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Sklaventreiber haben Vorrang

In der letzten Dezemberwoche hatte das brasilianische Arbeitsministerium den Zuckerkonzern Cosan auf die „schmutzige Liste“ derjenigen Unternehmen gesetzt, die Menschen zu sklavenähnlichen Bedingungen beschäftigen. Doch bereits in der zweiten Januarwoche nahm es seine Entscheidung auf Druck des Unternehmens wieder zurück.

Damit kann der Multi auch wieder Förderung durch die staatliche Entwicklungsbank BNDES erhalten. Auch Wal-Mart zog die Aussetzung der Lieferverträge mit Cosan wieder zurück. Auf den Zuckerrohrfeldern des Unternehmens waren im Juni 2007 42 Arbeiter befreit worden, die unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiteten. Cosan versuchte daraufhin, die Schuld auf das Subunternehmen abzuschieben, das die Arbeiter in Schuldknechtschaft hielt. Cosan ist der größte Ethanolexporteur der Welt.
Zwar waren die Börsenkurse von Cosan nach Eintragung auf die „schmutzige Liste“ ruckartig gesunken, doch nachdem der Konzern nicht mehr auf der Liste steht, geht alles seinen gewohnten Gang. So wurde in den letzten Tagen bekannt, dass die Royal Dutch Shell und Cosan einen 12-Milliarden-Dollar-Deal planen. Sie wollen ihre Geschäftssparten zusammenlegen. Shell weitet auf diese Weise seine Geschäfte mit Agrotreibstoffen in Brasilien aus, Cosan profitiert von einer besseren Absatzstruktur. Nach der Fusion wird das Unternehmen 4.500 Tankstellen in Brasilien mit Agrotreibstoff beliefern. Der Deal wird sich in den nächsten 180 Tagen entscheiden. Sklaventreiber haben also nicht nur in Brasilien Vorrang, sondern auch weltweit gute Karten.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr nach Daten des Arbeitsministeriums 3.571 Personen in 566 verschiedenen Unternehmen aus sklavenanaloger Arbeit befreit. Die Zahl ist damit gegenüber 2008 deutlich gesunken, als es 5.016 Personen waren. Sebastião Caixeta von der Abteilung zur Bekämpfung der Sklavenarbeit innerhalb des Arbeitsministeriums führt dies allerdings nicht auf einen Sinneswandel der Unternehmer, sondern auf die Finanzkrise zurück. Arbeiten wie die Köhlerei, die für Sklavenarbeit bekannt sind, kamen 2009 praktisch zum Erliegen.