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237 | Der Traum auf dem Trockenen

Harte Zeiten für Umwelt- und Klimapolitik
237 | Der Traum auf dem Trockenen

Titelblatt #237

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Inhalt:

  • Brasilianische Umweltpolitik in der Defensive - Thomas Fatheuer
  • Klimapolitik Brasiliens - Thomas Fatheuer
  • Widerstände gegen Ausweitung des *Uranabbau nach Ceará - Thomas Bauer
  • Die Wasserkrise in São Paulo *Interview mit Marussia Whately - Daniela Chiartetti (versão em português)
  • Erdöl – vom nationalen Traum zum realen Desaster - Thomas Fatheuer
  • Atemlos durch São Paulo - Grüne Lunge ohne Zukunft - Marc Guschal
  • Umweltrassismus. Ein zunehmend diskutierter Aspekt in Brasilien - Klemens Laschewsky & Andrea Zhouri
  • Dürren kommen und gehen - die Agrobiodiversität bleibt - Carlos Dayrell (versão em português)
  • Strategien der Anpassung an den Klimawandel in Deutschland / EU - Fabian Kern

 

Editorial:

Ende 2015 soll in Paris endlich ein neues Klimaabkommen unter Dach und Fach gebracht werden. Unter allen Umständen soll ein Scheitern wie in Kopenhagen 2009 vermieden werden. Das geht natürlich am einfachsten, indem die Ambitionen zurückgeschraubt werden. In Paris steht keine Abkommen in Sicht, das den Ländern verbindliche Reduktionen vorschreiben wird. Stattdessen sollen die freiwilligen Verpflichtungen der einzelnen Staaten gebündelt werden. Für Umweltgruppen und Aktivist*innen ist das viel zu wenig. Paris wird auch ein Gipfel der Proteste und des Widerstands werden.

 

KoBra nimmt dies zum Anlass, einen vielschichtigen Blick auf das aktuelle Geschehen und die Entwicklungen in der Umweltpolitik in Brasilien zu werfen. Als wich-*tiger Akteur in Fragen des Klimaschutzes hatte Brasilien 2009 auf dem Klimagipfel von Kopenhagen mit einer Selbstverpflichtung zur Reduzierung der Abholzung auf sich aufmerksam gemacht. Was hat sich in Sachen Wald- und Klimaschutz seither getan? Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich seit 2009 stark verändert und nach WM und Wahlen im vergangenen Jahr war mehr von immer neuen Korruptionsskandalen und der Unzufriedenheit der Bevölkerung zu hören als von der Bereitschaft zu ökologischem Umbau. Dabei können weder der unkritische Umgang mit Uranabbau noch die Erdölförderung in Tiefseelagen vor der brasilianischen Küste widerspruchslos hingenommen werden.

 

Aus den urbanen Zentren im Süden des Landes gab es zu Beginn des Jahres besorgniserregende Meldungen über eine dramatische Trockenheit und wochenlangen Wassermangel. Eine Aktivistin von der „Allianz für Wasser“ erläutert in einem Interview Hintergründe und Kritikpunkte am bisherigen Managementsystem. Der Kampf um den Erhalt innerstädtischer Parkanlagen und Naturschutzgebiete sind ein weiteres Beispiel, dass Umweltschutzfragen auch im urbanen Raum angekommen sind.

 

Umweltgerechtigkeit und Umweltrassismus sind aktuelle Schlagworte aus dem Kampf gegen den Klimawandel, die aus den sozio-ökologischen Debatten in Brasilien stammen. Zivilgesellschaftliche Gruppen fordern ein Umdenken in der Gerechtigkeitsfrage und Alternativen zum neoliberalen, extraktivistischen Ent-wicklungsmodell, das sich der Umwelt vor allem be-*dient, ohne an die Folgen zu denken.

 

Es ist aber nicht so, dass es nicht schon positive Bei-*spiele von umweltverträglichen Produktionsweisen gibt. In kleinbäuerlichen Strukturen wird das Wissen um Arten- und Sortenvielfalt, Saatgutgewinnung, Anpassung an klimatische Besonderheiten, Erosionsschutz und Bodenerhaltung sowie die Heilwirkungen von Pflanzenwirkstoffen von Generation zu Generation wei-*tergegeben. Traditionelle Völker und Gemeinschaften kämpfen an unterschiedlichen Orten in Brasilien um den gesicherten Zugang zu Land. Ihr Beitrag zur nachhal-*tigen Produktion von Nahrungsmitteln bei gleichzeitigem Schutz der natürlichen Ressourcen ist ein Schatz, dem bislang kaum das nötige Gewicht beigemessen wird.

 

Die Umweltpolitik Brasiliens gibt in der aktuellen Konstellation wenig Grund zur Hoffnung. Zu stark sind die Interessen der Agrarindustrie in die Politik hineingewachsen. Trotz der unvorteilhaften Ausgangslage werden Aktivist*innen auch in Brasilien nicht müde, für die Stärkung der Gruppen zu kämpfen, die ihre Abhängigkeit von der Natur noch am eigenen Leib und auf dem eigenen Acker spüren. Sie sind zum Kampf gegen den Klimawandel und zum sorgsamen Umgang mit endlichen Ressourcen bereit. Wir sind als Endabnehmer*innen von Nahrungsmitteln und anderen Produkten von ihnen abhängig – in Europa und weltweit. Ist uns das immer bewusst?

 

 

die Redaktion