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Genmais breitet sich in Südbrasilien aus

Seit 1997 wurde Gensoja über die argentinische Grenze nach Südbrasilien geschmuggelt. Nachdem der jahrelange Schmuggel "vollendete Tatsachen" geschaffen hatte, gab Präsident Lula die Gensoja ab 2003 Schritt für Schritt weiter frei - bis sie ab November 2005 vollständig legalisiert war. Die Geschichte scheint sich nun zu wiederholen.

Inzwischen ist in Südbrasilien Genmais erhältllich - geschmuggelt aus Argentinien. Genmais ist zumindest noch so lange illegal in Brasilien, wie die neu zusammen gesetzte CTNBio ihn nicht zur Aussaat und Vermarktung freigibt. Derzeit liegen ihr fünf Anträge auf Zulassung von Forschung und/oder Herstellung von Genmais vor - zwei von Monsanto, zwei von Syngenta und eine vom Bayer- Konzern.

Die Geschichte der Gensoja hat viele gelehrt, dass solche Verbote in Brasilien nichts gelten. Nach mehreren Hinweisen beauftragte der PT-Abgeordnete von Rio Grande do Sul, Frei Sergio Görgen, im November 2005 einen Landwirt damit, Genmais für ihn zu erwerben, um den Handel hiermit in Südbrasilien nachzuweisen. Der Landwirt bekam das Saatgut ohne Probleme. Unverhohlen verkaufte der Händler ihm den Genmais und erzählte ihm außerdem, dass die Saat aus Argentinien stamme. Die Untersuchung des Maises ergab eine Kontamination von 27,5 % mit Roundup-resistentem GA21-Mais vom Hersteller Monsanto. Frei Sergio Görgen meldete den Fall der Staatsanwaltschaft. Anfang Dezember nahm das Ministerium für Landwirtschaft und Viehzucht von Rio Grande do Sul 43 Proben auf verschiedenen Feldern, deren Analyseergebnisse Anfang Januar 2006 eine Kontamination mit Genmais nachwiesen. Entgegen ursprünglichen Beteuerungen, die Verantwortlichen sofort zu bestrafen, sind bislang jedoch lediglich Aufklärungstreffen mit Produzenten, Händlern und Industrie vorgesehen. Bevor es nicht seine Finanzmittel vom brasilianischen Haushalt erhalten habe, wolle das Landwirtschaftsministerium von Rio Grande do Sul von weiteren Schritten absehen.

Das Risiko einer Ausbreitung von Genmais ist wesentlich höher als das von Gensoja, denn anders als bei Soja ist bei Mais eine Befruchtung über Kilometer hinweg möglich. Der gesamte Mais einer Region kann auf diese Weise in relativ kurzer Zeit kontaminiert werden. Wenn dies einmal der Fall ist, droht vor allem den Geflügel- und Schweinezüchtern der Region Gefahr, die ihre Tiere dann nicht mehr gentechnikfrei ernähren können. Europäische Märke würden wahrscheinlich wegbrechen. Und nicht nur dies: Im Mai 2004 hatte Monsanto erfolgreich durchgesetzt, dass ein kanadischer Bauer Patentgebühren auf Gen- Raps zahlen musste, der aller Wahrscheinlichkeit nach durch Einkreuzungen von benachbarten Gen-Feldern oder durch Verschleppungen auf seine Felder gelangte. Patentgebühren für etwas, das man nie haben wollte? Auch für die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Südbrasilien könnte dies wahr werden, denn Mais spielt hier eine wichtige Rolle als Input und bei der Ernährung. So gesehen ist der illegale Genmais eine Gefahr für die gesamte kleinbäuerliche Landwirtschaft in Südbrasilien, die sich die Patentgebühren häufig nicht leisten kann.

"Die Regierung ist verantwortlich dafür, dass Genmais ins Land kommt", so Frei Sergio Görgen, "sie hat keinerlei Haltung dazu angenommen, die verhindert hätte, dass geschmuggelte Soja ins Land kam, und damit den transnationalen Interessen einen Dienst erwiesen". Der Schmuggel von Gensoja hat Monsanto großen Nutzen gebracht. Ebenso dürfte Monsanto nun selbst das größte Interesse daran haben, dass Genmais nach Brasilien gelangt. Doch selbstverständlich weiß das Unternehmen nichts über die Herkunft des Genmaises in Brasilien, und verurteilt offiziell jeden Handel und Anbau illegalen Saatgutes, sei die Saat nun konventionell oder gentechnisch verändert.

 

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