Neue Studie: Staatliche Operationen zur Zerschlagung des illegalen Goldabbaus in indigenem Territorium der Munduruku sind "relevant", aber noch immer "unzureichend"

Forscher:innen des Instituts Mãe Crioula haben in Zusammenarbeit mit der Staatsuniversität von Pará Uepa eine neue Studie zum Vorgehen des brasilianischen Staates gegen illegalen Goldabbau im Indigenen Territorium Munduruku im Südwesten des Bundesstaates Pará veröffentlicht. Demnach hätten die staatlichen Operationen zur Zerschlagung des Netzwerkes illegalen Goldabbaus "die räumlichen Strukturen des illegalen Goldabbaus nicht strukturell zerschlagen, da sich diese dank bereits etablierter logistischer, finanzieller und politischer Netzwerke rasch neu organisieren". Dem Bericht zufolge "gehen die staatlichen Maßnahmen, anstatt die wirtschaftlichen und territorialen Grundlagen der Illegalität anzugehen", eine Strategie ein, die "vorwiegend auf Repression ausgerichtet ist, ohne die strukturellen Bedingungen, die den illegalen Goldabbau stützen, angemessen zu bekämpfen".
| von Christian.russau@fdcl.org
Neue Studie: Staatliche Operationen zur Zerschlagung des illegalen Goldabbaus in indigenem Territorium der Munduruku sind "relevant", aber noch immer "unzureichend"
Amazonien ist vielfältig bedroht (Symbolbild). Foto: christian russau

Es ist eine Studie, deren Erkenntnisse ein großes Maß an politischer Brisanz haben. Denn es war eines des (mehreren) großen Versprechen der 2022 wieder ins Präsidialamt gewählten Luiz Inácio Lula da Silva, den unter der Bolsonaro-Regierung florierenden (und staatlich nur wenig bekämpften, bis hin zu eher geförderten) illegalen Goldabbau in Indigenen Territorien zu unterbinden. Dazu hatte die brasilianische Bundesregierung eine Reihe von Maßnahmen und Operationen durchgeführt: Dies reichte von mehr Befugnissen für Militärs in Amazonien über verbesserte Ausstattung und mehr politischer Unterstützung für die Vorortkontrollen und -aktionen der Umwelt- und weiteren Behörden über verstärkte Zusammenarbeit mit den Gouverneur:innen einzelner Bundesstaaten bis hin zu einer ganzen Reihen von auch gesetzgeberischen und behördlichen Maßnahmen, die dem illegalen Goldabbau in den Indigenen Territorien - vor allem der Yanomami und der Munduruku - ein Ende setzen sollten. Zu den behördlichen (und juristischen) Maßnahmen seit der Lula-Regierung zur Bekämpfung des illegalen Goldbergbaus seit Amtsantritt zählten verschiedene Maßnahmen (KoBra berichtete), u.a. der Einsatz der Bundespolizei zur chemischen Herkunftanalyse von Golderzen aus dem Yanomami-Territorium zur späteren Identifizierung von Goldproben aus illegalen Quellen wie dem Yanomami-Gebiet; die Abschaffung durch den Obersten Gerichtshof der sogenannten Erklärung auf Treu und Glauben beim Ersterwerb von Gold aus unbekannter Quelle; die Einführung durch die Bundessteuerbehörde einer neuen normativen Anweisung, in der sie die elektronische Rechnung für die Vermarktung von Gold aus dem Bergbau ab Juli 2023 einführt, um die Nachverfolgbarkeit des Goldes zu verbessern. Trotz all der bisher getroffenen Maßnahmen ist illegaler Goldbergbau in Amazonien aber immer noch massiv präsent.

Nun zeigt eine neue Studie die letztlich noch immer existente Begrenztheit der Effektivität des staatlichen Vorgehens gegen illegalen Goldabbau in Indigenen Territorien auf. Forscher:innen des Instituts Mãe Crioula haben in Zusammenarbeit mit der Staatsuniversität von Pará Uepa diese Studie erstellt. Die Studie (hier die Studie auf Portugiesisch, hier eine Zusammenfassung auch bei Repórter Brasil) kommt zu dem Schluss, dass die Vertreibung der Goldgräber:innen aus dem Munduruku-Indigenengebiet im Südwesten von Pará nur vorübergehende Auswirkungen hatte. Die vor etwa einem Jahr abgeschlossenen Räumungsmaßnahmen der Bundesregierung hätten die illegalen Invasor:innen in andere Schutzgebiete vertrieben, konnten jedoch die Strukturen des illegalen Goldabbaus in Jacareacanga im Bundesstaat Pará nicht zerschlagen. Dies zeige, wie anpassungsfähig die illegale Goldwirtschaft sei, so die Studie.

Laut dem Bericht verfolgten die staatlichen Maßnahmen "anstatt die wirtschaftlichen und territorialen Grundlagen der Illegalität anzugehen", eine Strategie, die "vorwiegend auf Repression ausgerichtet ist, ohne die strukturellen Bedingungen, die den illegalen Goldabbau stützen, angemessen zu bekämpfen". Es handele sich letztlich um eine "wenig wirksame" Maßnahme, die "die Wirtschaftsakteure nicht erreicht, die auf den oberen Ebenen der Produktionskette agieren und die für die Finanzierung, die Logistik und den Goldumlauf auf den nationalen und internationalen Märkten verantwortlich sind", so die Einschätzung der Autor:innen der Uepa und des Instituto Mãe Crioula. Die Studie hebt die Bedeutung der staatlichen Operationen als "Versuch der Wiedererlangung der territorialen Kontrolle" durch die Behörden und die indigenen Gemeinschaften hervor. Allerdings "konnten diese Operationen die räumlichen Strukturen des illegalen Goldabbaus nicht strukturell zerschlagen, da sich diese dank bereits etablierter logistischer, finanzieller und politischer Netzwerke rasch neu organisieren".

Die Studie zeigt auf, wie beispielsweise im Zeitraum zwischen Ende 2024 und Ende 2025 verschiedene Bundesbehörden insgesamt 90 illegale Goldgräber:innenlager, 15 Boote, 27 schwere Maschinen, 224 Motoren und weitere Ausrüstungsgegenstände unbrauchbar gemacht hätten. Aber die Forschenden stellten anhand von Interviews, Satellitenbildern, Drohnenaufnahmen und Feldbeobachtungen fest, dass ein Teil der Goldschürfer:innen aus dem Inneren der indigenen Gebiete Munduruku und Sai Cinza in umliegende Gebiete abgewandert sei, wie zum Beispiel in das Naturschutzgebiet APA do Tapajós und die kleinen Ansiedlungen von São José und Porto Rico. Die Forscher:innen kommen zu dem Ergebnis, dass der Staat lediglich die lokal sichtbare Seite der illegalen Aktivitäten bekämpfe. Aber dass er in der Zerschlagung dessen, was diesen Kreislauf eigentlich stützt und versorgt - nämlich: Finanzierungsnetzwerke, Flugverkehr von Kleinmaschinen, Tankstellen, Werkstätten, Hotels, Häfen, Goldgeschäfte, Zwischenhändler, Landeplätze, Flussverkehr etc. - nicht angetastet wurde. Dem Bericht zufolge fungiert Jacareacanga immer noch als strategischer Knotenpunkt für das in der Region geförderte Gold.

Die Studie resümiert u.a. (S.101), dass: "Die Zerstörung von Ausrüstung und die vorübergehende Unterbrechung der Abbauaktivitäten sind zwar symbolisch, erreichen jedoch nicht die Wirtschaftsakteure, die auf den oberen Ebenen der Produktionskette agieren und die für die Finanzierung, die Logistik und den Goldumlauf auf den nationalen und internationalen Märkten verantwortlich sind. Auf diese Weise konzentriert sich der Kampf gegen den illegalen Goldabbau weiterhin auf die sichtbarsten und verwundbarsten Glieder des Kreislaufs und reproduziert damit eine Logik fragmentierter und wenig wirksamer territorialer Kontrolle."

Der Bericht schlägt als Lösungen die Umsetzung kontinuierlicher Kontrollmaßnahmen, die stärkere Überwachung des Goldhandels entlang der gesamten Lieferkette, die Bekämpfung der Geldwäsche und die Überwachung von Betriebsmitteln wie Treibstoff (für die Boote und Kleinflugzeuge der illegalen Goldschürfer:innen) und eine stärkere Kontrolle des Handels, Ver- und Ankaufs von Quecksilber vor. Darüber hinaus aber plädieren die Autor:innen der Studie aber auch stark dafür, auf Konzepte zu setzen, die in enger Absprache mit den lokalen Indigenen Gemeinschaften entwickelt werden (ab S. 105).

Die Autor:innen selbst fassen ihre Studie wie folgt zusammen: "Das Hauptziel des Berichts besteht darin, die räumlichen Zusammenhänge des illegalen Goldabbaus in der Region des Tapajós-Tals zu analysieren, wobei der Schwerpunkt auf dem Munduruku-Indigenengebiet liegt, um zu verstehen, wie sich diese Aktivität in Bezug auf Ströme, Netzwerke, Akteure und geografische Ebenen organisiert. Der Vorschlag zielt darauf ab, aufzuzeigen, wie der illegale Goldabbau Produktion, Zirkulation, Verteilung und Konsum von Gold miteinander verknüpft und gleichzeitig territoriale, sozio-ökologische und wirtschaftliche Auswirkungen hat. Darüber hinaus versucht die Studie, die territorialen Umgestaltungen und Konflikte zu verstehen, die sich aus der Intensivierung dieser Aktivität ergeben, insbesondere im Kontext nach der Räumung. Was die Ergebnisse betrifft, so zeigt der Bericht, dass der illegale Goldabbau nicht nur fortbesteht, sondern auch eine hohe Anpassungs- und räumliche Umstrukturierungsfähigkeit aufweist, selbst angesichts repressiver Maßnahmen des Staates. Die Bekämpfungsmaßnahmen erweisen sich, obwohl relevant, als unzureichend, um die Produktionskreisläufe zu zerschlagen, die sich durch bereits konsolidierte logistische, finanzielle und politische Netzwerke rasch neu formieren. Es zeigt sich auch, dass der Goldabbau zu einem strukturierenden Element der lokalen territorialen und wirtschaftlichen Organisation geworden ist, insbesondere in Gemeinden wie Jacareacanga, wodurch eine wirtschaftliche Abhängigkeit entsteht und gleichzeitig soziale Vulnerabilitäten vertieft werden. Gleichzeitig sind die sozioökologischen Auswirkungen erheblich, darunter die Quecksilberverseuchung von Flüssen, Umweltzerstörung und die Zunahme von Konflikten in indigenen Gebieten. Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist die Feststellung, dass das indigene Gebiet, obwohl rechtlich geschützt, funktional in illegale Wirtschaftsnetzwerke auf regionaler und globaler Ebene eingebunden ist, was Widersprüche zwischen der formalen Präsenz des Staates und seiner begrenzten Fähigkeit zu wirksamer Kontrolle offenbart. Schließlich weist der Bericht auf die Notwendigkeit struktureller staatlicher Maßnahmen hin, die eine kontinuierliche Überwachung, die Kontrolle der Wirtschaftsketten, den Schutz der indigenen Gebiete und die Schaffung nachhaltiger wirtschaftlicher Alternativen für die Region miteinander verbinden."

Die komplette Studie (auf Portugiesisch) gibt es hier zum freien Download: https://drive.google.com/file/d/1GBtr3M6HU13D4sFtweofm6yJ_9w-977J/view

// Christian Russau

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