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Verschuldung der Privathaushalte erreicht Rekordniveau

Brasília. Die Verschuldungssituation der Brasilianerinnen und Brasilianer hat im April dieses Jahres neue Rekordwerte erreicht. Lag die Gesamtverschuldung der brasilianischen Privathaushalte Ende 2009 noch bei 485 Milliarden Reais (umgerechnet 218 Milliarden Euro), so erreichte sie im April dieses Jahres 653 Milliarden Reais (umgerechnet 294 Milliarden Euro). Dies berichtete die Tageszeitung Estado de São Paulo Ende Juni dieses Jahres unter Berufung auf eine neue Studie der LCA Consultores. Demnach würden die brasilianischen Privathaushalte mit 40 Prozent ihres verfügbaren Jahreseinkommens bei den Banken des Landes in der Kreide stehen.


Diese Zahlen umfassen laut Estadão die Kredite, deren Zinsen sowie Kreditkarten und Schecks. Laut der brasilianischen Zentralbank belaufen sich die durchschnittlichen Jahreszinsen für einen Privatkredit in Brasilien auf 46,8 Prozent, wie die staatliche Nachrichtenagentur Agência Brasil berichtet. Dabei variieren die jeweiligen Privatkreditzinssätze teilweise erheblich. Der durchschnittliche Zinssatz bei Ratenkredit für einen Autokauf liegt derzeit bei 30,4 Prozent. Sonderschecks erreichten im Mai dieses Jahres mit einem Zinssatz von 185,4 Prozent den höchsten Wert seit dem April 1999, als dieser Zinssatz für die sogenannten cheque especial bei 193,65 Prozent im Jahr lag.

Noch im März dieses Jahres war die brasilianische Zentralbank davon ausgegangen, dass die BrasilianerInnen zurzeit im Schnitt 22,2 Prozent ihres monatlich verfügbaren Einkommens für die Bezahlung von Zinsen und Kredittilgung aufwenden müssen. In diesen Zahlen waren aber Kreditkarten und vordatierte Schecks nicht erfasst gewesen. Bei Regierungsantritt von Präsident Lula im Jahre 2003 hatte laut brasilianischer Zentralbank der Anteil für den Schuldendienst bei 14,6 Prozent des verfügbaren Monatseinkommens gelegen.

So zeichnet sich – auch angesichts drohender Inflationsgefahren – die Wirtschaftspolitik der Regierung Rousseff nach einem halben Jahr der Übernahme der Amtsgeschäfte von ihrem Vorgänger, Luiz Inácio „Lula“ da Silva, vor allem auch durch die Fortsetzung der Hochzinspolitik, wie sie bereits die Regierung Lula praktiziert hatte, aus. Die Gewerkschaften haben diese reine Hochzinspolitik der Regierungen Lula und Rousseff stets scharf kritisiert. Denn einerseits erschweren Zinserhöhungen des Basiswertes Selic, wie im April auf nunmehr zwölf Prozent von der Zentralbank vollzogen, Investitionen im produktiven Bereich – und treffen die ärmeren Bevölkerungsschichten hart, was auch sofort von den Gewerkschaften gebrandmarkt wurde. Die CUT sprach von einem Skandal, dass die ohnehin bereits „weltweit höchsten Zinsen“ noch weiter angehoben werden. Das Land werde bluten, und Entwicklung, vor allem die soziale, werde dadurch behindert, so die Kritik der Gewerkschaften.

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