Blutige Olympiade - Die Krise des polizeilich-autoritären Befriedungsmodells der Favelas

Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Referent Lutz Taufer
  • Wann 13.05.2016 23:30 bis 14.05.2016 01:30 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Köln
  • Name des Kontakts
  • Termin zum Kalender hinzufügen iCal

 

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, die UN-Kinderrechtskommission, Amnesty International und Human Rights Watch schlagen Alarm. Sie beklagen eine steigende Zahl extralegaler Tötungen von afrobrasilianischen Kindern und Jugendlichen durch Polizei in Rio de Janeiro. Für das Geschäftsmodell Olympische Spiele wird die Stadt „gesäubert“.

Mit dem Projekt „Befriedungspolizei“ (UPP), das vor knapp acht Jahren in einigen wenigen Favelas im Einzugsbereich der Fußball-WM und lukrativer Investitionsvorhaben in Rio de Janeiro gestartet wurde, ist die Zahl gewaltsamer Tötungen, auch durch die Polizei, zunächst drastisch zurückgegangen. Das Leben ist sicherer und ruhiger geworden.

Inzwischen ist das Befriedungsmodell in einer schweren Krise. Durch die Migration der vertriebenen Drogenmafia in Rio’s Nachbarstädte hat sich dort die Lage dramatisch verschlechtert. Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern  der „befriedeten“ Favelas werden die UPPs oft als  Besatzungsmacht gehasst und mit Steinen beworfen, immer mehr der eingesetzten Polizisten schreiben Versetzungsgesuche. In der Finanzkrise sind die teuren UPPs kaum mehr finanzierbar. Nun kommen mehr und mehr die aus der Militärdiktatur (64 – 85) übernommenen Methoden der Militärpolizei zum Einsatz. Die Drogenmafia hat die Herrschaft über die Favelas teilweise zurückerobert. Eine UPP musste geschlossen werden.

Kann die Teilung der Stadt in morro (Favelahügel) und asfalto (Mittelschichtsviertel mit geteerten Straßen) mit Panzern und Polizei überwunden werden?

Referent: Lutz Taufer, von 2003 bis 2012  für den Weltfriedensdienst in Favelas von Rio de Janeiro tätig, berichtet von der Krise des polizeilich-autoritären Befriedungsmodells der Favelas und der Alternative einer solidarischen Gemeinwesenentwicklung durch Bewohnerinnen und Bewohner.  

Per Skype zugeschaltet ist Janete Nazareth Guilherme, Leiterin eines von Favela-Bewohnerinnen mit Unterstützung des Weltfriedensdienstes aufgebauten kommunitären Zentrums für Berufsbildung, Modeschneiderei und zur Stärkung der Zivilgesellschaft. Sie wird die heutigen Zustände in ihrer Favela Salgueiro und den Kampf um eine solidar-ökonomische  Gemeinwesenentwicklung schildern.

 

Ort: Allerweltshaus, 1. OG, Körnerstr. 77-79, 50823 Köln

Eintritt: Zahl, was du kannst, was es dir wert ist.