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ThyssenKrupp zieht Zivilklage gegen Wissenschaftler aus Rio zurück

Rio de Janeiro. Wenige Tage vor der Aktionärsversammlung des Stahlkonzerns in Bochum hat ThyssenKrupp die Klage, die der Konzern wegen erlittener "immaterieller Schäden" gegen die Wissenschaftler des Stiftungsinstitut FIOCRUZ und die Biologin der Universität des Bundesstaates von Rio de Janeiro eingereicht hatte, zurückgezogen. Unter Vermittlung der Anwaltskammer von Rio (OAB/RJ) wurde am 12. Januar eine entsprechende Vereinbarung von der Firma unterzeichnet, wie die Anwaltskammer mitteilte .



Einer der drei vom umstrittenen Stahlwerk TKCSA verklagten Forscher, der Lungenspzialist Hermano de Castro, zog zeitgleich seine Gegenklage gegen ThyssenKrupp zurück und erhielt das Recht zugestanden, in der Werkzeitschrift der TKCSA eine Gegendarstellung abzugeben. Der Konzern verpflichtete sich dem Bericht zufolge auch zu einer persönlichen Entschuldigung bei dem angesehenen Forscher.

Die Wissenschaftler hatten in Gutachten vor den Gesundheitsrisiken durch das Stahlwerk für die Anwohner gewarnt. TKCSA sah sich durch die Aussagen der Forscher "immateriellem Schaden" ausgesetzt und verklagte die Wissenschaftler. Der Präsident der Anwaltskammer von Rio de Janeiro, Wadih Damous, hatte bereits vor Monatfrist dieses Gebahren des deutschen Tochterunternehmens kritisiert. "Wenn jemand die Ergebnisse einer Untersuchung widerlegen will, so muss er dass tun, indem er Daten vorlegt, niemals sollte er dies durch Justizklagen wegen vermeintlich erlittener Imageschäden zu erlangen suchen", so der Präsident der Anwaltskammer.

Indessen bereiten sich Aktionärsgruppen auf die Jahreshauptversammlung am Freitag in Bochum vor. Der Dachverband der kritischen Aktionäre fordert in seinem Gegenantrag, Vorstand und Aufsichtsrat von ThyssenKrupp die Entlastung zu verweigern und die Fischer der Bucht von Sepetiba zu entschädigen sowie die Gesundheit der Anwohner des Stahlwerks zu schützen.

Das Stahlwerk TKCSA von ThyssenKrupp in Rio de Janeiro, im Stadtteil Santa Cruz an der Bucht von Sepetriba gelegen, steht seit Jahren in massiver kritik seitens der lokalen Kleinfischer, die bis zu 80 Prozent Einbußen beim Fischfang seit Baubeginn des Stahlwerks erleiden mussten, sowie seitens der Anwohner, die seit Betriebsbeginn Mitte 2010 unter dem Stahlwerkstaub leiden, der laut Untersuchung der FIOCRUZ-Forscher auch Schwermetalle aufweist.

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