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Die Völker des Cerrado erheben die Stimme

In und noch mehr außerhalb Brasiliens wird das zweitgrößte Ökosystem des Landes – der Cerrado – mit seiner traditionellen Bevölkerung nahezu nicht wahrgenommen.

Für die brasilianische Politik ist der Cerrado seit Jahrzehnten bevorzugtes – und nicht diskutierbares – Aufmarschgebiet der Agroindustrie. Die größten Flächen der Rinderweidewirtschaft und des Sojaanbaus befinden sich im Cerrado. Diese agrarindustrielle Expansion geschah und geschieht durch ökologische Degradierung, d.h. durch Abholzung des Cerrado und durch Okkupation der Territorien der traditionellen Bevölkerungsgruppen, d.h. de facto Vertreibung.

Auch in den offiziellen Angaben des brasilianischen Umweltministeriums wird diese Bedrohung deutlich. Nach dessen Angaben übersteigen die Abholzungen im Cerrado, mit einer durchschnittlichen Abholzungsrate von 21.260 km² jährlich, jene in Amazonien. Laut MMA sind 48,2% der ursprünglichen Vegetation verschwunden und die CO2 Emissionen aus dem Cerrado, auf Grund der Abholzungen plus der vermodernden Wurzelmasse, entsprechen jenen in Amazonien.

Die ökologischen Verluste sind groß, da der Cerrado als die artenreichste Savanne der Erde gilt, mit 10.000 Pflanzenarten (davon 45% endemisch), 6.000 Baumarten, 837 Vogelarten, 67 Säugetierarten und 120 Reptilienarten. Der WWF zählt ihn zu einem der 34 ökologischen Hotspots der Erde.

Die anhaltende Ausdehnung der Agrarindustrie zulasten der angestammten Territorien der traditionellen Bevölkerungsgruppen (Indigene, Quilombolas, Geraizeiros, Vazanteiros, Camponeses, Sammler und andere traditionellen Gruppen) ruft zunehmend deren Proteste hervor. Sie wehren sich gegen die Zerstörung ihres Ökosystems und gegen die Vertreibung von ihren Territorien.

Eine Vielzahl von Organisationen der Bevölkerung und von Nichtregierungsorganisationen haben sich im Netzwerk REDE CERRADO zusammengeschlossen, um dieser zerstörerischen Entwicklung entgegenzuwirken. Vom 9. – 13. September fand das von REDE CERRADO organisierte „6. Treffen der Völker des Cerrado“ in Brasilia statt, auf dem das folgende Schlussdokument verabschiedet wurde.

Dieses Dokument soll zur Intensivierung der Debatte in Deutschland über den Cerrado und seine vielfältigen Bevölkerungsgruppen beitragen.

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