2026: Wahljahr in Brasilien: Die Ausgangssituation zu Beginn des Jahres 2026
Die Listen mit den Kandidat*innen für das Präsidentenamt, die 27 Gouverneursposten, die Abgeordnetenhäuser auf Bundes- und Landesebene sowie für einen Teil der Senator:innen müssen erst im August endgültig feststehen. Bis dahin ist Zeit, Absprachen zu treffen und gemeinsame Listen auszuhandeln.[1]
Lulas Wiederwahl: Chancen und Herausforderungen
Lula, derzeitiger Präsident Brasiliens und Mitglied der PT (Arbeiterpartei), wird aller Wahrscheinlichkeit nach zur Wiederwahl antreten. Im Wahljahr feiert er seinen 80. Geburtstag, was – ähnlich wie bei Joe Biden – Fragen nach seiner körperlichen und geistigen Fitness für weitere vier Jahre im Amt aufwirft. Lula verweist deshalb gerne auf seinen guten Gesundheitszustand, nimmt an einem vom Bildungsministerium organisierten 7‑km‑Lauf teil oder lässt sich beim Pilates-Training fotografieren.
Im Falle einer Wiederwahl könnte Lula auf insgesamt 16 Jahre im Präsidentenamt zurückblicken. Das weckt Assoziationen zu den langen Amtszeiten von Angela Merkel oder Helmut Kohl: Jüngere Wähler*innen könnten sich von einer so langen Amtszeit und einer älteren Führungsgeneration eher abwenden, sei es, weil sie sich von jüngeren Personen besser repräsentiert fühlen oder weil sie einen personellen Wechsel an der Staatsspitze wünschen. Zugleich muss sich Lula vorhalten lassen, keine glaubwürdigen Nachfolger*innen aufgebaut zu haben.
Sein Wahlprogramm für die kommende Legislaturperiode setzt vor allem auf Modernisierung und Entwicklung: wirtschaftliche Erholung, Stärkung der Industrie, Vertiefung demokratischer Strukturen und Organisationen, mehr soziale Gerechtigkeit, Umverteilung, Bekämpfung des Hungers sowie nationale Souveränität durch Förderung des Multilateralismus. Alles Themen, die bereits in der aktuellen Amtszeit bearbeitet wurden.
Ein zentrales Thema für das Regierungslager ist die wachsende Bedeutung „digitaler Influencer“, die aus Lulas Sicht zu einer Verrohung der öffentlichen Debatte beitragen. Bei seiner Rede zum 45‑jährigen Bestehen der PT in Salvador da Bahia sprach Lula von einem „Krieg“ gegen digitale Medienunternehmen und bezeichnete das virtuelle Umfeld als politisches Schlachtfeld – Formulierungen, die ihm viel Kritik einbrachten, weil sie als Relativierung des demokratischen Wettbewerbs verstanden werden können.
Nicht nur in Brasilien nutzen weit rechtsstehende Parteien und vor allem ihre Anhänger soziale Netzwerke, um politische Gegner zu diskreditieren und gezielt mit Falschinformationen zu arbeiten. Persönliche Angriffe sind dabei gängige Praxis. Für diese Akteure sind soziale Medien weniger ein Ort argumentativer Auseinandersetzung als vielmehr Schauplatz eines Kulturkampfs. In Anlehnung an Donald Trump geht es ihnen um die Delegitimierung demokratischer Institutionen, die sie nicht mehr für reformierbar halten, und danach um eine Neuorganisation des Staates auf hierarchischer Grundlage. Entsprechend ist auch in Brasilien mit einem schmutzigen Wahlkampf zu rechnen, in dem Desinformation eine zentrale Rolle spielen wird.
Die Bolsonaro-Dynastie: Machtkampf hinter Gittern
Lulas Kontrahent von 2022, Jair Bolsonaro, kommt 2026 als Gegenkandidat nicht infrage. Das Oberste Wahlgericht hat ihm das passive Wahlrecht bis 2030 aberkannt, außerdem wurde er wegen eines versuchten Staatsstreichs zu 27 Jahren Haft verurteilt und sitzt in einem Gefängnis in Brasília.
Diese Urteile haben seiner Popularität jedoch kaum geschadet. Sein Wählerpotenzial wird weiterhin auf etwa 30 bis 35 Prozent geschätzt – ein klares Signal an alle Kandidat*innen aus dem konservativen und rechtsnationalen Spektrum, dass sie ohne die Unterstützung des charismatischen Ex-Präsidenten nur geringe Chancen gegen Lula haben. Diese Machtbasis in einem erheblichen Teil der Wählerschaft nutzt der Bolsonaro‑Clan strategisch.
Der Clan – bestehend aus den vier Söhnen und seiner Ehefrau Michelle – machte früh deutlich, dass Jair Bolsonaro nur dann eine Präsidentschaftskandidatur unterstützen werde, wenn ein Familienmitglied an prominenter Stelle im Wahlkampf platziert wird, sei es als Präsidentschafts- oder als Vizepräsidentschaftskandidat*in.
Flavios Überraschungscoup
Ende 2025 beendete der älteste Sohn, Flavio Bolsonaro, überraschend die Spekulationen über den konservativen Gegenkandidaten zu Lula. Er erklärte sich selbst zum Präsidentschaftskandidaten – offenbar mit Rückendeckung seines Vaters, jedoch ohne vorherige Absprachen mit seiner Partei PL oder möglichen Bündnispartnern.
Es wurde bereits darüber gewitzelt, dass das zentrale Wahlkampfbüro der PL in den Hochsicherheitstrakt des Staatsgefängnisses von Brasília verlegt worden sei. Schließlich wurde bekannt, dass der Ex‑Präsident im Gefängnis Kandidat*innenlisten für alle Wahlämter auf Bundes- und Länderebene erstellte – ohne dies im Vorfeld mit der Parteispitze abzusprechen.
Aus Sicht des Clans ist die überraschende Kandidatur durchaus sinnvoll – unabhängig davon, ob Flávio die Wahl gewinnt oder nicht. Hätte ein anderer Kandidat diese Rolle übernommen, wäre die Gefahr groß gewesen, dass die Bolsonaros in der politischen Versenkung verschwinden. Mit der Kandidatur macht der Clan deutlich, dass er weiterhin eine wichtige Rolle in der Führung des rechtskonservativen Lagers in Brasilien beansprucht.
Das bisher bekannte Programm von Flávio Bolsonaro ist überschaubar. An erster Stelle steht die Begnadigung und Freilassung seines inhaftierten Vaters, den er zum Kanzleramtsminister ernennen will. Seinen Bruder Eduardo möchte er zum Außenminister machen, wohl auch, weil dieser über gute Beziehungen zur Regierung Trump verfügt – auch wenn diese Kontakte in jüngerer Vergangenheit nicht sehr belastbar waren. Eduardo Bolsonaro setzte alles daran, US‑Zölle und Sanktionen gegen Brasilien mit dem Urteil gegen seinen Vater zu verknüpfen. Am Ende blieb dieser Versuch erfolglos; Präsident Trump verhandelte letztlich doch lieber mit der gewählten brasilianischen Regierung, sprich: mit Präsident Lula. Seitdem sieht sich Eduardo dem Vorwurf des Landesverrats ausgesetzt. Lula konnte aus dieser Konstellation Kapital schlagen und nutzte die Chance, sich als Bewahrer der nationalen Souveränität Brasiliens zu präsentieren.
Darüber hinaus besteht das Wahlprogramm Flávio Bolsonaros im Wesentlichen aus der Ankündigung, seine Regierung werde grundsätzlich das Gegenteil von dem tun, was Lula umsetzt.
Das Aus der Präsidentschaftsträume von Tarcísio de Freitas
Die Verkündung der Kandidatur durch Flávio Bolsonaro hat die Präsidentschaftsträume des Gouverneurs von São Paulo, Tarcísio de Freitas, vorerst beendet. Vor allem neoliberale Kräfte hätten Tarcísio de Freitas gerne als Herausforderer Lulas gesehen. Als Minister für Infrastruktur im Kabinett Jair Bolsonaros und als Gouverneur von São Paulo profilierte er sich vor allem durch eine konsequente Privatisierungspolitik.
Als ausgewiesener Neoliberaler gilt er als „Kandidat der Faria Lima“. Dort wird er als gemäßigter Konservativer wahrgenommen, der sich deutlich pragmatischer und weniger polemisch äußert als die Bolsonaros. Faria Lima ist eine große Geschäftsstraße in São Paulo, in der viele Banken und Investmentfonds ihren Sitz haben und die daher häufig als Synonym für den einflussreichen Finanzsektor dient.
Tarcísio verhielt sich stets loyal gegenüber seinem ehemaligen Chef, besuchte ihn im Gefängnis und versprach, die Begnadigung Jair Bolsonaros werde seine erste Amtshandlung sein, sollte er in den Präsidentenpalast einziehen. Um dem Anspruch gerecht zu werden, dass jemand aus dem Clan in der ersten Reihe einer zukünftigen Regierung stehen müsse, wurde erwogen, Michelle Bolsonaro als Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin zu nominieren.
Nach Flávios Ankündigung erklärte Tarcísio, er werde sich um eine zweite Amtszeit als Gouverneur von São Paulo bewerben. Ob dies das letzte Wort in dieser Angelegenheit ist, bleibt abzuwarten.
Der Centrão: „Follow the Money“
Weitere im Parlament vertretene Parteien mit Ambitionen im Wahlkampf sind die Parteien des sogenannten Centrão. Diese Bezeichnung darf jedoch nicht als Hinweis auf ein politisches Zentrum missverstanden werden. Der Begriff stammt aus der Zeit der verfassungsgebenden Versammlung von 1988. Kurz nach dem Ende der Militärdiktatur erschien es den konservativen Kräften nicht ratsam, offen als rechte, dem Militär Marri Im Verlauf des Prozesses setzte sich daher für diese konservativen Gruppen der Name Centrão durch.
Die Parteien des Centrão werden häufig mit dem Begriff „fisiologismo“ charakterisiert. Dieser bezeichnet in der brasilianischen Politik den Austausch von politischer Unterstützung gegen meist persönliche Gefälligkeiten. Geldzuweisungen aus den Emendas Parlamentares[2], hoch bezahlte Posten in Staatsunternehmen oder in der Verwaltung sind dabei typische Vorteile, die gegen ein positives Abstimmungsverhalten zugunsten der Regierung eingetauscht werden. Private Interessen haben Vorrang vor dem Gemeinwohl. Polemisch könnte man sagen, dass die Mitglieder der Parteien des Centrão ein Motto einigt: „Follow the Money.“[3].
Bei den diesjährigen Wahlen versuchen diese Parteien, den Begriff des Zentrums kommunikativ für sich zu nutzen. Sie zeichnen das Narrativ einer tief gespaltenen brasilianischen Gesellschaft: Die PT wird als extreme Linke bezeichnet, die Bolsonaro‑Partei als extreme Rechte. So können sich diese Parteien den Wähler*innen als politische Mitte oder als „dritter Weg“ präsentieren. Man kann jedoch mit Fug und Recht behaupten, dass diese Parteien politisch alles andere als eine echte Mitte repräsentieren.
Die Bedeutung von Abgeordnetenhaus und Senat
Von großer Bedeutung bei dieser Wahl ist nicht nur das Präsidentenamt, sondern auch die künftige Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses und eines Teils des Senats. Lula bezeichnete dieses Abgeordnetenhaus bereits als das schlechteste in der brasilianischen Geschichte.
Mit der Wahl Bolsonaros und den emotional aufgeladenen Wahlkämpfen von 2018 und 2022 zogen zahlreiche Abgeordnete äußerst rechtsstehender Parteien in beide Kammern ein. Diese betrieben in der zurückliegenden Legislaturperiode eine aggressive Frontalopposition und konnten mit Unterstützung der Parteien des Centrão viele Abstimmungen für sich entscheiden. Wie in den sozialen Medien lässt sich auch im Parlament und im Senat eine Verrohung der Debatten feststellen: Persönliche Verunglimpfungen und Beleidigungen gehören mittlerweile zum politischen Alltag.
Eine breitere Basis zur Unterstützung der Regierungsvorhaben in beiden Häusern ist daher eines der erklärten Ziele der Regierung. Die PT arbeitet bereits mit dem provokanten Slogan: „CÂMARA E CONGRESSO, INIMIGOS DO POVO!!“ (Abgeordnetenhaus und Kongress, Feinde des Volkes!).
Gilberto Kassab: Der Strippenzieher
Eine weitere wichtige Figur in der Parteienlandschaft ist Gilberto Kassab mit seiner dem Centrão zugerechneten Partei PSD (Partido Social Democrático). Die Partei wurde von ihm gegründet und er ist ihr Vorsitzender. Kassab verkörpert vieles, was die brasilianische Politik an Amoralität zu bieten hat, betreibt dabei aber eine sehr erfolgreiche Machtpolitik für seine Partei. Er selbst bezeichnet die Ausrichtung seiner Partei mit der Formel: „Weder links, noch rechts, noch in der Mitte“. Die Partei wächst beständig und nimmt jeden auf – egal aus welcher Partei er kommt.
Bei den Kommunalwahlen 2024 gelang es der PSD, in rund 1.000 Städten das Bürgermeisteramt zu gewinnen – eine Vervierfachung seit ihrer Gründung. Mit inzwischen sechs Gouverneuren und den genannten 1.000 Bürgermeistern kann die Partei jederzeit in allen Bundesstaaten groß angelegte Wahlkampfauftritte organisieren. Für jede Präsidentschaftskandidatur ist das eine attraktive Basis.
In den ersten Wochen des Jahres wechselten vier Gouverneure in die PSD, darunter drei, die nach ihrer zweiten Amtszeit nicht erneut für das Gouverneursamt kandidieren können. Diese Gouverneure sind in ihren Heimatstaaten sehr beliebt und verfügen daher über ein beträchtliches Wähler*innenpotenzial; drei von ihnen haben angekündigt, selbst für das Präsidentenamt kandidieren zu wollen.
Kassabs Partei ist gleichzeitig Teil der Regierung – sie stellt drei Minister – und der Opposition. Sein propagierter „dritter Weg“ besteht nicht nur aus Bolsonaro‑Anhänger*innen, die mit Flávios Kandidatur unzufrieden sind, sondern auch aus Gouverneuren und einflussreichen Politiker*innen, die die Regierung und Lulas Kandidatur unterstützen.
Kassab hat bereits erklärt, dass seine Partei die Kandidatur Flávio Bolsonaros unterstützen werde. Es wäre jedoch nicht überraschend, wenn die PSD ihre Position kurzfristig änderte. Sollte Lula in den Umfragen vor seinem Konkurrenten liegen und die PT der PSD attraktive, finanziell gut ausgestattete Ministerien in einer neuen Regierung anbieten, könnte das ein Grund sein, „die Pferde zu wechseln“.
Erste Risse in der PL
Mit seiner nicht abgestimmten Kandidatur überraschte Flávio Bolsonaro nicht nur die politische Klasse, sondern auch die eigene Partei. Erste Risse in der PL werden sichtbar. Seit den Wahlen von 2022 verfügt die Partei mit 99 Bundesabgeordneten über die größte Fraktion im Parlament. Seit Beginn der Legislaturperiode haben jedoch bereits 16 Abgeordnete die Partei verlassen.
Michelle Bolsonaro, die ursprünglich selbst Vizepräsidentin werden wollte, scheint frustriert und kündigte öffentlich an, die Kandidatur Flávios nicht unterstützen zu wollen. Sie ist nicht nur eine zentrale Galionsfigur für evangelikale Wähler*innen, sondern auch Vorsitzende der parteiinternen Gruppe „PL Mulher“ (Frauen in der PL). Parteichef Valdemar Costa Neto, der Michelles Anliegen bislang stets unterstützt hatte, sah sich bereits dem Vorwurf ausgesetzt, die Kandidatur Flávios zu untergraben.
Für Verwirrung unter den weit rechtsstehenden und evangelikalen Anhänger*innen Flávios sorgte zudem, dass er im Internet eine geschlechtsneutrale Formulierung verwendete: „Gostaria de contar com todas, todos, todes, todys e todXs!“ – eine Schreibweise, die Diskriminierung nicht‑binärer Menschen vermeiden soll. Irritationen löste dies aus, weil die PL bisher nicht dafür bekannt ist, solche Formen der Diskriminierung zu vermeiden.
Im Gegenteil: Vorherrschend ist in der Partei und unter den meisten evangelikalen Anhänger*innen die Vorstellung, dass die klassische Familie aus einem männlichen Haushaltsvorstand und einer Ehefrau „am Herd“ besteht. Andere Lebensformen werden als Teufelswerk betrachtet und als Beleidigung gläubiger Menschen dargestellt. Nicht‑binäre Menschen und Homosexualität werden als Krankheit beschrieben, die psychiatrisch behandelt oder durch Teufelsaustreibungen „geheilt“ werden müsse.
Einer der einflussreichsten Verbündeten Jair Bolsonaros im evangelikalen Lager ist Pastor Silas Malafaia, ein vehementer Kritiker der Idee einer Präsidentschaftskandidatur Flávio Bolsonaros. Malafaia ist der Ansicht, der Senator sei ein schwacher Kandidat für das Präsidentenamt. Er lässt keinen Zweifel daran, dass er lieber den Gouverneur von São Paulo, Tarcísio de Freitas, als Präsidentschaftskandidaten sehen würde.
Auch in den eher neoliberalen Parteien PP und den Republicanos regt sich Widerstand gegen Flávios Kandidatur. Dort geht man offenbar davon aus, dass sich der Bolsonaro‑Clan von außen nur schwer kontrollieren lässt und bei der Durchsetzung ihrer eigenen Interessen kaum zu beeinflussen sei. Der Parteivorsitzende der PP und Senator Ciro Nogueira hat zudem das Problem, dass er im Bundesstaat Piauí um seine Wiederwahl als Senator kämpfen muss – einem Bundesstaat, in dem die PT traditionell stark ist und einen eigenen Kandidaten stellt. Bei einem geheimen Treffen des ehemaligen Kanzleramtsministers Ciro Nogueira mit Lula soll er angeboten haben, dass die Federação von PP und União Brasil Flávios Kandidatur nicht unterstützen und sich neutral verhalten werde, wenn die PT im Gegenzug seine persönliche Kandidatur zum Senator von Piauí unterstützt. Die Federação stellt eine der stärksten Fraktionen im Abgeordnetenhaus und verfügt entsprechend über ein großes Wähler*innenpotenzial.
Umfragen: Ein Kopf-an-Kopf-Rennen?
Flávio Bolsonaro überrascht auch in den Wahlumfragen. Zwar liegt Lula in allen Erhebungen für den ersten Wahlgang vor ihm. Für den zweiten Wahlgang zeichnet sich jedoch ein anderes Bild ab. Einige Meinungsforschungsinstitute prognostizieren inzwischen ein Patt – so etwa Paraná Pesquisas mit 44,4% für Flávio und 43,8% für Lula (Umfrage vom 25.02.2026).
Bei der Frage, welchem der beiden Kandidaten die Wähler*innen auf keinen Fall ihre Stimme geben würden, schneidet Lula derzeit sogar schlechter ab als Flávio. Nach Einschätzung der britischen Wochenzeitschrift „The Economist“ wird sich die Wahl vor allem an zwei Themen entscheiden: der inneren Sicherheit und des eigenen Portemonnaies, also der Kaufkraft der Bevölkerung.
KoBra wird den Wahlkampf und damit verbundene Themenfelder begleiten und analysieren. Wir freuen uns über Anregungen und Kommentare.
[1] Siehe hierzu den Artikel zum brasilianischen Wahlsystem auf dieser Seite.
[2] Zu den Emendas Parlamentares siehe die beiden Artikel in den Brasilien Nachrichten 171 und 172 aus 2025.
[3] „Follow the money” ist natürlich auch eine Ermittlungsmethode, mit der illegale Aktivitäten, Korruption oder versteckte Machtstrukturen durch die Rückverfolgung von Finanztransaktionen aufgedeckt werden sollen. Es war auch der Ermittlungsansatz, um Al Capone wegen Steuerhinterziehung hinter Gitter zu bringen ...
