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Carajás – ein Entwicklungsmonster auf dem Vormarsch

Anläßlich des Jahrestages "30 Jahre Carajás" dokumentiert Labournet den "Fall Carajás". In Brasilien findet das Internationale Seminar Carajás 30 Jahre statt, welches vom 09.-11- April in Belém und vom 5.-8. Mai 2014 in São Luis stattfindet und Universitäten, Institute und soziale Bewegungen zu einer Debatte und Aktionen einlädt.
Carajás – ein Entwicklungsmonster auf dem Vormarsch

Unter der zivil-militärischen Diktatur wurde in den 80er Jahren das Programa Grande Carajás als ein Entwicklungsprojekt für die Region Carajás (Teile der Bundesstaaten Maranhão, Pará und Tocantins) in der östlichen Amazonasregion geschaffen. Unter „Entwicklung“ wurde die Ausbeutung der lokalen Eisenerzvorkommen durch das damals noch staatlich kontrollierte Unternehmen Vale do Rio Doce, die Schaffung einer breiten und auf den Export der Rohstoffe angelegten Infrastruktur, welche unter anderem die 892 km Schiene umfassende „Estrada de Ferro“ (Eisenstraße), einen Hafenkomplex in São Luis, ein Autobahnnetz sowie die Installation von Eisen- und Stahlöfen entlang der Strecke beinhalten. Diese „Entwicklung“ des Bergbaus, den für die Energiegewinnung notwendigen Staudammprojekten, der Eisen- und Stahlindustrie, der darum herum entstehenden Holzkohleproduktion und Eukalyptusmonokultur, sowie der schnell voran getriebenen Entwaldung und dem Vormarsch der Viehindustrie und agroindustriellen Landwirtschaft haben die Region auf irrevesible Art und Weise geprägt. Derzeit treibt die inzwischen privatisierte und zu einem der größten transnationalen Bergbauunternehmen avancierte Vale S.A. aber derzeit die Eröffnung einer weiteren Mine, sowie den Ausbau der Eisenstraße und des Hafens im Rahmen des Projektes „Ferro Carajás S11D“ voran. Seit dem Beginn dieser „Entwicklungsprojekte“ ist die Region von Konflikten, Widerständen und Protest, aber auch von Repression und Gewalt geprägt. Indigene und „Quilomba“ – Bewegungen sowie die Landlosenbewegung kämpfen gegen die Konzentration des Landbesitzes und Umweltzerstörung und für den Erhalt traditioneller und ökologischer Landwirtschaft; Gewerkschaften und Menschenrechtsbewegungen klagen entwürdigende Arbeitsbedingungen an; urbane Bewegungen kämpfen für ein würdiges Leben in den Stadtteilen der schnell und chaotisch gewachsenen urbanen Zentren, sowie gegen Korruption und für soziale Rechte. Im Rahmen der aktuellen Entwicklungen verschärfen sich bestehende Konflikte und es kommen neue hinzu. Siehe eine Textsammlung, zusammengestellt, redigiert, mit Anmerkungen versehen und zum Teil übersetzt von Lisa Carstensen: Link bei Labournet