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Protestbrief gegen Bau von Eisenbahnstrecke in Pará

Im Bundesstaat Pará ist der Bau einer Eisenbahnstrecke zum Transport von Rohstoffen über den Rücken der lokalen Bevölkerung hinweg entschieden worden. Von der Organisation FASE Amazônia erreichte uns ein Protestbrief der Quilombolagemeinschaft Laranjituba e África, der von zahlreichen Basisorganisationen und Unterstützenden unterzeichnet wurde. KoBra hat den Brief ins Deutsche übersetzt.
Protestbrief gegen Bau von Eisenbahnstrecke in Pará

Vermarktung von agrarökologischen Produkten in Santarém/PA (Foto: Arquivo FASE)

Brief zur Verteidigung des Lebens indigener Völker, Quilombolas, Kleinbäuer*innen und anderer traditioneller Gemeinschaften, die von der paraensischen Eisenbahnlinie S.A. bedroht sind

„Die Großen erscheinen nur groß, solange die Kleinen auf den Knien sind.

Aber wenn die Kleinen sich erheben, bricht jeder Riese zusammen.“

Pierre Joseph Proudhon

Begleitet vom Schlagen der Trommeln unserer indigenen und Quilombola-Wurzeln, teilen wir chibé (fermentiertes Getränk, Anm. d. Übers.) und açaí am 5. und 6. August 2017 im Schuppen der Quilombola-Gemeinschaft Laranjituba e África, Amazonien des Bundesstaates Pará. In Versammlung diskutieren wir die soziale Mobilisierung und den Schutz unserer Territorien im Nordosten Parás vor großen Infrastrukturprojekten, die ohne vorherige, freie und informierte Zustimmung implementiert werden, die damit die Selbstbestimmung und Selbstverwaltung der traditionellen Völker missachten, und die nationale Gesetzgebung sowie internationale Abkommen, wie die ILO-Konvention 169, verletzen.

Unsere Wälder weinen, unsere igarapés (Seitenarme von Flüssen, Anm. d. Übers.) trocknen aus und unser Volk stirbt, bevor es seine Nachkommen kennt, als Folgen der sog. „Entwicklung“, die unsere Lebensweisen zerstört. Die Projekte zum Ausbau des logistischen Netzwerks im Land betrachten Amazonien als Einheit von Wäldern ohne Menschen und Kultur. Für uns ist es unfassbar, dass das Land zum Rohstoffanbau in Monokulturen verwendet werden soll, dass unser Land zum Transport von Bodenschätzen genutzt und unsere Lebensweisen nicht berücksichtigt werden sollen.

Die Regierung von Pará hat hinter dem Rücken indigener Völker, Quilombolas, Kleinbäuer*innen und anderer traditioneller Gemeinschaften den Bau der paraensischen Eisenbahnstrecke entschieden. Das Vorhaben wird den Bundesstaat von Nord nach Süd auf rund 1.312 km zerschneiden, und das alles Zugunsten des Agrobusiness und der transnationalen Bergbauunternehmen, die den Anforderungen der großen Märkte, u.a. Europa, USA, China und Japan, gerecht werden wollen. Das Eisenbahnprojekt gehört zu einer ganzen Reihe von Vorhaben, die zusammen den Prozess der Zerstörung Amazoniens und die Verarmung der lokalen Bevölkerungen beschleunigen werden. Norsk Hydro, Glencore, Siemens, Cargil, Russian Highways, VLI Multimodal S.A., Ecovias, Camargo Corrêa, Construcap Engenharia, Companhia Paulista de Trens Metropolitanos (CPTM) und Vale sind einige der Unternehmen, die an dem Vorhaben beteiligt sind. Weiterhin haben italienische, chinesische, russische, koreanische und japanische Unternehmer*innen an den öffentlichen Anhörungen zur Ausschreibung des Projektes teilgenommen.

Wir verurteilen den brasilianischen Staat, die Regierung des Bundesstaates und deren Verbündete, welche eine Entwicklung durchsetzen, die uns nicht repräsentiert; die Eisenbahnlinien, Häfen, Wasserstraßen, Staudämme mit sich bringt, Menschen von ihrem Land vertreibt, unsere Nahrungsgrundlagen vernichtet, unser Volk und unsere Kulturen zerstört, unsere Flüsse und igarapés kontaminiert, unsere Böden belastet, unsere Wälder tötet. Das alles geschieht im Namen eines neoliberalen Projektes, welches die Perspektive eines Fortschrittes eröffnet, der auf grenzenloser Ausbeutung von Gemeingütern beruht.

Unsere Rechte sind nicht verhandelbar. Deshalb lehnen wir einen Gesundheitsposten im Gegenzug für eine Eisenbahnstrecke in unseren Territorien ab. Zugang zu Gesundheit, Bildung, Produktions- und Vermarktungsbedingungen sollten als Aufgaben der öffentlichen Hand und Rechte angesehen werden, die uns per Verfassung garantiert sind. Sie sollten nicht als Tauschmittel verstanden werden, Unternehmen den Zugang zu unseren Territorien zu erlauben, um unsere natürlichen Ressourcen auszubeuten, unsere Nahrungsmittelsicherheit und Ernährungssouveränität zu gefährden, unsere Kulturen und Lebensweisen zu missbrauchen und die Nachhaltigkeit zukünftiger Generationen aufs Spiel zu setzen.

Wir lehnen die Rückschritte in der brasilianischen Gesetzgebung ab, wie die von der Partei der Demokraten vorgeschlagene Direkte Maßnahme der Verfassungswidrigkeit (Ação Direta de Inconstitucionalidade - ADI) Nr. 3229, die die Existenz unserer Quilombola-Territorien in Frage stellt sowie das Gesetz der Stichtagsregelung (Lei do Marco Temporal), das eine zeitliche Beschränkung für die Besetzung und Anerkennung indigener Territorien festlegen soll.

Wir wissen, dass der Schutz Amazoniens nicht nur unser Kampf ist, sondern auch in der Verantwortung der Bevölkerungen jener Länder liegt, deren Unternehmen unsere Territorien rauben und unsere Lebensweisen zerstören.

Deshalb fordern wir, dass wir bei allen Projekten, die unsere Territorien einbeziehen, angehört werden und, dass die ILO-Konvention 169 respektiert und eingehalten wird, damit die Lebensweisen indigener Völker, Quilombolas, Kleinbäuer*innen und anderer traditioneller Gemeinschaften respektiert, garantiert und geschützt werden.

 

Wir sind ein Volk, dass für seine Rechte kämpft. Keine Eisenbahn in unseren Territorien, kein Recht und keine Handbreit Land weniger!

Quilombo Laranjituba e África – Abaetetuba/Pará, 6.August 2017.

 

Basisorganisationen

Associação das Comunidades Remanescentes de Quilombolas das Ilhas de Abaetetuba (ARQUIA)

Associação dos Moradores Quilombolas do Moju-Miri (AQMOMI) – Município de Moju

Associação Indígena Tembé de Tomé Açu (AITTA)

Comunidade Espírito Santo do Guajarauna – Município do Moju

Comunidades Agroextrativista Ramal do Pirocaba – Município de Abaetetuba

Comunidades Agroextrativistas Camiri, Velasco e Santa Maria do Icatu e Associação Emanuel – Município de Igarapé-Miri

Comunidades Remanescentes de Quilombo Laranjituba, África, Samaúma, Caeté, Ramal Médio Itacuruçá, Bacuri, Arapapu, Acaraqui, Ipanema, Arapapuzinho – Município de Abaetetuba

Coordenação das Associações das Comunidades Remanescentes de Quilombo do Pará – Malungu

Federação dos Trabalhadores na Agricultura do Estado do Pará (FETAGRI)

Grupo de Mulheres Agroecológico Fênix de Santo Antônio do Tauá e Vila dos Remédios

Remanescentes de Quilombo Cupuaçu – Município de Barcarena

Sindicato dos Trabalhadores e das Trabalhadoras Rurais de Abaetetuba

Sindicato dos Trabalhadores e das Trabalhadoras Rurais de Barcarena

Sindicato dos Trabalhadores e das Trabalhadoras Rurais de Igarapé-Miri

Terra Indígena Turé-Mariquita I – Aldeia Tekenai, Aldeia Nova – Município de Tomé-Açu

Território Quilombola Santa Rosa dos Pretos – Itapecuru-Mirim (Maranhão)

União das Comunidades Quilombolas de Itapecuru-Mirim (UNIQUITA)

 

Unterstützende

Articulação de Mulheres Brasileiras (AMB)

Caritas Norte II

Conselho Indigenista Missionário Regional Norte 2 (CIMI)

FASE Programa Amazônia

Fórum da Amazônia Oriental (FAOR)

Fórum de Mulheres da Amazônia Paraense (FMAP)

Fundo Dema

Grupo de Estudo e Pesquisa: Memória, Formação Docente e Tecnologia (GEPEME)

Grupo de Estudo Sociedade, Território e Resistência na Amazônia (GETERRA/UFPA)

Grupo de Estudos Desenvolvimento Modernidade e Meio Ambiente (GEDMMA)

Grupo de Estudos sobre a Diversidade da Agricultura Familiar (GEDAF/UFPA)

Grupo de Estudos Sociedade Ambiente e Ação Pública (SAP/UFPA)

Grupo de Pesquisa Sobre Estado, Território, Trabalho e Mercados Globalizados (GETLAM/NAEA-UFPA)

Grupo de Pesquisa Territorialização Camponesa na Amazônia (GPTCA/UFPA)

Movimento Barcarena Livre

Movimento Camponês Popular (MCP)

Movimentos dos Atingidos por Barragens (MAB)

Projeto Nova Cartografia Social da Amazônia (PNCSA)

Rede Justiça nos Trilhos – JnT Sindicato dos Trabalhadores em Educação Pública do Pará (SINTEPP)