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Cimi-Bericht dokumentiert steigende Gewalt an indigenen Völkern

Der Missionsrat der Indigenen hat seinen jährlichen Bericht Violência contra os povos indígenas no Brasil herausgebracht, der alarmierende Zahlen, strukturellen Rassismus und viele Einzelschicksale enthüllt.
Cimi-Bericht dokumentiert steigende Gewalt an indigenen Völkern

Der Bericht von CIMI online hier.

So wurde 2014 der Prozess der territorialen Gebietsausweisung erneut lahmgelegt. Die 1.061 Indigenen Territorien befanden sich zum Jahresende in folgender Situation:

  • 361 Indigene Territorien (IT) sind bereits registriert

  • 43 sind rechtskräftig erklärt (Homologaçao)

  • 62 sind als IT deklariert

  • 38 sind als IT identifiziert

  • 164 stehen kurz vor der Identifizierung/befinden sich im Prozess

  • 334 sind ohne Verfügung (Sem providência)

  • 48 haben den Status eines Reservats (Reservadas/Dominiais)

  • 6 sind mit Einschränkungen versehen

  • 5 Arbeitsgruppen bearbeiten jeweils IT im Bundesstaat Mato Grosso do Sul

 

Nachdem Lula in seiner Amtszeit noch 79 Indigene Territorien für rechtskräftig erklärt hatte, kam Dilma Rousseff in ihrer ersten Amtszeit nur auf 11, im Schnitt erreicht sie damit weniger als 3% aller bisherigen Ausweisungen. Die Auseinandersetzung um ihren Rechtsanspruch auf eigene Territorien ist eine wesentliche Ursache für die Gewalt gegen Indigene. Gleichzeitig ist die Umsetzung des Landanspruchs wesentlich für das Überleben der indigenen Kultur in Brasilien. 2014 wurden 138 Indigene Opfer tödlicher Gewalt, der größte Anteil von ihnen gehörte zu den Guarani-Kaiowá, die unter äußerst prekären Bedingungen in provisorischen Lagern in Mato Grosso do Sul leben. Würden dort alle traditionellen Gebiete ausgewiesen, wären es zwei Prozent der Fläche des Bundesstaats. Die Guaraní-Kaiowá sind die zweitgrößte indigene Gruppe in Brasilien.

Die tödliche Gewalt gegen Indigene ist im Vergleich zum Vorjahr um 37,1% angestiegen. Die bischöfliche Aktion Adveniat, die den Bericht mit in Auftrag gegeben haben, schlussfolgert: „Die Zahl der Gewaltdelikte ist insgesamt angestiegen. In 84 Fällen wurde in indigenes Land eingefallen, um illegal Rohstoffe auszubeuten. 135 Indigene begingen Selbstmord. 785 Kinder im Alter bis zu fünf Jahren starben. In 118 Fällen sind Demarkierungen und andere Regelungen, die indigenes Land betreffen, verzögert oder gar nicht umgesetzt worden - mehr als eine Verdoppelung gegenüber 2013. An der Spitze lag hierbei der Bundesstaat Pará, in dem das umstrittene Wasserkraftwerk Belo Monte gebaut wird. Der Bericht erkennt generell einen Zusammenhang zwischen staatlicher Verzögerungstaktik bei der Demarkierung indigenen Landes und dem Bau von Wasserkraftwerken.“

Neben Morden hält der Bericht auch Mord- und Gewaltdrohungen fest. So erhielten indigene Führer der Ka’apor wiederholt Morddrohungen, weil sie eigenständig die Überwachung und Kontrolle ihres Territoriums übernommen haben. Indigene Führer der Munduruku, die in der Stadt Jacareacanga an Protesten für eine Verbesserung der indigenen Schulbildung teilgenommen haben, wurden von Ortsansässigen bedroht, die Feuerwerksköper auf sie abfeuerten.

Im Zusammenhang mit den Protesten im Vorfeld der WM kam es zu gewalttätigen Übergriffen durch die Polizei – auch gegen Indigene. Rassistische oder kulturell diskriminierende Übergriffe (19 Fälle dokumentiert) werden genauso thematisiert wie Sexuelle Gewalt (18 Fälle dokumentiert). Abschließend werden Fälle festgehalten, in denen der Staat durch unterlassene Fürsorge Gewalt ausübt. Hierzu zählen Selbstmord, mangelnde Gesundheitsversorgung, Kindersterblichkeit, u.a.