Sie sind hier: Startseite Themen Menschenrechte | Gesellschaft Neues skandalumwittertes Justizmanöver in Pará
Artikelaktionen

Neues skandalumwittertes Justizmanöver in Pará

Brasília. Rund vier Monate nach dem brutalen Mord an den beiden Waldschützern, José Claudio Ribeiro da Silva, und seiner Ehefrau, Maria do Espírito Santo da Silva, hat der umstrittene Richter, Murilo Lemos Simão, die Polizei beauftragt, zwei Brüder des Opfers zu verhaften. Hintergrund sei, wie die Tageszeitung O Globo berichtet , ein im Jahre 2009 begangener Mord an dem Siedler Odilon Ribeiro, genannt "Pelado", den die beiden Brüder gemeinsam mit dem Ende Mai erschossenen José Cláudio Ribeiro begangen hätten. Diese Anschuldigungen beruhen aber laut einer von O Globo zitierten Erklärung der Familienangehörigen von José Cláudio Ribeiro und seinen Brüdern auf einem Justizmanöver, das einer der des Mordes an José Cláudio Ribeiro Beschuldigten, der Großfarmer José Rodrigues, nun in die Welt setze, um von seiner eigenen Mordtat abzulenken.


José Claudio Ribeiro da Silva und Maria do Espírito Santo da Silva waren Ende Mai an einer Brücke im Sammelreservat Assentamento Praialta-Piranheira im Landkreis Nova Ipixuna im Südosten des Bundesstaates Pará von angeheuerten Pistoleiros erschossen worden . Die Mörder hatten dem Opfer, Ribeiro da Silva, ein Ohr abgeschnitten – um damit die „Erfüllung des Auftrages“ zu dokumentieren. Seit 2008 hatte José Claudio Ribeiro da Silva mutmaßlich von Großgrundbesitzern und der Tropenholzmafia in der Gegend  Morddrohungen erhalten. In einem im Jahre 2010 aufgenommenen Video sagte er, er lebe wegen seines Einsatzes für den Erhalt des Waldgebietes ständig „mit einer Kugel am Kopf“. „Die gleiche Sache, die sie in Acre mit Chico Mendes gemacht haben, wollen sie mit mir tun. Die gleiche Sache, die sie mit Schwester Dorothy gemacht haben, wollen sie mit mir machen“, so José, der von seinen Freunden kurz Zé Claudio oder auch Zé Castanha genannt wurde, nach den Paranüssen (auf brasilianisch castanhas do pará), die er sammelte und von deren Verkauf er und seine Frau lebten.

Die Aufklärung der Morde an José Claudio Ribeiro da Silva und Maria do Espírito Santo da Silva hatte bereits zu einem handfesten Justizskandal im Bundesstaat Pará geführt. Der zuständige Richter – Murilo Lemos, der nun auch die Verhaftung der beiden Brüder von Ribeiro da Silva anordnete – hatte sich wiederholt geweigert, entgegen der Erkenntnisse der ermittelnden Polizeibehörden, Haftbefehle gegen die mutmaßlichen Täter auszustellen. Erst auf öffentlichen Druck und Drohung aus Brasília, den Fall den Bundesbehörden zu übergeben, war es im Septmber dann der Polizei gelungen , die mutmaßlichen Täter zu verhaften. Die brasilianische Landpastorale CPT hatte im Juli dem zuständigen Richter, Murilo Lemos Simão, Parteilichkeit vorgeworfen. Denn bereits in den zahlreichen anderen Fällen von Landkonflikten, die sich im Bundesstaat Pará in den vergangenen Jahren erreigneten (u.a. das Massaker von Eldorado dos Carajás oder dem Mord an Schwester Dorothy Stang) hatte der Richter Murilo Lemos Simão dazu beigetragen, dass die Täter straffrei davon kamen, so die Landpastorale .