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Dorothy Stang: Letzter Verantwortlicher verurteilt – und freigelassen

Am ersten Mai hatte das Gericht einen der Auftraggeber des Mordes an der Nonne Dorothy Stang, Regivaldo Pereira Galvão (o Taradão), zu 30 Jahren Haft im geschlossenen Vollzug verurteilt.

Damit waren erstmalig alle Tatbeteiligten rechtskräftig verurteilt und im Gefängnis. Doch nur 19 Tage dauerte das Ende der Straflosigkeit im Fall Dorothy Stang. Dann entschied das Oberlandesgericht von Pará, den Auftraggeber an dem Mord vorläufig wieder freizulassen. Er sei Ersttäter gewesen, habe sich gut geführt und gute Referenzen vorzuweisen und zudem ginge er einer geregelten Arbeit nach. Die Entscheidung bestätigt einmal mehr die eklatante Schieflage der brasilianischen Justiz. Die sieben Personen, die die Entscheidung des Schöffengerichts zur Verurteilung des Mannes getroffen haben, müssen nun um ihr Leben fürchten, so Schwester Jane Dwyer aus Anapu . Das Klima der Unsicherheit sei in die Region zurückgekehrt.

Am 12. Februar hatte sich der Mord an der Nonne Dorothy Stang in Anapu zum fünften Male gejährt. Dabei hatte es in den letzten Monaten Fortschritte in den Prozessen um den Mord gegeben: Im April 2009 hatte die brasilianische Justiz einen früheren Freispruch für den anderen Auftraggeber an dem Mord, Vitalmiro Bastos de Moura (o Bida) aufgehoben, und dieser war Anfang April 2010 zu 30 Jahren im geschlossenen Vollzug verurteilt worden. Einen knappen Monat erhielt der nun Freigelassene Regivaldo Pereira Galvão das gleiche Strafmaß.

Rayfran das Neves Sales und Clodoaldo Carlos Batista, die den Mord ausgeführt hatten, sowie der Mittelsmann Amair Feijoli, waren bereits früher zu 27, 17 und 18 Jahren Haft verurteilt worden. Letztlich erfolgte die Strafverfolgung in diesem Fall nur aufgrund des jahrelangen Einsatzes sozialer Bewegungen wie CPT, Comitê Dorothy, CESE etc., sowie aufgrund der internationalen Aufmerksamkeit für den Fall. Die Verurteilungen haben für die Region ein sehr hohes politisches Gewicht, da Mörder erstmalig mit Strafverfolgung rechnen mussten – inzwischen hat die neuerliche Entscheidung dies bereits wieder relativiert.