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Indigene sind besonders von Corona betroffen

Indigene Völker in Brasilien sind seit der Kolonialisierung bedroht – nicht nur durch physische Gewalt und Zwangsarbeit sondern auch durch eingeschleppte Krankheiten, welche schon ganze Ethnien vernichtet haben. Auch vom Coronavirus sind sie besonders gefährdet, da sie nicht die Möglichkeit haben, sich ausreichend zu isolieren. Da die Regierung nicht handelt, treffen indigene Gemeinschaften selbst Maßnahmen, können diese aber oft nur begrenzt einhalten.
Indigene sind besonders von Corona betroffen

Die Munduruku

In Dourados, Mato Grosso do Sul, werden die Guarani Kaiowa seit Jahrzehnten von ihren Territorien verdrängt. Mittlerweile leben 18.000 Guarani Kaiowa und Terena auf engem Raum in einem Reservat. Sie haben zu wenig Land, um sich selbst zu versorgen und ihre Kultur zu reproduzieren. Dadurch sind sie seit langem auf staatliche Hilfe angewiesen, um sich ernähren zu können. Sie haben teilweise kein fließendes Wasser zur Verfügung und müssen mehrere Stunden gehen, um Wasser zu holen. Von der Corona-Pandemie sind die Indigenen nicht nur durch Wasser- und Lebensmittelknappheit bedroht, auch die Gesundheitsversorgung ist im Reservat nicht ausreichend – es gibt gerade mal 35 Intensivbetten im UTI (Unidade de Terapia Intensiva). Die Krankenpflegerin Indianara spricht gegenüber des CIMI (Indigenenmissionsrat) die Forderung aus, dass Indigene vom Staat zur Risikogruppe erklärt werden sollten, denn dann müsste die Stadt einen Plan einleiten, der über die Krankheit aufklärt und die medizinische Versorgung garantiert. Man benötige ein provisorisches Krankenhaus-Camp, damit die Menschen behandelt werden können, denn die öffentlichen Krankenhäuser würden überlastet und die privaten Kliniken behandeln nur gegen eine Bezahlung, die aus dem Reservat niemand leisten kann.

In vielen Regionen Brasiliens haben Indigene Gemeinschaften beschlossen, den Zugang zu ihren Territorien für nicht der Gemeinschaft angehörige Menschen zu verweigern, um die Ansteckungsgefahr zu mildern. Probleme bereiten hier besonders illegale Invasoren, wie zum Beispiel Goldsucher und Holzfäller.

In Bahia haben sich die Tupinambá in Quarantäne begeben und Barrieren errichtet, um den Zugang zum Territorium zu koordinieren. Daraufhin hat eine Gruppe von Bolsonaristas (sechs Polizisten, drei Zivilisten und drei Militärs) die Barriere abgerissen und mit einem Maschinengewehr geschossen, um die Indigenen einzuschüchtern. Der Cacique der Tupinambá spricht von rassistischen, anti-indigenen Motiven. Die Stadt, aus der sie gekommen waren, war die einzige der Region, welche Jair Bolsonaro als Präsident gewählt hatte und Menschen, die an der Barriere vorbei wollen, beziehen sich auf die Falschaussagen Bolsonaros zum Coronavirus, berichtet Midia Ninja.

Auch die Munduruku Wakoborun im Bundesstaat Pará haben beschlossen, niemanden mehr in ihre Dörfer zu lassen. Der Frauenverein Munduruku Wakoborun gab dies in einer Pressemitteilung bekannt (Original unten):

 

„PRESSEMITTEILUNG - DRINGEND

THEMA: ANNULLIERUNG DER AKTIVITÄTEN DER VEREINIGUNG, IN ÜBEREINSTIMMUNG MIT DEM VERBOT DER EINREISE ANDERER PERSONEN ALS MUNDURUKU IN UNSERE DÖRFER.

Wir, der Munduruku Wakoborun Frauenverein, teilen unseren Mitgliedern, dem gesamten Volk der Munduruku, den Behörden und Partnern mit, dass wir unsere Aktivitäten einschränken und keinen Partner in einem indigenen Gebiet auf unbestimmte Zeit zulassen. Wegen der globalen Pandemie COVID 19 stimmen wir mit verschiedenen Organisationen, Bewegungen und Verbänden in Brasilien überein, unter anderem auch mit den Positionierungen der COIAB und APIB.

So wie wir keine Unterstützer, keine Besucher in unserer Gegend zulassen, wiederholen wir, das wir Angst um die Verbreitung durch weiße Minenarbeitern haben, die mögliche Überträger dieses Virus auf unser Volk sind. Dies ist eine Bitte von Frauen, die Angst um ihre Kinder haben, um die von außen eingeschleppten Krankheiten, die uns seit jeher das Leben kosten.

Wir werden unsere für April geplante Aktivität durchführen: Posug muge ap - Workshop für traditionelle Medizin und Herstellung von Salben. Der Workshop ist nur für unsere Gruppe von Munduruku-Mitgliedern und Verwandten mit begrenzter Teilnehmerzahl vorgesehen. Wir werden weitermachen, denn durch die Orientierung unserer Schamanen und Kuratoren glauben wir, dass wir in dieser Zeit der Weltkrise wegen des Coronavirus über unsere Gesundheit nachdenken müssen, darüber, was auf der ganzen Welt geschieht und was wir für die Zukunft hinterlassen werden.

Jacareacanga, 17. März 2020

Alle Frauen im Vorstand der Wakoborun-Vereinigung unterzeichnen“

 

Die Situation für indigene Völker und Gemeinschaften ist katastrophal. Mit staatlichen Schutzmaßnahmen können die Indigenen in der aktuellen Situation nicht rechnen, im Gegenteil – die anti-Indigenen Politik Jair Bolsonaros macht keinen Halt an der Corona Krise. Anhänger des Präsidenten dringen weiterhin in indigene Territorien ein und bedrohen die Gemeinschaften, mittlerweile nicht nur durch Gewalt, sondern zusätzlich durch einen tödlichen Virus.

Am Dienstag ist Bolsonaro erstmals auf die tagelangen Proteste, der „Panelaços“ eingegangen und hat die Pandemie als „größte Herausforderung unserer Generation“ anerkannt. Es bleibt zu hoffen, dass diese Einsicht nicht nur Brasiliens Elite zugute kommt.

Die APIB (Articulacao dos Povos Indigenas do Brasil/ Dachorganisation der Indigenen in Brasilien) positioniert sich:

„Der Coronavirus ist eine weitere Bedrohung, welche durch die kapitalistische Akkumulation entstand, ihren Ursprung in der Politik und Wirtschaft hat und nun zur Krise der öffentlichen Gesundheit wird. Wir bezahlen nicht für diese Probleme von Außen. Der Staat muss Maßnahmen ergreifen, um die Schuld uns Völkern und Gemeinschaften gegenüber, welche bis heute besteht, zu mindern.“

 

Quellen:

https://midianinja.org/news/bolsonaristas-tentam-quebrar-quarentena-de-indigenas-tupinamba-com-tiros-na-bahia/

http://apib.info/2020/03/20/governo-deve-apresentar-plano-de-prevencao-e-atendimento-para-evitar-riscos-de-contaminacao-de-coronavirus-nos-territorios-indigenas/

https://cimi.org.br/2020/04/coronavirus-coloca-povo-guarani-kaiowa-em-alerta-na-reserva-mais-populosa-do-pais/

 

Original Pressemitteilung derMundurukuWakoburun:

Associação das Mulheres Munduruku Wakoborun, CNPJ: 30.024.387/0001-87, endereço: Rua Bernardo da Silva N° 11 Centro, Jacareacanga - Pará

 

COMUNICADO - URGENTE

ASSUNTO: CANCELAMENTO DE ATIVIDADES DA ASSOCIAÇÃO, EM CONFORMIDADE A PROIBIÇÃO DA ENTRADA DE QUALQUER INDIVÍDUO QUE NÃO SEJA MUNDURUKU EM NOSSAS ALDEIAS.

 

Nós, da Associação das Mulheres Munduruku Wakoborun comunicamos as nossas associadas, a todo o povo Munduruku, autoridades e parceiros que estamos limitando nossas atividades, não permitindo nenhum parceiro em área indígena por tempo indeterminado. Estamos em conformidade com diversas organizações, movimentos e associações no Brasil, seguindo também a posição da COIAB e APIB, por conta da pandemia mundial de COVID 19.

Assim como não permitimos nenhum apoiador, visitante em nossa área, reiteramos o medo pela circulação de garimpeiros pariwat que são possíveis transmissores desse vírus para nosso povo, esse é um pedido das mulheres que tem medo por seus filhos, pelas doenças trazidas de fora que sempre nos tiraram a vida.

Continuaremos nossa atividade prevista para abril: Posug muge ap – Oficina de medicina tradicional e produção de pomadas. A oficina será apenas para nosso grupo de associadas e parentes Munduruku com número limitado de participantes. Continuaremos, pois por orientação dos nossas e nossos pajés e curadores, acreditamos que nesse momento de crise mundial por conta do coronavírus, precisamos pensar sobre nossa saúde, sobre o que está acontecendo no mundo todo e o que vamos deixar para o futuro.

 

Jacareacanga, 17 de março de 2020

Assinam todas as mulheres da diretoria da associação Wakoborun