Punktesieg für Lula

Debatte im TV Globo: der Fernsehmoment des Wahlkampfs.
| von Thomas Fatheuer
Punktesieg für Lula
Wahlkampf 2026: Tücher mit den Konterfeis der Kandidaten im Vorverkauf. Foto: Thomas Fatheuer

Am Freitagabend konnte das Fernsehen noch einmal die Nation erreichen – die Einschaltquote war höher als bei den Spielen Brasiliens bei der WM. Zudem verfolgten viele die Debatte in den digitalen Netzwerken.

Nach dem Debakel der ersten Debatte war Flávio Bolsonaro offensichtlich bemüht, weniger aggressiv aufzutreten. Dennoch war auch diese Debatte eher durch gegenseitige Beschuldigungen als durch den Austausch von Argumenten gekennzeichnet. Bolsonaro leistete sich eine schlimme (und wahrscheinlich kalkulierte) Entgleisung, als er Lula als „Neunfinger“ bezeichnete – Lula hat einen Finger durch ein Arbeitsunfall verloren.

Im Publikum saß die Mutter von Ana Clara, die im Alter von vier Jahren durch Schüsse eines Polizisten getötet wurde. Bolsonaro hatte die Verteidigung dieses Polizisten übernommen. Er wandte sich dann direkt an die Mutter – und verwechselte ihren Namen mit dem Namen des Opfers – ein Tiefpunkt für den Kandidaten. Insgesamt konnte sich Lula als emphatischer, aufrichtiger und zugewandter als sein Konkurrent präsentieren. Dies sicherte ihm wohl den leichten Punktesieg, den ihm die meisten journalistischen Beobachter*innen zuschreiben.

Auffällig war, dass Bolsonaro immer wieder versprach, alle Sozialprogramme, die von der extremen Rechten unermüdlich kritisiert wurden, fortzusetzen. Darüber hinaus machte er weitere Versprechen, die Geld kosten würden. Teilweise wirken die Versprechen Bolsonaros geradezu grotesk: Diese kontrastieren mit den Zusagen an die Finanzmärkte, mit einer Haushaltskürzung von 250 Milliarden Reais die Staatsverschuldung zu vermindern. Lula erwähnt diesen Punkt, hätte ihn aber mehr aufgreifen können.

Ein weiterer Schwachpunkt Bolsonaros ist seine Verwicklung in den größten Finanzskandal der brasilianischen Geschichte um die Banco Master. Auch dies wurde natürlich von Lula zur Sprache gebracht. Bolsonaro antwortete mit der Erwähnung anderer Skandale und ließ konkrete Fragen unbeantwortet. Auch hier dürfte Lula gepunktet haben, aber manchmal fehlte die Schlagfertigkeit des früheren Lulas.

Inwieweit diese Debatte den Wahlausgang beeinflusst, lässt sich kaum abschätzen. In Brasilien startet nun der letzte Tag der Mobilisierung, Lula wird am Vormittag in Copacabana erwartet. Und dahin gehe ich jetzt.

// Thomas Fatheuer, Rio de Janeiro, 07:00 Ortszeit.