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Rio São Francisco

Die Widerstandsbewegung am Rio São Francisco

Im Rahmen eines Megaprojekts will die Regierung Lula Wasser aus dem Fluss São Francisco in andere Bundesstaaten wie Pernambuco, Paraíba, Rio Grande do Norte und Ceará ableiten. Offizielle Begründung ist die Wasserversorgung der Bevölkerung im trockenen Nordosten. Nutznießer der Umleitung aber sind in erster Linie die Bau- und Stahlindustrie, die exportorientierte Bewässerungslandwirtschaft (vor allem Obst und Zuckerrohr), die ökologisch bedenkliche Garnelenzuchtbranche und Luxusferiensiedlungen. Kostengünstigere Alternativen zur Umleitung, die wirklich die Wasserversorgung der Bevölkerung gewährleisten könnten, werden von der Regierung nicht ernsthaft diskutiert.

In Brasilien hat sich ein breites Widerstandsbündnis von Betroffenen und sozialen Bewegungen gegen die Ableitung gegründet, das mit juristischen Mitteln einen einstweiligen Stillstand der Bauarbeiten erwirkt hat. Das von dieser Regelung ausgenommene Militär ist dennoch seit Juni 2007 mit vorbereitenden Maßnahmen zur Ableitung beschäftigt. Im November 2007 ging die international bekannte Symbolfigur des Widerstandes, der Bischof Dom Luiz Cappio, ein zweites Mal in Hungerstreik gegen die Ableitung – ohne dass die brasilianische Regierung einlenkte. Seit 2008 bekam Dom Luiz Cappio nunmehr drei Menschenrechtspreise für seinen Einsatz verliehen. Im Mai 2009 war er in Deutschland. Seine Reise wurde vom Bündnis „São Francisco 2009: Fluss – Recht – Leben“ organisiert, dem u.a. auch KoBra angehörte.

Das Indigenennetzwerk APOINME startete im Mai 2009 eine weitere Kampagne gegen die Flussableitung. Im Rahmen der Kampagne waren VertreterInnen Anfang Februar 2010 auch in Deutschland. APOINME wies gegenüber multilateralen Institutionen wie der UNO, der ILO und dem Europäischen Parlament auf die Verletzung internationaler Abkommen durch das Ableitungsprojekt des Rio São Francisco hin.