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„Das Erbe von Chico Mendes - Politischer Kampf um Waldschutz und Menschenrechte am brasilianischen Amazonas“

Neunzig Interessierte kamen, um den Vortrag am 18.06. in Freiburg zu hören und anschließend zu diskutieren. Nach einer kurzen Einführung von Dr. Benno Pokorny (Waldbau-Institut der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), berichteten Edel Moraes (Vize-Präsidentin des CNS) und Ivanildo Brilhante (Bildungsabteilung des CNS), zwei Aktivist_innen des Conselho Nacional das Populações Extrati vistas (CNS) aus Belém/Brasilien über die Situation der dort lebenden Menschen, die sich selbst und andere über Produkte aus dem Regenwald und aus dem Fluss Amazonas versorgen.
„Das Erbe von Chico Mendes - Politischer Kampf um Waldschutz und Menschenrechte am brasilianischen Amazonas“

Die CNS ist eine nicht staatliche Non-profit Organisation. Sie bildet den Zusammenschluss der Arbeiter_innen und Gewerkschaften, der am Amazonasgebiet lebenden und arbeitenden Menschen.

Begleitet wurde der Abend von zwei Masterstudentinnen aus Berlin. Johanna Glaser und Franziska Molder nehmen an einem ASA Süd-Nord Projekt „Lokale und regionale Vermarktungsstrategien von land- und forstwirtschaftlichen Produkten in Freiburg und Amazonien“ teil und übersetzten.
Wie schon der Titel „Das Erbe des Chico Mendes“ verrät, spielte Chico Mendes eine wichtige Rolle im politischen Kampf um Waldschutz und Menschenrechte am brasilianischen Amazonas.
Er selbst war Kautschukzapfer, der sich für die Menschen im Bundesstaat Acre einsetzte und die soziale Bewegung „Xapuri Rural Workers' Union“ in den den 70'er Jahren gründete.
Chico Mendes wurde auf Grund seines Engagements am 22. Dezember 1988 ermordet. Sein Mord erregte großes Aufsehen und er selbst wurde zur Leitikone der dort arbeitenden und lebenden Menschen, die immer noch um ihr Land und ihre Existenz bangen müssen.

Landnutzungskonflikte gibt es in der Region seit ihrer Besiedlung.  Großgrundbesitzer sind daran interessiert, den Wald gewinnbringender und produktiver zu nutzen. Dies ist mit dem Anbau von Monokulturen wie Soja und Palmen für Palmöl oder der Rodung des Waldes für die Viehzucht alles andere als nachhaltig und zerstört den natürlichen Lebensraum der Menschen auf Dauer.

Von lukrativen Geschäften mit den internationalen Konzernen als Abnehmer der Produkte getrieben, werden die Methoden der Großgrundbesitzer immer radikaler und der Mord an Chico Mendez blieb kein Einzelfall. Schwester Dorothy Mae Stang († 12.Februar 2005) und José Cláudio Ribeiro da Silva, der zusammen mit seiner Frau Maria do Espírito Santo († 24.Mai 2011) erschossen wurde, wurden ebenfalls im Kampf gegen die Großgrundbesitzer ermordet.
Im Fall der Nonne Schwester Dorothy Mae Stang wurde der Großgrundbesitzer Vitalmiro Bastos de Moura, auf Grund des großen Medieninteresses an diesem Fall zu 30 Jahren Haft verurteilt. Die Auftragsmörder des Waldschützerehepaars wurden zwar zu jeweils 42 und 45 Jahren Haft verurteilt, jedoch blieb der eigentliche Drahtzieher, der Großgrundbesitzer José Rodrigues Moreira  nach seiner Gerichtsverhandlung im Bundesstaat Pará straffrei. Heute noch werden die Menschen, die um ihr Recht auf Land-, Wassernutzung und einer besseren Infrastruktur kämpfen bedroht und ermordet. Die Vernetzung mit anderen Organisationen und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für dieses Thema sind Wege der CNS, um die genannten Ziele durchzusetzen.

„Wenn der Wald so reich ist, wollen wir ohne Armut leben“

Im brasiliansichen Amazonas leben über zwei Millionen Menschen traditionell von den Früchten und Gütern des Regenwaldes, ohne diese dabei zu zerstören. Die nachhaltige Wald-Landwirtschaft wird Extraktivismus genannt und schützt die Biodiversität, sowie den Erhalt des Ökosystems. Die Produkte die reichhaltig geerntet werden, werden auch für die Menschen in der Stadt und ebenso für Medizin- und Kosmetikunternehmen produziert. Diese Form der Produktion ist weiterhin in vielerlei Hinsicht bedroht, sei es durch durch kommerzielle Waldnutzung oder die Rohdung des Waldes z.B. für den Anbau von Soja, Mais oder für Viehzucht.


Unterstützt wird die CNS in ihrem Vorhaben von dem ASA-Programm, Menschenrechte3000 e.V., FIAN Freiburg, Dona Flor, eine Welt Forum Freiburg, Brasilieninitative Freiburg e.V., KoBra (Kooperation Brasilien e.V.), Institut für angewandten Regenwaldschutz e.V. und von der Universität Freiburg.