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Untersuchung zum Sojaanbau 2009/10

Das Centro de Monitoramento de Agrocombustíveis der NGO Reporter Brasil hat kürzlich die aktuelle Situation im Sojasektor untersucht . Trotz des Sojamoratoriums hat sich der Anbau der Pflanze wieder auf neu entwaldete Gebiete ausgedehnt. Das Sojamoratorium existiert seit Oktober 2006 und wurde im Juli erneut verlängert. Mit dem Moratorium verpflichten sich Abnehmerunternehmen, Soja von nach Juli 2006 neu entwaldeten Feldern nicht zu kaufen. Da Soja nicht unmittelbar nach der Abholzung von Regenwald auf die Flächen ausgebracht wird, sondern die Böden zunächst durch andere Kulturen vorbereitet werden, kann das Moratorium erst seit dem vergangenen Jahr überhaupt missachtet werden. Kontrollen ergaben denn auch eine steigende Tendenz der Missachtung: 2009 stammte Soja in 12 Fällen, dieses Jahr sogar in 75 Fällen von nach Juli 2006 abgeholzten Feldern.


In Bezug auf Agrokraftstoffe hat die Logik des Moratoriums zudem eine Lücke: Das Moratorium bezieht sich lediglich auf die Abnehmer in der Nahrungsmittelindustrie, nicht aber diejenigen der Agrotreibstoffindustrie. Und so nimmt es nicht Wunder, dass der Einsatz von Soja für Agroenergiezwecke seit 2008 von 5,8% der Gesamternte auf in diesem Jahr voraussichtlich 12,3% gestiegen ist. Damit ist fraglich, inwieweit das Moratorium tatsächlich neue Abholzungen für die Anlage von Sojafeldern verhindern konnte.
Eine weitere Beobachtung der Untersuchung bezieht sich auf Wildwuchs bei den Vorgaben des “Selo Social”. Die Verarbeitungsbetriebe für Agrotreibstoffe sind darauf angewiesen, ein Minimum an Rohstoffen aus der Familienlandwirtschaft zu beziehen, um das Sozialsiegel zu bekommen. In Mato Grosso wurden mehrere Fälle beobachtet, in denen die Verarbeitungsunternehmen darauf hinwirkten, dass assentamentos Sojaanbau betreiben, damit die Betriebe die Mindestquote erfüllen. Der Sojaanbau durch die assentamentos wird vom INCRA als kritisch eingestuft, da er der Diversifizierung des Nahrungsmittelangebotes entgegen steht.

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