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Leben und Sterben für den Regenwald

Soziale Bewegungen fordern die Aufklärung des Mordes und der Folter an brasilianischen Umweltschützer/innen Die Körper von Maria do Espírito Santo da Silva und José Claudio Ribeiro da Silva wurden gestern in Begleitung eines großen Protestmarsches von circa 5000 Menschen im brasilianischen Marabá beigesetzt. Das Paar war am Dienstag, den 24. Mai 2011 aufgrund ihres Engagements für den Waldschutz ermordet worden. Die Tat war in der Gemeinde Maçaranduba in der Nähe des Munizips Nova Ipixuna im Süden des Bundesstaates Pará geschehen.

Auf dem Weg in die Stadt war das Paar gegen 6 Uhr morgens von zwei vermummten Männern durch Schüsse getötet worden. Laut Angaben der brasilianischen Zeitung “O liberal” wurde Maria do Espírito Santo vor ihrem Tod geschlagen und gefoltert.
Die Getöteten waren Mitglieder des Nationalen Rats der sammelnden Völker (CNS), einer brasilianischen Nichtregierungsorganisation, die sich für den Walderhalt und seine nachhaltige Nutzung einsetzt. 1997 war das Paar an der
Gründung der Waldsammler-Siedlung Praialta-Piranheira beteiligt gewesen.
Bereits seit 2008 hatten Maria do Espírito Santo und José Claudio da Silva Morddrohungen erhalten, da sie gegen Holzfäller der Region mehrfach Anzeige wegen illegalem Holzeinschlag erstattet hatten. Denn trotz eines gesetzlichen Verbots, hatten die Holzfäller Nutzbäume wie den Paranussbaum gefällt, durch den die Sammler/innen auf nachhaltige Weise ihren Lebensunterhalt bestreiten.
Der Rechtsanwalt und Koordinator der katholischen Landpastorale (CPT) in Marabá, José Batista Afonso, hält es laut “O liberal” für “absurd”, dass die Autoritäten der öffentlichen Sicherheit erklären, das Paar habe keinen Schutz verlangt. “Dies war ein angekündigter Mord. Wie sie stehen die Namen von noch viel mehr Genossen auf einer Todesliste. Darauf machen wir schon seit langer Zeit aufmerksam”, so José Batista Afonso zu “O Liberal”.
Laut der Nichtregierungsorganisation CNS hatte das erschossene Paar immer wieder betont, dass sie sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft über die Morddrohungen informiert hatten und dennoch nichts zu ihrer Sichrheit unternommen worden war. Und der Fall ist kein Einzelfall: Die CPT berichtet, dass 34 Personen im Jahr 2010 in den Landkonflikten Brasiliens ermordet wurden. Diese Zahl ist 30% höher als im Jahr 2009.
Nun kommt es darauf an, den Fall strafrechtlich verfolgen zu lassen. In der Vergangenheit waren es Ausnahmen, wenn die Täter derartiger Morde in Haft genommen wurden. Dies konnte, wie in den Fällen von Chico Mendes und Dorothy Stang, nur durch großen internationalen Druck erfolgen. Ein Ende der Staflosigkeit auf dem Land ist aber nach Auffassung des CNS von zentraler Bedeutung dafür, weitere Menschenrechtsverletzungen und Morde zu verhindern.
Der Governeur des Bundesstaates Pará, Simão Jatene, hat angekündigt, den Fall von Maria do Espírito Santo da Silva und José Claudio Ribeiro da Silva untersuchen zu lassen und die Schuldigen zu bestrafen. Ob er seinen Worten Taten folgen lassen wird, wird die Zeit zeigen.

Text: Johanna Below

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