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Zahlen zum brasilianischen Agrotreibstoffmarkt

In die Herstellung von Agrodiesel fließen inzwischen zu 80 % Soja ein, zu 15% Tierfette, und nur 5 % der Vorprodukte gehen auf das Konto anderer Öle(1).

Hier zeigt sich, dass die großen Sojaproduzenten am meisten vom brasilianischen Biodieselprogramm profitieren. Die Wachstumszahlen bspw. für Rizinus, das v.a. von Kleinbauern kultiviert wird, bekräftigen dies: Die Anbauflächen wuchsen zwar von 147.000 ha im Jahr 2005/2006 auf 155.600 ha 2006/2007, was einem Wachstum von knapp 6 % entspricht, doch im Jahr 2007/2008 wuchsen die Anbauflächen im Vergleich zum Vorjahr nur noch um 1,7 % auf 158.200 ha. Problem in diesem Bereich ist auch die Vertragslandwirtschaft wie bspw. im Munizip Canto do Burití in Piauí (siehe in Kürze erscheinender Bericht zur Internationalen Untersuchungsmission sowie Bericht zu Ernährungssicherung von Februar 2008). (2)

Der interne Konsum von Agrodiesel liegt momentan bei 1,2 Mrd. Litern, bei einer Produktionskapazität von 4 Mrd. Litern, so dass es beim Agrodiesel vor allem um Exportproduktion geht. Die Herstellung von Agrodiesel in erster Linie für den Export hebelt letztlich das Biodieselprogramm weiter aus, denn für die Exporte ist ein Sozialsiegel nicht notwendig. Und der Einbezug struktureller Kriterien, wie sie das Biodieselprogramm enthält, ist bei den internationalen Zertifizierungssystemen nahezu ausgeschlossen.

Agroethanol
Im Jahr 2006/2007 produzierte Brasilien 20,1 Mrd. Liter Ethanol; für die Ernte 2007/2008 rechnet man mit ca. 27 Mrd. Litern(3). Hiervon exportiert Brasilien nur gut 4 Mrd. Liter, 2,5 Mrd. Liter davon in die USA. Dementsprechend werden 85 % der Produktion im Land konsumiert(4). Bis 2014 rechnet die Datagro mit einer Inlandsnachfrage von 32 Mrd. Litern, während die Exporte voraussichtlich bei maximal 7 Mrd. Litern liegen(5). Das bedeutet, dass Ethanol trotz internationaler Abkommen auch mittelfristig in erster Linie für den internen Markt hergestellt wird.
Die Zuckerrohranbauflächen wuchsen von 7,1 Mio ha im Jahr 2006/2007 auf 7,8 Mio ha im Jahr 2007/2008(6). Für 2008/2009 rechnet die CONAB mit einem Wachstum der Zuckerrohrernte von 15,6 % bzw. von gut 500 Mio Tonnen auf 580 Mio Tonnen(7). 55,5 % der Ernte sollen in die Alkoholproduktion gehen. Das Wachstum im Norden und Nordosten soll bei 8 % liegen, im zentralen Süden bei 16,8 %. Die Zuckerrohrexpansion findet vor allem in den Bundesstaaten São Paulo, Paraná, Mato Grosso do Sul, Mato Grosso, Goiás, Tocantins, im Südwesten von Minas Gerais, im Süden von Maranhão, im Südwesen von Piauí und in Westbahia statt(8). Im letzten Jahr waren 66 % der neuen Flächen zuvor Viehweiden(9).
Bei der Verarbeitung von Zuckerrohr zu Ethanol zeigt sich eine zunehmende Konzentration und Zentralisierung(10). Die erste Großinvestition in Ethanolproduktion aus Zuckerrohr durch einen internationalen Ölkonzern wurde im April 2008 öffentlich: British Petrol (BP) kaufte für 100 Mio R$ die Hälfte des brasilianischen Ethanolkonzerns Tropical Bioenergia – ein Joint Venture der brasilianischen Zuckerfirmen Maeda und Santelisa Vale. Die drei Firmen werden in den nächsten Jahren 1,66 Mrd. R$ in zwei Ethanolfabriken investieren. Das Konsortium verfolgt die Strategie, 80 % der nötigen Anbauflächen für Zuckerrohr zu pachten(11). Ebenfalls im April 2008 kaufte die COSAN das nationale Tankstellennetz der Esso Brasileira de Petróleo mit ca. 1.500 Tankstellen auf. COSAN ist einer der weltgrößten Zucker- und Ethanolproduzenten(12).
Gemäß einer Studie von Friends of the Earth Europe sind in die Finanzierung solcher Investitionen auch verschiedene hiesige Banken involviert(13). Dabei ist die Deutsche Bank diejenige europäische Finanzinstitution, die lateinamerikanische Agrotreibstoff-Unternehmen am stärksten finanziert. Danach folgen Barclays (Großbritannien), BNP Paribas (Frankreich), die HSBC Bank (Großbritannien) und die UBS (Schweiz). Sowohl bei der Brasil Ecodiesel als auch an Agrenco und COSAN ist die Deutsche Bank mit mehr als 5 % beteiligt bzw. liegt ihre Finanzierung bei über 5 %, weitere von ihr finanzierte Unternehmen sind ADM, Bunge, Cargill und São Martinho. Auch von der West LB und der HSH Nordbank wird Agrenco zu mehr als 5 % finanziert, beide haben außerdem Kredite an Bunge im Portfolio. Weitere deutsche Banken sind die Commerzbank mit Finanzierung von Agrenco, Tereos und Bunge, und in geringerem Maße auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau und die Landesbank Rheinland-Pfalz, die jeweils Kredite an Bunge vergeben haben.

1. As controvérsias sobre a expansão dos agrocombustíveis no Brasil: o Ethanol, Horacio Martins de Carvalho, 06. Mai 2008.
2. Die internationale Untersuchungsmission von FIAN, Brot für die Welt, Misereor, EED, ICCO, HEKS, FDCL und ROPPA untersuchte u.a. die Vorwürfe an die Brasil Ecodiesel für die Fazenda Santa Clara. Die Vorwürfe bestätigten sich.
3. Produção de álcool e açúcar é a maior da história do país, in Notícias, 29. April 2008. www.conab.gov.br
4. As controvérsias sobre a expansão dos agrocombustíveis no Brasil: o Ethanol, Horacio Martins de Carvalho, 06. Mai 2008.
5. Ebd.
6. Produção de álcool e açúcar é a maior da história do país, in Notícias, 29. April 2008. www.conab.gov.br
7. Folha de São Paulo, 30. April 2008, Dinheiro, S. B12.
8. Impactos econômicos, sociais e ambientais devido á expansão da oferta do etanol no Brasil, Horácio Martins de Carvalho, 10. Juli 2007.
9. Folha de São Paulo, 30. April 2008, Dinheiro, S. B12.
10. Horacio Martins de Carvalho, 06. Mai 2008, As controvérsias sobre a expansão dos agrocombustíveis no Brasil: o Ethanol.
11. Jornal A tarde, 25. April 2008.
12. European financing of agrofuel production in Latin America, Friends of the Earth Europe, Mai 2008.
13. Ibidem