

 

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