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Mit der zweiten Generation wird alles besser?

Am 9. Februar 2010 wurde in Berlin eine Studie der Internationalen Energieagentur (IEA) zu Kraftstoffen aus Abfällen vorgestellt . Sie wurde über die GTZ aus Mitteln des BMZ finanziert.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Kraftstoffe aus Agrarabfällen einen wichtigen Beitrag zur Treibstoffversorgung leisten könnten. Zehn Prozent der weltweiten Abfälle aus Land- und Forstwirtschaft würden der Studie zufolge ausreichen, um etwa vier Prozent des weltweiten Kraftstoffverbrauchs herzustellen. Allerdings handelt es sich derzeit um eine eher theoretische Annahme, denn die Nutzung der Abfälle für die Kraftstoffproduktion sei erst in zehn bis dreißig Jahren technisch möglich. Bezüglich der Berücksichtigung ökologischer und sozialer Belange verlässt sich das Expertenteam auf international vereinbarte Nachhaltigkeitsstandards für die Produktion und eine Zertifizierung der Kraftstoffe.

Abgeleitet von einem Konzept des „contract farming“ schlägt die Studie vor, sogenanntes „partnership farming“ zu fördern. Hierzu wird mit dem Fachbegriff des Agripreneur (Landwirt als selbstständiger Entscheidungsträger) gearbeitet, ein Konzept, das an Lebensrealitäten bspw. in Brasilien vorbeigehen dürfte. Da Reststoffe traditionell auch anders verwendet werden (z.B. als Dünger, Brennmaterial oder Viehfutter), wären bei entsprechender Nachfrage zudem auch bei der zweiten Generation von Agrokraftstoffen Nutzungskonkurrenzen zu fürchten.

"Große Schwellenländer wie Brasilien, China und Indien arbeiten bereits intensiv an der Entwicklung von Biokraftstoffen der zweiten Generation ", erklärte Paolo Frankl, Leiter der Abteilung Erneuerbare Energien der IEA . In Brasilien sind bereits verschiedene Pilotanlagen in Betrieb. Hier gebe es auch die entsprechende Infrastruktur für den Export. Als interessant identifizierte die Studie für Brasilien vor allem den Zuckerrohrsektor im zentralen Südosten des Landes, in erster Linie in São Paulo, da die Ernterückstände hier normalerweise auf den Feldern belassen würden. Ähnliches gelte für Forstrückstände. Im Hinblick auf den Einbezug kleinerer Landbesitzer in die Produktion von Agrokraftstoffen zweiter Generation sieht die Studie nur wenig Möglichkeiten . Und so wird in der SWOT -Analyse denn auch der Umstand einer schnell wachsenden Wirtschaft mit Investitionskapazität für großangelegte Projekte unter den Stärken genannt . Als Gelegenheiten firmierten innerhalb dieser Studie die bemerkenswerten Flächen extensiver Viehwirtschaft, die für Agrokraftstoffe der zweiten Generation nutzbar zu machen wären . Wohin die Viehwirtschaft dann wandert, steht wohl auf einem anderen Blatt; zumindest geht die Studie darauf nicht ein.