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235 | Abschied vom Wachstumszwang

(Post-)Wachstum in Brasilien und Deutschland. Aktuell bestimmen in Brasilien die Präsidentschaftswahlen das politische Tagesgeschehen. Damit steht nicht nur der weitere Kurs des Landes, sondern auch der politische Erfolg der Arbeiterpartei PT zur Wahl.

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Zwei Artikel im portugiesischen Original:

 


EDITORIAL: 
Ökonomisches Wachstum allein ist kein Garant für politischen Erfolg. Eine erfolgreiche Zukunft und Entwicklung – das gilt für Brasilien und Deutschland gleichermaßen - kann ohne Berücksichtigungvon Umweltproblemen und vielen anderen gesellschaftlichen Faktoren nicht gelingen.

 

Das brasilianische Entwicklungsmodell der zurückliegenden Jahre ist vom Wachstumsparadigma geprägt. Es finanziert eine Reihe von Transferleistungen, die der Armutsbekämpfung dienen. Die brasilianischen sozialen Bewegungen befinden sich währenddessen nach wie vor im Kampf um Land und Menschenrechte. Konzepte wie Solidarökonomie und Buen Vivir finden über die Kontinente hinweg Beachtung, liefern bislang jedoch keine Lösung im großen Stil.

Die Massenproteste des vergangenen Jahres haben den Demonstrant*innen Aufmerksamkeit verschafft, die unzufrieden mit den politischen Aktivitäten und momentanen Antworten auf die ungelösten sozialen und ökologischen Probleme des Landes sind. In der ersten Septemberwoche dieses Jahres fand in Brasilien eine Volksbefragung über eine grundlegende Reform des politischen Systems statt. Organisiert wurde die Volksbefragung nicht vom Staat, sondern von sozialen Bewegungen selbst. Überall im Land wurden improvisierte Wahlurnen aufgestellt und auch im Internet konnten die Brasilianer*innen ihre Stimme abgeben für die Constituinte Exclusiva e Soberana do Sistema Político, das heißt, für eine verfassungsgebende Versammlung, die sich unabhängig und ohne derzeitige Vertreter*innen der Regierung zusammensetzen soll, um über grundlegende politische Reformen zu tagen.

Auch in Deutschland wächst die Gruppe derer, die sich andere politische Ziele als Wirtschaftswachstum wünschen: einen verantwortungsbewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen, mehr Gerechtigkeit zwischen Nord und Süd, mehr Lebensqualität bei gleichzeitig weniger Überproduktion und Konsumgüteranhäufung. Die jüngste Degrowth-Konferenz in Leipzig lockte mehrere Tausend Teilnehmer*innen an. Werte wie Solidarität, Gemeinwesen und Suffizienz überzeugen immer mehr Menschen. Die Transition eingespielter, systemimmanenter Prozesse in ein neues globales Wohlstandsmodell ist kein einfacher Weg. Es braucht neben individueller Bereitschaft auch den politischen Willen der Regierenden und eine globale Perspektive.

Das vorliegende Heft ist zeitgleich der Tagungsreader zur Fachtagung Runden Tisch Brasilien 2014, der sowohl Wachstumskritik als auch die Diskussion um Postwachstumsentwürfe in Brasilien und Deutschland auf seine Agenda gesetzt hat. Die Neuedition des Brasilicums feiert mit dieser Ausgabe außerdem ihren ersten Geburtstag! Das Heft wird gut angenommen und die Rückmeldungen sind positiv. Im Brasilicum stecken viel Arbeit und Engagement – unterstützen Sie uns durch ein Abonnement! Weiterführen wollen wir das Konzept, indem wir zwei Einzelausgaben (jeweils zur Frühjahrstagung und zum Runden Tisch Brasilien) und eine Doppelausgabe im Sommer herausbringen.

Mit Artikeln von Kristina Dietz, Ulrich Brand, Sonia Fleury, Thomas Fatheuer, Daniel Rech, Jonas Immanuel Vollmer, Fabian Kern und Judith Felizita Säger.

Erscheinungsdatum: 20. Oktober 2014.