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Konflikt um den fortschreitenden Sojaanbau in Paraná - Eine Chronologie

Roberto Requião, Gouverneur von Paraná, verhandelt derzeit mit indischen UnternehmerInnen über einen erhöhten Bezug von nicht gentechnisch verändertem Sojaöl. Im Falle eines positiven Ausgangs würde der Anbau von Soja weiter ausgebaut werden - ungeachtet der ökologisch und sozial desaströsen Folgen.

Indien will Sojaölimporte aus Paraná erhöhen

Der Gouverneur von Paraná, Roberto Requião, traf sich am 27. Januar mit indischen UnternehmerInnen, die ihr Interesse daran bekundeten, den Bezug von Sojaöl aus Paraná deutlich zu erhöhen, da dieses Öl aus nicht gentechnisch veränderter Soja hergestellt werde. Zurzeit importiert Indien aus Paraná Produkte im Wert von etwa 70 Millionen US-Dollar, davon 91 % Sojaöl.

Der Gouverneur bekräftigte gegenüber den InderInnen die Anstrengungen Paranás gegenüber der brasilianischen Regierung, insbesondere in Bezug auf Soja als gentechnikfrei eingestuft zu werden. „Wir haben die Unterstützung des Präsidenten Lula, Paraná als eine gentechnikfreie Zone zu bezeichnen und verfügen über alle Bedingungen, den Indern ein mit natürlicher Soja produziertes Öl zur Verfügung zu stellen", meinte Requião, der auch garantierte, dass der Hafen von Paranaguá keinerlei gentechnisch manipulierte Produkte verschiffen würde. „Dies ist eine weitere Garantie für die Reinheit der paranaensischen Exportprodukte”, fügte der Gouverneur hinzu „der Markt von Indien ist immens und eröffnet Paraná riesige Möglichkeiten, die Handelsbeziehungen auszuweiten.“

In diesem Sinne kommentierte Requião, dass die unnachgiebige Position Paranás bei der Verteidigung der Reinheit der Agrarprodukte bereits gute Resultate mit sich bringe. „Es reicht, sich zu erinnern, dass wir im Palácio Iguaçu bereits eine chinesische Delegation empfangen haben, die ebenfalls an reiner Soja interessiert war – was unsere Produktion aufwertet”, sagte er.

GOVERNO DO ESTADO DO PARANÁ - PRESSESTELLE, 28.01.2004, ÜBERSETZUNG: K. BREDENBECK

Sieh nur den Fortschritt, den Cargill brachte!

Ein Strand verschwand. Vera Paz, ein beliebter Strand, wurde eingeebnet. 30 Familien, die Stände hatten, wurden von ihrem Arbeitsplatz vertrieben, im Mittel etwa 120 Personen. Jeder Sojatransport wirbelt in Santarém eine Staubwolke voller Agrotoxine auf. Die Sojamonokultur verstärkt die Landkonzentration in den Händen von wenigen Fazendeiros. Ganze Dorfgemeinschaften verschwinden, wie zum Beispiel die Comunidade Genipapo im Munizip Belterra. Öffentliches Eigentum wird wegen der geschwächten Dorfgemeinschaften verlassen und abgerissen, zum Beispiel die Schule von Igarapé da Areia, in Santarém-Jabuti.

Der Hafen von Cargill schafft etwa 50 direkte und 500 indirekte Arbeitsplätze, während die Intensivierung des Sojaanbaus in Brasilien pro mechanisiertem Hektar Sojaanbau im Mittel 192 familienwirtschaftliche Bauern arbeitslos macht (Daten des IBGE). Dies bedeutet, dass unzählige kleine Produzenten und ihre Familien in der Region ihre Arbeit verlieren. Mit dem intensiven und mechanisierten Anbau werden die Gebiete auf unverantwortliche Weise abgeholzt. Cargill zahlt weder kommunale, noch bundesstaatliche, noch nationale Steuern auf die Exporte. Sie wird von der Lei Candir unterstützt.

WIR SIND NICHT GEGEN DIE ENTWICKLUNG, ABER GEGEN EIN WACHSTUM, DAS NUR DIE GROßGRUNDBESITZER, DIE GROßUNTERNEHMEN UND JENE VON IHREN INTERESSEN GELEITETEN POLITIKER BEGÜNSTIGT.

Der Prozess gegen das Multinationale Unternehmen Cargill

1999 – Die Companhia Docas do Pará - CDP und die Cargill schließen einen Pachtvertrag über Land zum Bau des Hafens, ohne eine Studie zur Umweltverträglichkeit (UVP) vorzunehmen. Vertreibung von 30 Standbetreibern, die seit Jahren in Vera Paz arbeiteten. Cargill wird von einigen Organisationen gegenüber der Staatsanwaltschaft beschuldigt, entgegen der Umweltgesetzgebung keine UVP vorgenommen zu haben.

2000 – Einige Sozial- und Umweltinstitutionen drängen gegenüber der Staatsanwaltschaft erneut darauf, einen Prozess zu eröffnen. Eine UVP gibt es noch nicht.

2001 – Der Prozess schreitet voran und noch mehr Organisationen schließen sich der Bewegung an. Die Abgeordnetenkammer lädt die Organisationen ein zu erklären, warum sie gegen den Hafen der Cargill sind. Sie seien dafür. Eine UVP gibt es noch nicht.

2001/02 – Die SECTAM (staatliches Sekretariat für Technologie und Umwelt) erwirkt eine Verfügung für die Cargill zum Start der Bauarbeiten. Die Unternehmerschaft und die lokalen politischen Machthaber geben totale und uneingeschränkte Unterstützung für die Cargill. Eine UVP gibt es noch nicht.

2003 – Die Cargill schließt den ersten Teil des Baus ab und eröffnet in großem Stil einen Teil des Hafens. Das Bundesjustizministerium verbietet den Hafenbetrieb. Im nächsten Moment suspendiert der Richter Dozany dies und erwirkt eine einstweilige Verfügung für Cargill. Die Zahl der der Bewegung angeschlossenen Gruppen steigt auf heute 30, und die Bewegung intensiviert den Druck gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft, um Gerechtigkeit zu erwirken. Eine UVP gibt es noch nicht.

2004 – Der Richter Nelson Loureiro der Bundesinstanz in Santarém suspendiert die einstweilige Verfügung der Cargill und der Hafen wird versiegelt. Drei Tage später erwirkt die Cargill eine weitere einstweilige Verfügung und nimmt den Betrieb wieder auf. Eine UVP gibt es noch nicht.

Der Prozess verläuft weiter, zunehmend mehr Personen und Institutionen sind involviert – er ist nun in Brasilia, damit im Februar 2004 wiederum über die einstweilige Verfügung entschieden wird. Im Falle, dass er Hafen verboten wird, müsste er bis zur Urteilsverkündung geschlossen bleiben.

Bis heute beharrt die Cargill darauf, dass sie keine UVP durchführen wird, da sie über eine Lizenz durch die SECTAM verfüge. Die CDP behauptet ebenfalls, sie bewege sich innerhalb der Gesetzgebung, da der Hafen der Cargill eine Erweiterung des Hafens der CDP sei. Trotzdem ist es die Cargill, die als Pächterin der CDP in diesem Hafenteil bestimmt.

UNTERZEICHNERORGANISATIONEN: CEAPAC (CENTRO DE APOIO A PROJETOS DE AÇÃO COMUNITÁRIA), GDA ( GRUPO DE DEFESA DA AMAZÔNIA), SVD ( CONGREGAÇÃO RELIGIOSA DO VERBO DIVINO), GCI (GRUPO DE CONSCIÊNCIA INDÍGENA), CEFTBAM (CENTRO DE FORMAÇÃO DO TRABALHADOR DO BAIXO AMAZONAS), FETAGRI (FEDERAÇÃO DOS TRABALHADORES NA AGRICULTURA), BARRAQUEIROS (DIE FAMILIEN, DIE VERKAUFSSTÄNDE HATTEN UND DURCH DIE BAUARBEITEN FÜR DEN HAFEN DER CARGILL VERTRIEBEN WURDEN), UFPA (UNIVERSIDADE FEDERAL DO PARÁ), AOMTBAM (ASSOCIAÇÃO DE ORGANIZAÇÕES DE MULHERES TRABALHADORAS DO BAIXO AMAZONAS), CITA (CONSELHO INDIGENISTA TAPAJÓS ARAPIUNS), PASTORAL SOCIAL (DA DIOCESE DE SANTARÉM), CDJP (COMISSÃO DIOCESANA DE JUSTIÇA E PAZ) UND WEITERE.

LÍGIA APEL, ENOY SENA UND JOSÉ BARRAQUEIRO, 21.02.2004, ÜBERSETZUNG: K. BREDENBECK;

Gentechnikfreie Soja als Lösung?

Die Sojaproduktion ist mit hohen maschinellen und agrochemischen Einsatz verbunden und nur im großen Stile – und dann meist als Monokultur – wirtschaftlich. Sie ist damit weder im Süden noch im Norden Brasiliens für den bäuerlichen Familienbetrieb geeignet. Vor allem im Norden Brasiliens ziehen der Sojaanbau und das Fortschreiten der Sojafront gravierende soziale und ökologische Schäden nach sich – obiges Beispiel veranschaulicht dies plastisch.

Auch wenn in Paraná also gentechnikfreie Soja produziert wird, ist es doch fraglich, ob eine Steigerung des Sojaexports aus Brasilien wirklich zu begrüßen ist – treibt er doch immer auch das Fortschreiten der Sojafront, insbesondere in der Amazonasregion, voran. Auch der Konsum gentechnikfreier Soja hat also verheerende soziale und ökologische Folgen. Wollen wir diese vermeiden, sollten wir möglichst auf den Konsum von Sojaprodukten verzichten.

KOMMENTAR KIRSTEN BREDENBECK, 25. FEBRUAR 2004

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