Sie sind hier: Startseite Themen Landkonflikte | Umwelt Protestbrief an die Orga des 1. Fairtrade-School-Kongress Baden Württemberg
Artikelaktionen

Protestbrief an die Orga des 1. Fairtrade-School-Kongress Baden Württemberg

Heute hat POEMA, unterstützt durch die Kooperation Brasilien einen Protestbrief an die Organisator*innen des "1. Fairtrade-School-Kongress Baden Württemberg" geschickt. Anlass ist der ausgewählte Veranstaltungsort, das Trainings-Center der Firma Voith in Heidenheim.
Protestbrief an die Orga des 1. Fairtrade-School-Kongress Baden Württemberg

Protestbrief POEMA

An dieser Stelle dokumentieren wir den Inhalt des Protestbriefs:


POEMA e.V. Stuttgart – Armut und Umwelt in Amazonien
www.poema-deutschland.de

Stuttgart, 29. Januar 2015

Betr.:  1. Fairtrade-School-Kongress Baden Württemberg

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,
wir haben heute den Flyer erhalten, mit dem für den 1. Fairtrade-School-Kongress Baden- Württemberg im Trainings-Center der Firma Voith in Heidenheim geworben wird.

Wie Sie vielleicht wissen, setzen wir uns seit über zwanzig Jahren für den Schutz der Regenwälder am Amazonas ein. Der Regenwaldschutz hat globale Bedeutung, denn das Amazonasgebiet ist eine der ökologisch bedeutsamsten und artenreichsten Regionen der Welt -  und er ist seit Jahrzehnten zunehmend in Gefahr. Durch die Abholzung und Überflutung von einzigartigem Regenwald trägt das Staudammprojekt „Belo Monte“ am Rio Xingu nicht nur zum Klimawandel bei. Es hat auch gravierende Auswirkungen auf die lokale und globale Umwelt sowie auf das Leben der Menschen in der Region. Es wird eine Fläche überflutet, die größer ist als der Bodensee.

Der seit 1980 in Altamira tätige katholische Bischof  und Träger des Alternativen Nobelpreises Dom Erwin Kräutler sagt: „Das Projekt werde auf Biegen und Brechen, mit einer Strategie der vollendeten Tatsachen durchgepeitscht“. Brasilien leugnet alles, was nicht sein darf, so Kräutlers Kritik, die sich immer wieder auch gegen die europäischen Beteiligten des Projekts, darunter Andritz,  Alstom und vor allem auch Voith-Siemens richtet.

So profitiert die Firma Voith  von dem Staudammprojekt Belo Monte durch die Lieferung von Turbinen für dieses sehr umstrittene drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt.   Nach Aussagen von vielen brasilianischen Umwelt- und Menschenrechtsverbänden, Staatsanwälten und europäischer NGOs verstößt das Unternehmen gegen die in der ILO (Internationale Arbeitsorganisation) formulierte menschenrechtliche Verantwortung wie sie z.B. in den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte festgehalten ist.
So weiß die Öffentlichkeit auch in Deutschland, dass bis zu 40 000 Menschen  zwangsumgesiedelt und  die Lebensgrundlagen tausender Fischer  zerstört werden.  Indigene Gemeinschaften sind in ihrer Existenz bedroht. Ganz aktuell haben Menschen vom Volk der „Tyoporimo“ die Einfahrt zu einer der vielen Baustellen besetzt. Sie verlangen die seit 2013 in Brasilia eingereichten Forderungen zur Verbesserung der Infrastruktur in ihren Gebieten und Ansiedlungen sowie eine Entschädigung für den Verlust beim Fischfang.

Aus diesen Gründen ist es unserer Meinung nach nicht nachvollziehbar, dass ausgerechnet zum 1. Fairtrade-School-Kongress Baden-Württembergs  in die Räume dieses Unternehmens eingeladen wird, um über „Fairen Handel“ zu sprechen. Das Unternehmen steht nach Meinung vieler Betroffener in Amazonien  in seinen wirtschaftlichen globalen Tätigkeiten im klaren Widerspruch zu den Herausforderungen und Handlungsfeldern für einen Fairen Handel, sowie einem fairen Umgang mit der Natur und den Menschen, die vom Staudammbau betroffen sind.

Deshalb fordern wir Sie dringend auf, die Brisanz dieses Projektes nicht zu ignorieren. Es wäre angemessen, gerade auf dem Hintergrund des Fairen Handels, auch auf die Geschäftspraktiken des Unternehmens  im Zusammenhang mit Belo Monte einzugehen und sie nicht zu verschweigen.
Deshalb bitten wir Sie als Veranstalter, Förderer und Projektunterstützer dieses Kongresses uns die Möglichkeit zu geben, im Rahmen des Kongresses über alle Facetten des  „Belo Monte-Projekts am Rio Xingu“ zu berichten. Gerd Rathgeb (POEMA e.V. Stuttgart – Armut und Umwelt in Amazonien) war Ende November letzten Jahres an der Baustelle bei Altamira. Er kann ganz aktuell  aus der Sicht der betroffenen Landarbeiterfamilien, der Bevölkerung von Altamira und der Indigenen FlussbewohnerInnen über die Situation vor Ort informieren. Eine andere Möglichkeit wäre, zu dem Thema einen zusätzlichen Workshop anzubieten, den Vertreter von POEMA begleiten würden.

In Erwartung Ihrer Antwort grüßen wir freundlich
Für Poema Stuttgart e.V. und im Namen
der betroffenen Menschen von Belo Monte am Rio Xingu
Gerd Rathgeb  (Vorsitzender)  Karl-Pfaff-Str. 38 A, 70597 Stuttgart
Johann Graf     (stv. Vorsitzender)
Dr. Eberhard Bolay                          Norbert Bergermann
Wolfgang Simon                              Harald Walter
Helmut Vogel                                   Peter Schmid
Christiane Cohen                             Jochen Schopmeyer
Bernhard Hindersin

Kobra – Kooperation Brasilien, Freiburg

(POEMA e.V. ist Mitglied beim Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg e.V.)
Termine
Film "Querência / Heimkehren" 20.11.2019 - 23.11.2019 — Frankfurt, Köln, Hamburg, Berlin
Pestizide in Brasilien: Die agrarökologische Bewegung kämpft für ein Leben ohne Agrar-Gifte 28.11.2019 19:30 - 21:30 — Hamburg
Film: «CORPO MANIFESTO» 01.12.2019 18:30 - 20:30 — Basel, Schweiz
Kommende Termine…