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Verbot des Sprühens von Pestiziden aus der Luft in Ceará

Recht und Erfolg der ländlichen Bevölkerung, ein Beispiel für Brasilien!
Verbot des Sprühens von Pestiziden aus der Luft in Ceará

Foto: Caritas Brasileira

Quelle Caritas Brasileira Übersetzung: Kristina Michahelles und Christian Russau

Im gleichen Jahr, in dem in der Europäischen Union das Sprühen von Pestiziden aus der Luft verboten wurde, hat die Gemeinde Limoeiro do Norte im brasilianischen Bundesstaat Ceará dieselbe Maßnahme ergriffen. Das Gesetz vom November 2009 war das Ergebnis des Engagements der ländlichen Bevölkerung, deren Gesundheit von der Monokultur von Früchten von großen Unternehmen im Gebiet Chapada do Aodi gefährdet war.

José Maria Filho, genannt Zé Maria do Tomé, bemerkte das Problem, als seine Tochter und andere Kinder in der Gemeinde nach dem Baden einen starken Juckreiz verspürten. Dieser verschwand erst, nachdem die Kinder mit Mineralwasser gebadet hatten. José Maria Filho führte das Problem auf die Pestizidbelastung der städtischen Wasserversorgung zurück.

Dies war der Auslöser einer Reihe von Initiativen für den Schutz von Gesundheit und Umwelt. José Maria – und nicht die Unternehmen oder der Staat - ließ Wasserproben entnehmen, um den Grad der Verschmutzung festzustellen und verbreitete diesbezügliche Informationen, um die Sachlage allgemeinverständlich zu machen. Er suchte die Staatsanwaltschaft auf und setzte zusammen mit den Anwohnerinnen und Anwohnern den Stadtrat unter Druck, um die schwerwiegendste Form der Umweltverschmutzung, nämlich das Sprühen von Giften aus der Luft, zu verbieten.
Auch Universitäten wurden von der Landlosenbewegung MST, CPT und Caritas in die Aktion eingebunden. Die Untersuchungen lieferten starke Hinweise auf Wasser- und Luftverschmutzung, auf akute Vergiftungen, erhöhte Krebssterblichkeitsraten und Missbildungen sowie andere chronische Wirkungen von Pestiziden.

Untersuchungen des Wasserzulieferers COGERH aus dem Jahr 2009 deuteten auf eine hohe Verschmutzung des Grundwasserspeichers Jandaíra-Aquifers durch Pestizide und aus der Luft verwendeten Fungizide hin. Auch die von der UFC durchgeführten Untersuchungen ergaben eine 100%ige Verschmutzung der für die Gemeinde bestimmten Gewässer.

Zé Maria do Tomé wurde fünf Monate nach Verabschiedung des städtischen Gesetzes über das Verbot der Pestizidbesprühung aus der Luft von Unbekannten am 21. April 2010 in Limoeiro do Norte durch 25 Schüsse brutal ermordet. Das Gesetz Nr. 16.820 vom 20. Januar 2019, das nun das Sprühen aus der Luft in ganz Ceará verbietet, trägt nun den Namen des Umweltaktivisten Zé Maria do Tomé.

Die Brutalität und die Ungerechtigkeit dieses Todes führten auch zur Gründung der sogenannten „Bewegung 21“. Ihr Ziel es ist, an den Aktivisten Zé Maria do Tomé und sein Engagement zu erinnern, das bislang unbestrafte Verbrechens in Ceará und Brasilien publik zu machen sowie die Beschwerden der Bewohnerinnen und Bewohner der Gegend Chapada do Apodí über das wahre Gesicht dieses Entwicklungsmodells der Agrarindustrie in ganz Lateinamerika bekannt zu machen: Trauer, Schmerz, Leiden, Krankheit, gefährdete Gesundheit und Entbehrungen.

Das Camp Zé Maria do Tomé versucht, seit dessen Besetzung am 5. Mai 2014, diesem Modell Widerstand zu leisten und in der Gegend der Chapada Lebensmittel ohne Verwendung von Giftstoffen zu produzieren, trotz mehreren Räumungsversuchen seitens der Justiz. Auf diese Weise wird der von Zé Maria initiierte Kampf fortgesetzt und die Forderung nach dem Gesetz verstärkt.

Das Gesetz, welches im Bundesstaat Ceará die Verwendung von aus der Luft versprühten Pestiziden verbietet, hat ihren Ursprung in Leid und Tod und nährt sich von der Einsatzbereitschaft der Bevölkerung. Wir geben nicht auf! Es geht um unser Recht auf Leben, Gesundheit und Umwelt. Dies ist mehr wert als die paar schlecht bezahlten und ungesunden Arbeitsstellen, die das Agrobusiness anbietet.

Wir gratulieren dem Gouverneur Camilo Santana (PT) zur Verabschiedung und Inkraftsetzung des Gesetzes. Als erfahrener Landwirt, der mit der bäuerlichen Familienlandwirtschaft vertraut ist, kennt er die Ursachen der Plagen in der Monokultur von Früchten und weiß, dass es andere Formen gesunder Nahrungsmittelproduktion gibt.

Wir gratulieren und danken dem Staatsvertreter Renato Roseno (PSOL) und allen Mitarbeitern des Parlaments für ihr ethisches Engagement für das Leben vor Ort, sowie für den kompetenten Einsatz dieses Gesetzes in fünf Ausschüssen und im Plenum des Landestages Ceará.

Dass diese Initiative in Ceará eine Inspiration und ein Beispiel für andere brasilianische Bundesstaaten sei!

„Kamarad Zé Maria, hier sind wir
Und sprechen für dich, da sie dich stumm gemacht haben“
Kampf und Widerstand für die Chapada do Apodí!
Alle halten zusammen!


Limoeiro do Norte, 15. Januar 2019
Organizações articuladas ao Movimento 21 _ Cáritas Dioceana, Núcleo TRAMAS/UFC, CSP_Conlutas, FAFIDAM, MST, Lecampo/UECE/MAIE, STTR Apodí/RN, Resistência na Educação, CPT, RENAP, EFA Jaguaribana, NATERRA/UECE, OPA.