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Glyphosat-Verbot wieder richterlich gekippt

Das Glyphosat-Verbot in Brasilien hatte, wie von Kritiker*innen befürchtet, nur einen Monat Bestand.
Glyphosat-Verbot wieder richterlich gekippt

Soja (hier: unbespritzt). Foto: christianrussau

Anfang August hatte die Bundesrichterin Luciana Raquel Tolentino de Moura in einem auch international Aufsehen erregenden Urteil entschieden: "Glyphosat ist eines der Hauptherbizide, das auf brasilianischen Sojaplantagen verwendet wird. Die Weltgesundheitsorganisation WHO wie auch der brasilianische Verband für Volksgesundheit haben diesen Wirkstoff als wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen eingestuft". Das Urteil setzte die Registrierung neuer Glyphosat-Produkte vorerst aus, bis die brasilianische Zulassungsbehörde Anvisa eine neue Entscheidung treffe, auf gegegebenfalls neuen Erkenntnissen.
Dazu brauchte es in Brasilien aber gar nicht mehr zu kommen. Am 23. August erklärte Brasiliens Agrarminister, Blairo Maggi, via twitter, dass der Gerichtsentscheid zum Bann von Glyphosat aufgehoben wurde. Maggi ist nicht nur Landwirtschaftsminister, sondern einer der weltweit größten Sojaproduzenten und vertreibt selbst Agrarspritzmittel. Erst nach Maggis Bekanntgabe via twitter wurde auch das Gerichtsurteil publik. In Reaktion auf Maggis tweet erklärte Bayer-Chef Werner Baumann am gleichen Tag im Handelsblatt-Interview: "Wir begrüßen es sehr, dass sich die brasilianische Regierung dafür einsetzt, die vom Gericht veranlasste einstweilige Verfügung aufzuheben."
Bayer hat Monsanto gekauft und ist somit der weltweit größte Produzent von Glyphosat. Über die besondere Beachtung, die Brasiliens Politik bei Konzernen findet, berichtete KoBra bereits: Seit August 2016 (der Vollendung des brasilianischen Parlamentsputsches) haben sich Mitarbeiter*innen von Monsanto neun Mal und Mitarbeiter*innen von Bayer insgesamt sechs Mal mit Vertreter*innen des konservativen Landwirtschaftsministeriums in Brasília zu offiziellen Lobbygesprächen getroffen. Dies geht aus den Daten des brasilianischen Transparenzregisters hervor. So geht Lobby.

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