Brasiliens Indigenendachverband APIB publiziert eine öffentliche Stellungnahme zur Unterstützung für die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR)
Originalquelle (português): Nota Política da APIB sobre a Lei Europeia Anti Desmatamento (EUDR)
(english): APIB Policy Statement on the European Union Deforestation Regulation (EUDR)
Öffentliche Stellungnahme von APIB zur EU-Entwaldungsverordnung (EUDR)
07. Mai 2026
Der Dachverband der indigenen Völker Brasiliens APIB – eine Organisation, die national und international mehr als 300 indigene Völker aus allen Regionen Brasiliens vertritt – bekräftigt seinen Standpunkt zur Unterstützung der unverzüglichen Umsetzung der Europäischen Verordnung gegen Entwaldung (EUDR), die von uns als zusätzliches Instrument angesehen wird, als zusätzliches Instrument zur Bekämpfung von Rechtsverletzungen in unseren Gebieten über die Entwaldung hinaus von uns verstanden wird. Die EUDR stellt einen wichtigen Fortschritt dar, da sie das Problem auf der Nachfrageseite angeht und dabei die Lieferketten sowie Konsument:innenmärkte in die Verantwortung nimmt, jene die letztlich von Umweltzerstörung und Gewalt gegen Indigene Völker profitieren. Im Zusammenhang mit dem derzeitigen Überprüfungsprozess der EUDR durch die Europäische Union ist es von grundlegender Bedeutung, daran zu erinnern, dass diese Verordnung ein zentrales Instrument zur Förderung der Achtung der Menschenrechte, der Rechte Indigener Völker und des Umweltschutzes auf globaler Ebene darstellt. Jeder Versuch, ihre Bestimmungen zu lockern oder zu schwächen, stellt eine direkte Gefahr für die Gebiete und Lebensweisen Indigener Völker dar.
Die wiederholten Verschiebungen des Inkrafttretens der EUDR – ursprünglich für Dezember 2024 vorgesehen und später auf 2025 und 2026 verschoben – haben schwerwiegende Folgen für Indigene Territorien und andere traditionelle Gemeinschaften in Brasilien und weltweit. Die schrittweise Aushöhlung der Gesetzgebung, verbunden mit der Beschleunigung der Verhandlungen über das Abkommen zwischen dem Mercosur und der Europäischen Union sowie der Abschaffung von Mechanismen wie dem Soja-Moratorium im Amazonasgebiet, all dies verstärkt den Druck auf diese Gebiete, fördert die spekulative Expansion der Agrarindustrie und führt zu einer Ausweitung der Besetzung Indigener Gebiete. Vor diesem Hintergrund betonen wir gegenüber den europäischen Institutionen und den Mitgliedstaaten erneut die Bedeutung einer wirksamen Umsetzung der EUDR im Jahr 2026, ohne weitere Verzögerungen oder Rückschritte.
Die Agrarindustrie ist nach wie vor der Haupttreiber für die Besetzung Indigener Gebiete in Brasilien. Die Viehzucht macht mehr als die Hälfte der gesamten von diesem Sektor besetzten Indigenen Gebiete aus, gefolgt vom Sojaanbau, was den direkten Zusammenhang zwischen dem internationalen Rohstoffhandel, der Entwaldung und Menschenrechtsverletzungen verdeutlicht. Im Jahr 2024 wurden 154 Konflikte im Zusammenhang mit Landrechten in 114 indigenen Gebieten in 19 Bundesstaaten registriert, während Landbesetzungen, die illegale Ausbeutung natürlicher Ressourcen und andere Schäden am Kulturerbe 159 indigene Gebiete in 21 Bundesstaaten des Landes betrafen. (CIMI, 2025, S. 8).*
APIB warnt, dass der Druck auf die Territorien sich nicht auf Amazonien beschränkt. Die Verschiebung der Entwaldung und das Fortschreiten der Agrargrenze auf andere Biome wie Cerrado, Pantanal, Pampa und Caatinga ist eine Tatsache. Aufgrund des zunehmenden Drucks auf das Amazonasgebiet vollzieht sich beispielsweise im Cerrado gerade ein beschleunigter Anstieg der Entwaldung. Diese Dynamik verschärft territoriale Konflikte, verstärkt die Gewalt und vertieft die Gefährdung Indigener Völker, die in Regionen leben, die historisch durch die Ausweitung von Sojaanbau, Viehzucht, Bergbau und großen Infrastrukturprojekten geprägt sind.
Aus diesem Grund plädiert die APIB dafür, dass die EUDR umfassend angewendet wird und dass sie alle brasilianischen Biome und nicht nur Waldgebiete abdeckt. Es ist von grundlegender Bedeutung, dass die Gesetzgebung die gesamte einheimische Vegetation berücksichtigt und nicht zulässt, dass die Zerstörung lediglich von einem Gebiet in ein anderes verlagert wird. Auch wenn sich der aktuelle Fokus des Gesetzes auf Waldgebiete beschränkt, ist es unerlässlich, die Rechtmäßigkeit der Landnutzung, die Achtung der Menschenrechte und den Schutz Indigener Gebiete auf allen Herkunftsflächen der Rohstoffe zu gewährleisten – und nicht nur auf jenen Gebieten, die mit jüngster Entwaldung in Verbindung stehen. Zudem ist es notwendig, den Geltungsbereich der Regelung auf andere Rohstoffe, Produktionsketten und Mineralien wie Gold auszuweiten sowie Rückverfolgbarkeitsmechanismen zu stärken, die die gesamte Produktionskette bis hin zu den Ursprungsbetrieben und -unternehmen identifizieren können.
In diesem Sinne ist es unerlässlich, dass die Mechanismen zur Rückverfolgung umfassend, transparent und verbindlich sind und eine lückenlose Rückverfolgbarkeit bis zum Ursprung der Produktion gewährleisten. Ohne dies bestehen weiterhin Schwachstellen, die das „Waschen“ von Rohstoffen aus Gebieten mit Rechtsverstößen ermöglichen und damit die Wirksamkeit der Gesetzgebung sowie die Rechenschaftspflicht der beteiligten Akteur:innen untergraben.
Es reicht nicht aus, die Entwaldung nachzuverfolgen: Es müssen Mechanismen geschaffen werden, die gewährleistet werden, diejenigen Unternehmen zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen, die an Rechtsverstößen und Straftaten wie Menschenrechtsverletzungen, an der Vertreibung von Gemeinschaften, an Gewalt gegen Indigene Führungspersönlichkeiten, an Landinvasionen, an prekären Arbeitsbedingungen, an Pestizidvergiftungen und an der Zerstörung von Lebensweisen beteiligt sind – und zwar in allen Herkunftsgebieten der Produkte und in allen Biomen ohne Ausnahme. APIB setzt sich zudem dafür ein, dass die Überwachungs- und Meldesysteme der EUDR eine wirksame Beteiligung Indigener Völker vorsehen, mit transparenten, zugänglichen, sicheren Mechanismen und unter sozialer Kontrolle. Unsere Völker überwachen ihre Gebiete bereits selbst und müssen technisch und finanziell unterstützt werden, um ihre Fähigkeit zur Einflussnahme und zur Anprangerung zu stärken.
APIB erkennt an, dass die derzeitige brasilianische Regierung international Erklärungen zur Bekämpfung der Entwaldung, zum Klimaschutz und zum Schutz der Rechte Indigener Völker abgegeben hat. Diese Verpflichtungen müssen jedoch in konkrete innenpolitische Maßnahmen umgesetzt werden. Es wird keine internationale Glaubwürdigkeit geben, wenn Brasilien weiterhin die Lockerung der Umweltgenehmigungen, die Behauptung der Stichtagsregelung „Marco Temporal“, die Ausweitung des Bergbaus auf Indigenen Gebieten, die Erschließung neuer Öl- und Gasvorkommen sowie das Vordringen großer Projekte in unsere Territorien zulässt.
Angesichts dieser Situation bekräftigt die APIB ihre Unterstützung für die EUDR und deren Umsetzung ohne weitere Verzögerungen oder Abschwächungen. Wir setzen uns für ein Entwicklungsmodell ein, das auf der Verteidigung der Menschenrechte, der Solidarität zwischen den Völkern, dem Schutz der Territorien und dem Schutz der Biodiversität basiert.
Es gibt keine Klimagerechtigkeit ohne den umfassenden Schutz der indigenen Gebiete. Es gibt keine nachhaltige Entwicklung, wenn Völker im Namen des Profits geopfert werden. Die Rechte der Indigenen Völker sind kein Verhandlungsobjekt in Verhandlungen und Handelsgeschäften.
Die APIB wird weiterhin mobilisieren, Missstände anprangern und nationale sowie internationale Bündnisse schmieden, um zu bekräftigen, dass Indigene Territorien an vorderster Front für den Schutz des Lebens, des Klimas und der Zukunft der Menschheit stehen und nicht länger als Opfergebiete behandelt werden dürfen.
Dachverband der Indigenen Völker Brasiliens: Articulação dos Povos Indígenas do Brasil (APIB)
*Siehe Relatório “Violência contra os Povos Indígenas no Brasil – Dados de 2024” do Conselho Indigenista Missionário (CIMI).
// Vorspann und Übersetzung: Christian Russau

