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265 | Alternativen zum industriellen Agrarmodell

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Inhalt:

# Die agrarökologische Bewegung kämpft für ein Leben ohne Agrar-Gifte
Mireille Remesch

# Der Kampf um die biologische und kulturelle Vielfalt in Maranhão
Simone Gotthardt

# Die Açaí-Kooperative der Comunidade Extrativista Boa Esperança
Fabian Kern

# Zwischen den Gleisen - Reisebericht entlang der ‚Estrada do Ferro Carajás
Viktoria Wölfl

# Eukalyptus-Monokultur, ländliche Gemeinden und Wasserknappheit
Valmir Soares de Macedo u.a.

# Acampamento Marielle Vive - Ein urbanes Zeltlager der MST
Benjamin Bunk

# Ocupar! Resistir! Produzir! MST-Freund*innen aus ganz Europa treffen sich im März in Halle
Thomas Steinhäuser

# Frauenarbeit leistet mehr – was die Cadernetas agroecológicas in Amazonien sichtbar machen
Luciane Soares, Beatriz da L. Cruz und Jaqueline F. dos Santos

# Der lange Schatten der Militärdiktatur
Mareike Bödefeld

# Brasilien 2020 - Ein Jahr nach Amtsantritt von Jair Bolsonaro
Fabricio Rodríguez


Editorial:
Die industrielle Landwirtschaft produziert so viele Nahrungsmittel wie nie zuvor:  Wir finden im Supermarkt eine enorme Vielfalt an Produkten, haben Lebensmittel im Überfluss und sie sind billiger denn je – wahrhaftig ein Traum? Wenn wir ehrlich sind, ist das unsere Normalität. Doch wer zahlt den Preis? Und wie lange kann dieses Agrarsystem aufrechterhalten werden?

Angeheizt durch das Prinzip der ständigen Vermehrung von Kapital breiten sich Großkonzerne der Agrarbranche aus. Um die Produktivität zu steigern nutzen sie Agrargifte und erstellen Monokulturen. Diese zerstören die Böden so nachhaltig, dass ständig mehr Land benötigt wird, welches sich die Großkonzerne zu Eigen machen. Die sozialen und ökologischen Folgen sind gravierend: Die Artenvielfalt ist bedroht – Tiere und Pflanzen sterben aus – und ganze Ökosysteme werden zerstört. Der Transport der Nahrungsmittel verbraucht Unmengen an fossilen Energien, die aber nicht unendlich vorrätig sind und pumpt dabei schädliche Emissionen in die Atmosphäre. So ernährt die industrielle Agrarwirtschaft nicht nur Menschen sondern auch das Voranschreiten des Klimawandels. Es werden Unmengen an Wasser verbraucht, Wälder abgeholzt und Böden zerstört. Menschen, die das Land bewohnen, werden vertrieben und oftmals in eine Abhängigkeit der Großunternehmen gebracht, damit eine kleine Elite im Endeffekt mehr zu Essen hat, als sie jemals verbrauchen könnte. Problematisch ist dabei auch, dass diese Ernährungsweise nicht auf die gesamte Menschheit verallgemeinerbar ist und selbst für die Menschen des globalen Nordens nicht ewig so weitergeführt werden kann. Dazu fehlen schlicht und ergreifend die natürlichen Ressourcen.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro ist bekanntermaßen Fan der industriellen Agrarproduktion und damit in der Regierung nicht allein: die Hälfte der Kongressabgeordneten hat direkte Verbindungen zu Großkonzernen der Soja-, Zucker- und Fleischindustrie. Im Jahr 2019 wurden von der Landwirtschaftsministerin 503 neue Agrargifte in Brasilien zugelassen, viele davon sind in Europa verboten. Die Entwaldung in Brasilien ist im Jahr 2019 unter Bolsonaro um über 90 Prozent angestiegen. Dabei werden Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie Indigene von ihrem Land vertrieben. Aktivist*innen die sich dagegen wehren, werden bedroht und sogar ermordet. Die Machtverhältnisse, welche diese Entwicklungen ermöglichen sind sehr intransparent.

Klar ist aber, dass wir eine nachhaltige Alternative brauchen, auf deren Grundlage eine Transformation des Agrar- und Ernährungssystem aufbauen kann. In Brasilien setzen sich zahlreiche soziale Bewegungen und Initiativen von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern für die Prinzipien der Agrarökologie ein. Das Konzept beschäftigt sich mit den Fragen, wie die Landwirtschaft sich an natürliche Kreisläufe und lokale Bedürfnisse anpassen kann und verbindet lokales Wissen mit modernen wissenschaftlichen Methoden.
Welche Schwierigkeiten sich für die verschiedenen Aktivist*innen und lokalen Gemeinschaften durch die Regierung und Großkonzerne der industriellen Landwirtschaft in Brasilien ergeben, wird in diesem Heft beschrieben.
Das Heft dient zudem als Vorbereitung der Frühjahrstagung 2020.

Die Frage bleibt: Wie können wir solidarische Landwirtschaft und Ernährungssysteme verbreiten und fördern?


die Redaktion