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Nordosten Brasiliens: Schmelzen die Plastikzisternen in der Sonne?

Brasília. Um die neuen Regenwasserzisternen für eine Million arme Haushalte im halbtrockenen brasilianischen Nordosten gibt es erneuten Ärger: Anwohner berichten, die Plastikzisternen würden dem Klima in der Region nicht standhalten. So würden die Plastikzisternen in der Sonne schmelzen. Dies berichtet der Vertreter der brasilianischen Landpastorale Comissão Pastoral da Terra (CPT), Roberto Malvezzi, gegenüber der Zeitung Correio da Cidadania . Demnach hätten in der Gemeinde Cedro im Bundesstaat Ceará die "Plastikzisternen, für die die Regierung eine Lebensdauer von 15 Jahren angekündigt hatte, nicht einmal drei Monate der Sonne und den Regengüssen im Sertão standgehalten", so Malvezzi.

 

Die über die sozialen Netzwerke verbreiteten Photos zeigen die 5.000 Reais teuren (umgerechnet 2.170 Euro) Plastikzisternen in stark deformiertem Zustand. Die für die Verteilung der Zisternen zuständige staatliche Firma, die Companhia de Desenvolvimento dos Vales do São Francisco e do Parnaíba (Codevasf), bezeichnete die Deformationen als einzelne Produktionsfehler bei der mexikanischen Herstellerfirma Acqualimp, wie das zivilgesellschaftliche Netzwerk ASA berichtet. Nur zwei der 3.000 bereits ausgelieferten Zisternen aus Polyethylen wiesen demnach diese Deformationen auf, so Codevasf. Die Firma habe die entsprechenden Zisternen bereits ausgetauscht. Die Codevasf ist direkt dem Integrationsministerium in Brasília unterstellt und für die lokale Verteilung der Zisternen zuständig.

Erste Ende vergangenen Jahres hatte die brasilianische Bundesregierung die Plastikzisterne als Neuerung eingeführt, was von der Zivilgesellschaft und Basisgruppen im brasilianischen Nordosten scharf kritisiert worden war. Die im Netzwerk "Artikulation des Semi-Árido" (ASA) zusammengeschlossenen über 1.000 Gruppen hatten in der Vergangenheit mit den vormaligen Bundesmitteln im trockenen Nordosten knapp 400.000 Zisternen gebaut. Die Zisternen wurden gemauert und diese Arbeiten von lokalem Handwerk in Gemeinschaftsarbeit mit den Bewohnern ausgeführt. Die Basisgruppen führten begleitend soziale Bildungsarbeit durch. Ende vergangenen Jahres hatte die Regierung Rousseff jedoch entschieden, dass zur Erreichung des Ziels, eine Million arme Haushalte im Nordosten mit Regenwasserspeicher zu versorgen, die Zisternen aus Plastik der effektivere Weg sei.

Für Roberto Malvezzi von der Landpastorale CPT war schon diese Regierungsentscheidung ein "Desaster". Die Regierung ersetze "nicht nur eine Technologie durch eine andere". Sie schaffe damit auch den gesamten Bildungs- und Erziehungsprozess ab, der das Programm umgeben habe, sagte damals Malvezzi gegenüber der Agentur Ecoagência. Im Dezember hatten über 10.000 Menschen in Petrolina und Juazeiro gegen die Plastikzisternen und für das alte Zisternenprojekt demonstriert.

Der brasilianische Nordosten ist eine halb-trockene (semi-aride) Region, in der vier Monate Regenzeit auf acht Monate Trockenheit folgen. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft im Nordosten lebt mit dem halbgtrockenen Klima und bevorzugt lokal angepasste Maßnahmen im Rahmen ihres Convivência-Konzeptes, des 'Zusammenlebens mit der halbtrockenen Region'. Die im ASA-Netzwerk zusammengeschlossenen Gruppen bevorzugen den Begriff "semi-ariden Klimas, da sie der Meinung sind, zu oft seien in der Vergangenheit unter dem Vorwand der Bekämpfung der "Dürre" von Brasília aus zentral Großprojekte geplant und durchgesetzt worden, die nicht lokal angepasst waren, wie beispielsweise die umstrittene Umleitung des Rio São Francisco. Das Convivência-Konzept  versucht, im Einklang mit dem semi-ariden Klima zu leben und zu wirtschaften. Die Plastikzisterne widerspricht diesem Convivência-Konzept, so das ASA-Netzwerk

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