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Unsere Themen

Die Schwerpunkte unserer Arbeit greifen die zentralen Themen und Konflikte der sozialen Bewegungen in Brasilien auf: Landkonflikte, Menschenrechte, Minderheitenrechte, ökologische Zerstörung, Urbanisierung, ökonomische Alternativen, soziale Gerechtigkeit oder auch die 2014 und 2016 bevorstehenden sportlichen Megaevents und deren Auswirkungen.

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Wir wünschen einen unglücklichen Weltfrauentag

Preisschwankungen im Supermarkt zu erkennen, das ist die Rolle der Frau in der Wirtschaft, natürlich neben der Verantwortung Kinder zu bekommen und großzuziehen. Was nach den Dreißiger Jahren klingt, war in Wirklichkeit ein Teil der Ansprache des brasilianischen Präsidenten Michel Temer zum Internationaen Frauentag 2017.
Wir wünschen einen unglücklichen Weltfrauentag

Foto de Janine de Morais, disponibilizado por Mídia Ninja (CC BY 2.0)

Bis zu dieser Ansprache wurde der Internationale Frauentag in Brasilien nicht mit Resignation oder einem gespielten Lächeln für die Blumen und die Glückwünsche zu unserem ganz besonderen Tag gefeiert. Die Frauen erinnerten sich an die Scheinheiligkeit einiger Brasilianer, die sich als "Besitzer" der Frauen das Recht herausnehmen, diese anzugreifen und ihrem angeblich angestammten Platz zuzuweisen, der, natürlich, nicht an den Universitäten oder auf dem Arbeitsmarkt ist. Das schlimmste ist: Die Wünsche der Frauen scheinen überhaupt keine Rolle zu spielen. Aber natürlich gratulieren sie zu unserem ganz besonderen Tag...

Der Präsident Temer bestätigt nur die Sichtweise, dass für einige Brasilianer „Feliz dia das mulheres“ nur willkommen ist, solange die Frauen tun, was den Männern gefällt.

Auf dem Rathausplatz in Freiburg gibt es massenhaft Informationsstände von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen. Es war ein regnerischer Tag, aber die Frauen waren beharrlich und ließen sich davon nicht stören. Beratung für Frauen, die über eine Abtreibung nachdenken (ein sehr schwieriges Thema in Brasilien, über das man meist nicht offen reden kann), Religionsfreiheit und Hilfe für Frauen aus anderen Ländern sind Besipiele für Tätigkeitsbereiche. Zudem gab es reichlich Diskussionen über die staatliche Unterstützung für Frauen. Aber dass Deutschland in Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter ein strahlendes Vorbild ist, ist immer noch ein Mythos. Enorme Unterschiede bei der Kindererziehung, sexuelle Belästigung, häusliche Gewalt und ungleiche Bezahlung sind in Deutschland und weltweit noch sehr verbreitet. Der Unterschied ist, dass hier in Deutschland, die Rede Temers großen Aufruhr verursacht hätte, nicht zuletzt, weil wir ja nicht mehr in den Dreißiger Jahren sind, oder?

In Brasilien wurde der internationale Frauentag beinahe wie ein Begräbnis mit großen Menschenmassen auf den Straßen gefeiert. Eine Totenfeier für tausende Frauen, die auch heute noch Opfer von Gewalt oder illegaler Abtreibungen sind. Ein Trauermarsch für die im Laufe vieler Jahre erkämpften Rechte. Beinahe wie ein Begräbnis, inklusive einer Schweigeminute für die Verstorbenen; die Brasilianerinnen möchten den Schmerz jedoch nicht bekämpfen, sie nutzen ihn als Antrieb für neue Errungenschaften und ihren fortlaufenden Kampf.

Die brasilianische Presse sprach von einem Fauxpas des brasilianischen Präsidenten, doch es ist fraglich ob es tatsächlich nur ein Fauxpas war oder ein überlegter Versuch, den öffentlichen Diskurs zu verschieben und die Stimmen derer zum Schweigen zu bringen, die die Vergangenheit verändert haben oder eine neue Zukunft konstruieren möchten. Es war kein Fauxpas, es war Absicht: Wir wünschen dir einen unglücklichen Weltfrauentag, wage es nicht!

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Film "Belo Monte: After the Flood"

Anlässlich des diesjährigen "Action for Rivers"-Day am 14. März hat der Filmemacher Todd Southgate seinen neuesten Dokumentarfilm zum freien Download für alle Interessierte auf seiner Webseite bereitgestellt.
Film "Belo Monte: After the Flood"

Der Filmemacher Todd Southgate bei der Arbeit in der Volta Grande do Xingu. Foto: Christian Russau

Der freie Download ist möglich auf der Webseite: http://www.belomonteaftertheflood.com/index_english.html

Zum Film:
Belo Monte: After the Flood is a new film directed by award-winning environmental documentarian Todd Southgate, and produced with International Rivers, Amazon Watch and Cultures of Resistance.

The film explores the history and consequences of one of the world's most controversial dam projects, built on the Xingu River in the heart of the Brazilian Amazon.

Todd has traveled to the Amazon a dozen times over the course of seven years to document the conflicts surrounding the Belo Monte Hydroelectric project, and in early March he returned to the region as the dam's construction neared completion.

Through interviews with local residents, environmental and social activists and indigenous peoples,Belo Monte: After the Flood tells a horrific tale of shattered lives, government maleficence, and, in the case of the Juruna people, an indigenous community living just a stone's throw from the dam, a charge of ethnocide by public prosecutors.

While Belo Monte's first turbine was tested early in 2016, Belo Monte: After the Flood explores how the multi-billion dollar project has generated controversy for the last 30 years as successive Brazilian governments ignored protests, broken promises, and neglected mitigation measures, leading to irreparable damage to communities and livelihoods.

Now that the Xingu River is dammed and Belo Monte has begun to generate its first watts of electricity, controversy surrounding this project has only grown as allegations and charges of corruption and kickbacks involving dozens of prominent politicians continue to emerge.

Nonetheless, the government has plans to build even more dams in the Amazon including on the Tapajós River, another major tributary to the Amazon River located in the Brazilian state of Pará.

Belo Monte: After the Flood concludes with hopeful images from the fight of the Munduruku people, currently fighting to stop the government from repeating the Belo Monte mistake by building a dam on the Tapajos and flooding a significant amount of their territory.

As resistance against dams in the Amazon grows so does the hope that the Amazon's rivers will continue to flow unobstructed, and the cultures that depend on these rivers remain unharmed.

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[de] Mutige Frauen: Reflexion über die Herausforderungen brasilianischer Frauen in schweren Zeiten

Mit einer Rede, die aus den 30er Jahren stammen könnte, beglückwünschte Michel Temer die Brasilianerinnen zum Internationalen Frauentag am 8. März.
[de] Mutige Frauen: Reflexion über die Herausforderungen brasilianischer Frauen in schweren Zeiten

Foto: João Alberto / MídiaNINJA [CC BY-SA 2.0]

Jetzt ist Mut erforderlich für die Mobilisierung und den Kampf gegen die sozialen Rückschritte, die Brasilien in den letzten Jahren erlebte. Mit viel Energie strömten die Brasilianerinnen auf die Straßen um an die Wichtigkeit der Gleichberechtigung der Geschlechter zu erinnern und den abertausdenden Frauen, die Opfer von Gewalt und Vorurteilen werden, zu gedenken. Die Frauenbewegung ist nicht auf Brasilien beschränkt, sondern stemmt sich sowohl in den Nachbarländern Brasiliens als auch in Europa und den USA gegen eine bedrohliche Verschiebung des Diskurses. Mit Adriana Mota und Kristina Hinz sind zwei Expertinnen Teil dieses Podcasts. Sie teilen ihre Analyse und Reflexion über die Situation der Frau im heutigen Brasilien mit uns und zeigen, wie die Frauenbewegung organisiert ist, um den Frauen in einem rückwärtsgewandten und machistischen Umfeld eine Stimme zu verleihen.

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Rio: Zahl der durch die Polizei Getöteten steigt in 5 Jahren um 120 Prozent

Neueste Zahlen des Instituto de Segurança Pública legen drastischen Anstieg offen.
Rio: Zahl der durch die Polizei Getöteten steigt in 5 Jahren um 120 Prozent

Grafik: ISP

Laut neuesten Zahlenerhebungen des Instituto de Segurança Pública von Rio de Janeiro ist im Bundesstaat Rio de Janeiro die Zahl der durch die Polizei Getöteten in den vergangenen fünf Jahren dramatisch angestiegen, nachdem in den Jahren zuvor ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen gewesen war. Dies geht aus den Zahlen des Instituto de Segurança Pública fü den Zehnjahreszeitraum 2007 bis 2016 hervor, aus denen das Nachrichtenportal UOL zitiert.

Im Jahr 2016 wurden demnach 920 Menschen im Bundesstaat Rio de Janeiro von der Polizei getötet. 2015 lag diese Zahl bei 645. 2014 waren 584 Menschen, 2013 416 und 2012 419 Menschen, die von der Polizei getötet wurden. Zum Vergleich zitierte das Forschungsinstitut die Zahlen der fünf Jahre 2007 bis 2011, nach denen im Jahr 2007 1.330 Menschen von der Polizei im BUndesstaat Rio getötet wurden. 2008 waren dies 1.137, 2009 waren es 1.048 Menschen. Im Jahr 2010 sank diese Zahl auf 855 Menschen. 2011 sank die Ziffer weiter, bis auf 523 Menschen. Vergleicht man die Zahlen von 2012 mit denen von 2016, so errechnetetn die Wissenschaftler*innen einen Anstieg um 120 Prozent.

Die Forscher*innen wiesen zudem darauf hin, dass im Jahr 2016 der Anteil der von der Polizei getöteten Menschen bei 15 Prozent der insgesamt im Bundesstaat Rio de Janeiro im diesem Jahr getöteten 6.248 Menschen beträgt. Die Wissenschaftler*innen legten in ihrer Studie außerdem die Zahlen vor, die den Anstieg der getöteten Polizist*innen nachzeichnete. Im Jahr 2014 waren dies 18 Polizist*innen, 2015 stieg diese Zahl auf 26, im Jahr 2016 wurden 40 Polizit*innen getötet.

Laut dem Leiter des Universitätsdepartements für Öffentliche Sicherheit der Universidade Federal Fluminense, Daniel Misse, sei es schwierig festzustellen, ob dieser Rückgang bei Zahlen der durch die Polizei Getöteten in den Jahren 2007 bis 2012 sowie der darauffolgende Anstieg von 2013 bis 2016 im Zusammenhang mit der zunächst erfolgten Einrichtung der sogenannten befriedenden Polizeieinheiten UPP in den Favelas der Stadt und dann mit dem nun erfolgenden Kürzungen bei der Polizei infolge der schweren Haushaltskrise des Bundesstaats zu tun habe. Dies müssten weitere Untersuchungen erst noch zeigen.

Doch was mit Sicherheit gesagt werden kann, ist, dass die Polizei in Rio de Janeiro unter anderem auch mit Waffen aus deutscher Produktion ausgestattet ist. So ist eine der weltweit berüchtigsten Polizeieinheiten, das Batalhão de Operações Policiais Especiais, kurz BOPE, aus Rio de Janeiro u.a. mit den Waffen von Heckler & Koch ausgerüstet: Natürlich findet sich darunter das Sturmgewehr G3, aber es gibt auch die Maschinenpistolen MP5, das Maschinengewehr H&K 21 sowie das Präzisionsschützengewehr H&K PSG1.

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Brasiliens Herausforderungen im Lichte struktureller Sackgassen

Unser Vorstandsmitglied Igor Birindiba Batista veröffentlicht im Rahmen des connosco Programms beim Institut für Sozialstrategie einen Artikel über die aktuelle Krise Brasiliens.
Brasiliens Herausforderungen im Lichte struktureller Sackgassen

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Durchaus politischer als sonst

Mit Portela und Imperatriz Leopoldinense haben sich zwei Sambaschulen dieses Jahr beim Karneval von Rio an politische Themen gewagt.
Durchaus politischer als sonst

Imperatriz Leopoldinense. Foto: Todd Southgate

Zu Brasiliens größter Feierlichkeit, dem Karneval in Rio de Janeiro, wurde dieses Jahr ein Sieger gekürt, der 33 Jahre lang den Wettbewerb der Sambaschulen von Rio nicht mehr gewonnen hatte: die Sambaschule Portela überzeugte die Jurorinnen und Juroren am meisten. Dabei hatte diese sich im Rahmen ihres allgemein ausgewählten Flussthemas auch eines eigentlich politisch äußerst brisanten Themas gewidmet: dem Dammbruch der Bergwerksdeponie der Firma Samarco im Bundesstaat Minas Gerais vom November 2015, deren Schlammlawine 19 Menschen tötete, zwei Dörfer verwüstete und die 680 Kilometer Flusslandschaft des Rio Doce zerstörte, Tausenden Kleinfischern die Lebensgrundlage raubte und 3,5 Millionen von der regulären Trinkwasserversorgung abschnitt.

Zum Karnevalssieg trug aber wohl auch bei, dass die Siegerin Portela die Tragik des Dammbruchs und seiner Folgen für die Menschen am Fluss zeigte – was wichtig und durchaus angemessen war – , aber Portela enthielt sich weitergehender politischer Kritik: die mitverantwortlichen Firmen – die brasilianische Vale und die australische BHP Billiton – wurden ebensowenig beim Auftritt thematisiert, wie Portela auch die Rolle der Behörden zu wenig hinterfragte, die in der Kontrolle der im ganzen Land wie Pilze aus dem Boden sprießenden Bergwerksdeponien jahrelang versagt hatten. Auch die für stete Ausweitung der Bergbaulizenzen verantwortlichen Politiker als Mitverantwortliche für den Dammbruch und dessen Folgen wurden bei Portela nicht thematisiert. Insofern blieben bei kritischen Beobachtern Fragen offen, gleichwohl die Thematisierung solch sensibler Themen zunächst einmal positiv zu bewerten ist.

Auch die im Vorfeld von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten wegen der Thematisierung des Xingu-Staudamms Belo Montes, dessen Folgen sowie der Umwelt- und sozialen Brutalität der brasilianischen Landwirtschaft hoch gelobte Sambaschule Imperatriz Leopoldinense wandelte nach Kritiken der Landwirtschaftslobby ihr ursprüngliches Motto des Wagens „Die Großbauern und ihre Pestizide“ ab und änderte es in den etwas halbgareren Satz „Der falsche Einsatz der Agrochemie“.

Die Sambaschulen argumentierten, ihr Thema sei nicht Politisches, sondern Kultur. Damit zeigte sich die Landwirtschaftslobby dann zufriedener, die zuvor noch die Agitation von „kulturellen Kommunisten“ witterte. Imperatriz Leopoldinense tanzte dennoch beeindruckend, unter dem Motto „Xingu – Der Klageruf aus dem Wald“ und im Sambódromo sah man viele der indigenen Aktivistinnen und Aktivisten, Menschenrechtler und Umweltschützer, die die Gelegenheit am Schopfe griffen, das Thema dennoch unter die Menschen zu bringen. Denn das ist etwas, was Sambaschulen mit ihren Auftritten in Rio schaffen: sie erreichen die Menschen, und diese nehmen die allegorische Themenvielfalt des Umzugs auf und reden darüber. Insofern war der Karneval dieses Mal durch Portela und Imperatriz Leopoldinense durchaus politischer als sonst.

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Aus dem Staub gemacht

Thyssenkrupp verkauft skandalbelastetes Stahlwerk in Rio de Janeiro an argentinischen Stahlkocher Ternium.
Aus dem Staub gemacht

Cromme not amused über protestierende Fischer auf der Thyssenkrupp-HV 2017. Foto: Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre

Mit dem Verkauf der TKCSA in Rio schließt Thyssenkrupp das verlustreiche Abenteuer Steel Americas, aber die Fischer*innen und Anwohner*innen klagen weiter. Diese Prozesse erbt nun der Käufer.

 

Thyssenkrupp hat das Stahlwerk Companhia Siderúrgica do Atlântico (TKCSA) an den argentinischen Stahlkocher Ternium für 1,5 Milliarden Euro verkauft. Diesem Betrag stünden noch Wertberichtigungen von 900 Millionen Euro gegenüber, teilten die Essener am Mittwoch mit. Die brasilianische Tageszeitung O Globo erwähnte in diesem Zusammenhang einen Betrag von 300 Millionen Euro, die das Stahlwerk noch bei der brasilianischen Entwicklungsbank BNDES an Kreditschulden begleichen müsse.

Der Verkauf war in die Wege geleitet worden, nachdem der Mitbesitzer des Stahlwerks, die brasilianische Vale, im Mai vergangenen Jahres seinen Anteil zum symbolischen Preis von einem US-Dollar sowie einer anteiligen Schuldenübernahme an Thyssenkrupp verkauft hatte. So war Thyssenkrupp aus den komplexen Eigentums- und Lieferverträgen herausgekommen und konnte die Verkaufsverhandlungen forcieren. Eine weitere Vorbedingung für den Verkauf des Werk war die Erlangung der Betriebsgenehmigung, die dem Stahlwerk im September 2016, nach sechs Jahre laufendem Betrieb, zuteil worden war.

Die Übernahme der TKCSA soll bis Ende September dieses Jahres abgeschlossen werden, verbucht werden solle es aber rückwirkend zu Ende September vergangenen Jahres. Der Verkauf stehe noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden.

Damit beendet Thyssenkrupp das verlustreiche Abenteuer Steel Americas. 2005 hatte der Konzern beschlossen, in Alabama und in Rio de Janeiro zwei Stahlwerke zu errichten, erste Planungen gingen von 1,3 Milliarden Euro Gesamtkosten aus. Durch Erweiterung der Baupläne um Hafenanlagen und starke Wechselkursschwankungen sowie aufgrund von Fehlkonstruktionen wie bei der Kokerei stiegen die Gesamtkosten auf 12 Milliarden Euro für Investitionen und bisherige operative Verluste, so der Konzern. So stünde nach dem 2014 erfolgten Verkauf des Werks in Alabama an ArcelorMittal und Nippon Steel und dem nun getätigten Verkauf des Werks in Rio an Ternium unter dem Strich ein Verlust von rund acht Milliarden Euro in den Büchern. »Die Auswirkungen sind bis heute in der Bilanz sichtbar. Für die Aufarbeitung wird Thyssenkrupp noch einige Jahre benötigen«, so der Konzern in seiner Verkaufsmitteilung.

Damit hat das Stahlwerk TKCSA bei Thyssenkrupp eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Nicht nur in der Bilanz. Und nicht nur bei Thyssenkrupp. Der damalige Chef von ThyssenKrupp Steel, Karl-Ulrich Köhler, wurde 2009 wegen des Brasilien-Desasters entlassen. Ende 2011 musste der langjährige Vorstandsvorsitzende Ekkehard Schulz seinen Aufsichtsratsposten räumen. Aufsichtsratschef Gerhard Cromme trat 2013 zurück. Cromme hatte mit Hilfe externer Juristen wiederholt prüfen lassen, ob Köhler, Schulz und er selbst wegen der Fehlplanungen beim Hüttenbau in Rio juristisch belangt werden können. Die Beurteilung der Juristen fiel immer zugunsten der Manager aus. Das rettete ihren Job aber letztlich nicht.

»Das Stahlwerk TKCSA in Rio de Janeiro lastet bleischwer auf dem Konzern.« Dies sagte der Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger im Januar 2014. Es waren aber nicht nur die nackten Zahlen, die dem Konzern zusetzten. Denn das Stahlwerk produzierte zwar seit Juni 2010 fünf Millionen Stahlbrammen pro Jahr, aber dies ohne gültige Betriebsgenehmigung. Die wurde Jahr auf Jahr durch behelfsmäßige Genehmigungen der Behörden ersetzt, da das Stahlwerk die Umweltschutzauflagen nicht in den Griff bekam. Erst im September 2016 wurde dem Werk die Betriebsgenehmigung – nach sechs Jahren Betrieb – erteilt.

Doch die Anwohner*innen sagen, die Situation habe sich nicht geändert. Denn auf wem das Stahlwerk TKCSA in Rio de Janeiro „bleischwer“ lastet, das sind die Anwohner des Stahlwerks. Auf diese geht der Stahlwerkstaub aus Zink, Silizium, Natrium, Mangan, Potassium, Kalzium, Aluminium, Vanadium, Titan, Schwefel, Phosphor, Nickel, Magnesium, Kupfer, Chrom, Kadmium und Blei täglich nieder. Diese Daten entstammen der Analyse des Landesumweltministerium von Rio, SEA, das 2012 die Datenanalyse des Stahlwerkstaubs vorgenommen hatte. Das SEA bestätigte zudem, dass das ausgestoßene Pulver toxisch sei und Asthma, Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Missbildungen und vorzeitiges Ableben bewirken könnte.

Deswegen gibt es noch 238 Rechtsklagen der betroffenen Anwohner*innen, die Entschädigung für die Gefährdung ihrer Gesundheit fordern. Diese Prozesse der Anwohner*innen gehen ebenso weiter wie die Entschädigungsklagen der 5.763 Fischer*innen, deren Ertrag beim Fischfang seit Baubeginn des Werks um merkliche 80 Prozent zurückgegangen ist und die diesen Protest darüber bereits im Januar 2010 nach Bochum auf die Aktionärsversammlung trugen und bis heute keine Entschädigung erhalten haben.

Heinrich Hiesinger wurde auf der Aktionärsversammlung im Januar dieses Jahres von einer Aktionärin aus London gefragt, was mit diesen vor Gericht anhängigen Prozessen geschehe, wenn der Konzern das skandalbelastete Werk in Rio verkaufe. Diese Rechtsstreitigkeiten würde der Käufer dann erben, so Hiesinger.

So macht sich Thyssenkrupp einfach aus dem Staub.

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Privatisierung in der Elektroenergie-Branche: eine gute Idee?

Mit diesem Artikel über die brasilianische Elektroindustrie setzen wir unsere Serie über Privatisierungen in Brasilien fort. Diese Industrie ist in den letzten Jahren in eine tiefe Krise gestürzt, und dabei kann nicht geleugnet werden, dass Privatisierungen und vor allem deren regulatorischen Folgen eine kritische Rolle gespielt haben.
Privatisierung in der Elektroenergie-Branche: eine gute Idee?

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In Brasilien wird gerne davon geschwärmt, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix besonders hoch ist. Etwa 70% der installierten Leistung wird von Wasserkraftwerken eingespeist, die wiederum bis zu 50% des jährlichen Bedarfs versorgen können (Losekann, Oliveira und Silveira, 2012). Da Brasilien über ein komplexes nationales Verbundnetz verfügt, planen die Institutionen des Energiesystems mehrere Jahre im Voraus wie man die Balance zwischen Ebben, Dürren und Strombedarf einhalten kann.

In der Nachkriegszeit wurde mit dem Aufbau dieses Systems begonnen (siehe Queiroz, 2016), und erlebte einen Boom in den 1970er Jahren, als die Militärdiktatur große Wasserkraftwerke wie Itaipú und Tucuruí baute. Dabei nutzte die Regierung relativ günstige internationale Finanzierungsbedingungen um durch das II Plano de Desenvolvimento (PND) auch diesen Sektor auszubauen. Ziel war es die Importsubstitutionsstrategie zu fördern und komparative Vorteile der brasilianischen Industrie durch billigen Strom auszubauen. Es entstand dabei, bis in die 1990er Jahre, ein unter staatlichen Kontrolle betriebenes, vertikal integriertes Monopol der Produktion, des Transports und der Distribution von Energie. Das dadurch entstandene “Sistema Eletrobras” kaufte sogar private regionale Staatsbetriebe wie Light - aus dem Bundesstaat Rio de Janeiro - auf.

In der Mitte der 90er Jahren, nach der Schuldenkrise der 80er Jahren die zu Kürzungen von Investitionen führte, und durch den Einfluss von den Ideen des sogenannten “Washington Consensus”, veränderten Liberalisierung und Privatisierungen radikal den brasilianischen Energiemarkt. Das Kapital des “Sistema Eletrobras” wurde geöffnet und einzelne Firmen, wie Light, wurden wieder privatisiert. Durch diese Reformen wurden auch Großhandels-Energiemärkte in vier Gebieten des Landes (Süden, Südosten, Zentral-West und Norden, und Nordosten) organisiert, um die Energiepreise zu bestimmen. Zudem wurden auch zwei neue Akteure des Systems gegründet, der Operador Nacional do Sistema (ONS) und die Agência Nacional de Energia Elétrica (ANEEL), die Funktionen des “Sistema Eletrobras” übernahmen. Das ONS übernahm die Rolle zu entscheiden, wie jährlich das Wasser der Elektrokraftwerke zu verwenden sei, unter der Aufsicht der ANEEL. Ein paar Jahre danach fand 2001 die “Crise do Apagão” statt, und die Regierung baute deswegen auf Wärmekraftwerke um Angebot und Nachfrage auszugleichen.

Diese Umgestaltung des Systems hat sich aber als ineffizient gezeigt, denn die durch das neue Marktsystem entstandenen Preisen waren zu niedrig um die Kosten von neuen Kraftwerken zu decken (Losekann, Oliveira und Silveira, 2012). Dies veranlasste die Regierung im Jahr 2004 nochmals Reformen vorzuschlagen, mit dem Hauptziel die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, vor allem durch Anreize an privaten Investoren. Durch diese Reformen wurde der Markt in zwei Kategorien eingeteilt: in der ersten sollten langfristige Verträge in staatlich geregelten jährlichen Auktionen zwischen Stromproduzenten und Stromverteiler verhandelt werden. Durch die zweite entstand ein “freier” Markt zur Versorgung von “freien” Verbrauchen, die auf Basis von Spot-Preisen verhandeln sollten. Das ONS behielt aber weiterhin die Aufgabe, den Wasserstand der diversen Stauseen zu kontrollieren bzw. zu koordinieren. Mittels dieser Auktionen schaffte es Brasilien erfolgreich den Anteil von Biomasse und Windkraft im Strommix zu erhöhen, die 2016 jeweils 5,1% und 7,4% betrugen (MME, 2016).

Obwohl das Land durch diese Maßnahmen seine Investitionen in Stromerzeugung steigern konnte, leidet der Sektor seit einigen Jahren an einer schweren Krise. Sowohl das Linke als auch das Rechte politische Lager haben in der Medida Provisória 579 (MP 579) von 2012 die Hauptschuldige für diese Krise gefunden. Die MP, die von Dilma Rousseff auf Anfrage der Industrie erlassen wurde um 20% der Stromkosten zu reduzieren (Singer, 2016), verlängerte die von 2015 bis 2017 auslaufenden Verträge automatisch ohne eine neue Konzession einzufordern. Sie legte aber auch fest, dass die Stromerzeuger ab 2013 nur 70% der Einnahmen erhalten dürften. Dies führte zum Beispiel dazu, das Eletrobras hohe Verluste hinnehmen musste und an Marktwert verlor, was private Investoren verunsicherte und die Liquidität des Unternehmens deutlich verschlechterte, was vor allem in Hinsicht auf neue Investitionen in Stromerzeugung große Probleme bereitet. Zu den Finanzierungsproblemen kamen auch noch extreme Dürre-Jahre, die die Stauseen deutlich erschöpften und nachträglich auch noch zu Preisanstiegen führten. Diese Probleme veranlassten die Regierung Michel Temers weitere Privatisierungen im Stromsektor durchzuführen. Vor allem staatliche Energieversorger die noch zum “Sistema Eletrobrás” gehörten gerieten ins Visier.
Durch die in den letzten 20 Jahren durchgeführten Reformen und Privatisierungen stieg nicht nur die Investitionskapazität des Sektors an, sondern auch deren Koordinationsschwierigkeiten. Als staatliches Monopol waren Entscheidungen sehr leicht zu treffen, aber es fehlte das nötige Geld für Investitionen in neuen Kraftwerken. Dieses Verhältnis hat sich inzwischen umgekehrt.

Die Probleme des brasilianischen Stromsektors verdeutlichen, dass alle Debatten über Vor- und Nachteile von Privatisierungen die Rolle von der Regulation miteinbeziehen müssen. Dies wiederum spiegelt die Erkenntnis, dass im Prinzip sowohl staatlich geführte Unternehmen als auch privatisierte Firmen gut verwaltet werden können (Chang, 2008), solange der Staat effizient, transparent und gerecht regulieren kann. Obwohl private (und auch öffentliche) Investoren eine gerechte Belohnung bekommen sollten, kann auch die Einflussnahme von privaten Investoren oder auch von anderen staatliche Stellen zu moral hazard und Korruption führen. Mann nenne z.B den komplizierten Fall Belo Monte, der durch die Operacao Lava Jato aufgedeckt wurde. Es wurde gezeigt, dass die Einflussnahme von großen Baunternehmen die Entscheidung zum Bau des Stromkraftwerkes beeinflusste. Auf der anderen Seite war auch die Einflussnahme z.B. des Finanzministeriums - welches um jeden Preis die Ziele des „Novo desenvolvimentismo” erreichen wollte -  bei der öffentlichen Entscheidungsfindung ausschlagbend dafür, dass Umweltsorgen einen niedrigeren Stellenwert hatten.  

Eine gute Balance zwischen Staat und Markt entsteht dann wenn der Staat die Fähigkeit hat, private Investitionen zum richtigen Zeitpunkt durch effiziente Regulation anzuziehen. Die Literatur stellt fest, dass desto größer das Risiko, desto geringer die Bereitschaft privater Kapitalgeber Investitionen zu tätigen  (siehe Grubb, 2014). In dieser Hinsicht schreibt Mariana Mazzucato, “that corporations have socialized risk and privatized rewards” (Mazzucato, 2014). Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Technologien wie etwa Biotreibstoffe der 2. Generation für Stromerzeugung noch nicht reif genug sind. Sollte Brasilien sich z.B. dafür entscheiden mehr Solarenergie zu fördern, wird höchstwahrscheinlich die staatliche Hand mit Zuwendungen und steuerlichen Nachlässen zumindestens am Anfang in diesen Markt eingreifen müssen. All dies verdeutlicht, dass ein öffentliches und ausreichend finanziertes “Sistema Eletrobras” immer noch wichtig für Brasiliens soziale und wirtschaftliche Entwicklung ist.

 

Außerdem in der Reihe erschienen:

 

Referenzen:

Baer, W. The Brazilian Economy: Growth and Development. 2013
Chang, H.J. Maus Samaritanos. 2008.
Grubb, M. Planetary Economics: Energy, Climate Change and the Three Domains of Sustainable Development. 2014.
Losekann, L.; Oliveira, A.; Silveira, G. Security of Supply in Large Hydropower Systems: The Brazilian Case. In. Fouquet, R., et al. "International handbook on the economics of energy.", 2009.
Mazzucato, M. Das Kapital des Staates: Eine andere Geschichte von Innovation und Wachstum. 2014.
MME. Boletim Mensal de Monitoramento do Sistema Elétrico Brasileiro. Dezembro - 2016.
Singer, A. A (falta de) base política para o ensaio desenvolvimentista. In.: Singer, A., Loureiro, I. As contradições do Lulismo. 2016.
Queiroz, R. O setor elétrico brasileiro jogando xadrez. Blog Infopetro, 29/08/2016. https://infopetro.wordpress.com/2016/08/29/o-setor-eletrico-brasileiro-jogando-xadrez/


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Umweltbehörde Ibama wirft Samarco Verschleppung der Aufräumarbeiten vor

Hinter dem Stauwerk Candonga wurden 604.000 Kubikmeter Erzschlamm entfernt, doch weiterer Erzschlamm wird nachgespült.
Umweltbehörde Ibama wirft Samarco Verschleppung der Aufräumarbeiten vor

Der Rio Doce und der Schlamm der Erzgrube. Foto: CR

Brasiliens Umweltbehörde Ibama hat Mitte Februar der Firma Samarco vorgeworfen, das Staureservoir beim Staudamm Risoleta Neves, auch Candonga genannt, im Bundesstaat Minas Gerais zu langsam von den über eine Million Kubikmeter Erzschlamm zu säubern. Ibama zufolge habe Samarco 604.000 Kubikmeter Erzschlamm mittels Abpumpanlagen entfernt. Insgesamt befänden sichaber  1,6 Millionen Kubikmeter Klärschlamms allein im Staubecken von Candonga. Ibama kritisierte, dass Samarco sich nicht an den vereinbarten Zeitplan gehalten habe, bis Dezember 2016 den Stausee von diesen Klärschlämmen zu leeren. Samarco hätte zwar diese 604.000 Kubikmeter Erzschlamm mittels Abpumpanlagen entfernt, doch im gleichen Zeitraum seien weitere 412.000 Kubikmeter in den Stausee nachgespült worden.

Die deutlich über eine Million Kubimeter Erzschlamms hatten sich vor der Staumauer angesammelt, nachdem am 5. November 2015 der Damm Fundão des Erzgrubentailings der Firma Samarco gebrochen war und Schätzungen zufolge 62 Millionen Kubikmeter Klärschlamms zunächst das Dorf Bento Rodrigues zerstört sowie die Dörfer Paracatu de Baixo und Barra Longa überspült hatte, bevor der Schlamm sich 680 Kilometer flussabwärts durch die Flüsse Rio Gualaxo do Norte, Rio Carmo und Rio Doce bis hin zur Mündung desselben in den Atlantischen Ozean bei Linhares und Regência im Bundesstaat Espírito Santo bewegte. 19 Menschen starben, tausende Fischerinnen und Fischer wurden arbeitslos und Berechnungen der Rückversicherungsgesellschaft Terra Brasis Resseguros zufolge wurden dadurch rund 3,5 Millionen Menschen in ihrer Trinkwasserversorgung beeinträchtigt.

Die Umweltbehörde Ibama schätzt, dass sich im gesamten Flusslauf, an den Ufern und Überschwemmungsflächen noch immer rund die Hälfte des Klärschlamms befindet und bei Regen immer wieder aufs Neue in die Flüsse gespült wird, so dass diese folgenreichste Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens noch viele Jahre weiter gehen wird.

Immerhin hat die Ibama nun mitgeteilt, dass die noch Mitte vergangenen Jahres als dringlich ausgesprochene Warnung vor einem Bruch des Stausees Candonga derzeit nicht mehr als akut betracht werde.

Laut der amerikanischen Consulting Bowker Associates stellen die dort durch den Dammbruch freigesetzten 62 Mio. Kubikmeter Klärschlamm, die bis zu 800 km versuchte Flusslandschaft sowie die Schäden von mindestens 5 Mrd. Dollar den traurigen Dreifach-Negativ-Weltrekord in der Geschichte des Bergbaus dar. Mitarbeiter und Führungskräfte der Samarco hatten den neuesten Erkenntnissen die Warnungen vor einem Bruch nicht hinreichend ernst genommen, die Justiz hat sich des Falles angenommen. Samarco gehört je zur Hälfte den Firmen Vale und BHP Billiton.

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Unrentabel: Teile von Belo Monte zum Verkauf angeboten

Die Plattform Belo Monte meldet unter Berufung auf verschiedene Medienberichte, dass Teile des umstrittenen Belo Monte Staudamms verkauft werden sollen.
Unrentabel: Teile von Belo Monte zum Verkauf angeboten

Website Logo Plattform Belo Monte

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1. internationale Treffen für die Demokratie und gegen den Staatsstreich in Brasilien

Vom 27. bis zum 29. Januar trafen sich in Amsterdam verschiedene Gruppen und Vereinigungen von in Europa lebenden Brasilianern, die sich für die Demokratie in Brasilien und gegen die Regierung von Michel Temer stark machen.
1. internationale Treffen für die Demokratie und gegen den Staatsstreich in Brasilien

Fora Temer - Amsterdam

Cecilia de Carvalho Rodrigues, die sich in der Gruppe „Brasileirxs em Frankfurt contra o retrocesso („BrasilianerInnen in Frankfurt gegen den Rückschritt“) engagiert, war bei dem Treffen dabei und berichtet uns in dieser Sendung von ihren Eindrücken der Veranstaltung, den inhaltlichen Themen und darüber, wie wichtig es ist, sich als politische Gruppe mit anderen Gruppen und Kollektiven, die sich mit ähnlichen Themen auseinandersetzen, zu vernetzen, auszutauschen und zu begegnen.

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Die Bedrohung der Savannenlandschaft des Cerrado

Interview mit Marilene Alves de Souza vom Centro de Agricultura Alternativa do Norte de Minas (CAA NM) aus dem Norden des brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais über die Bedrohung des Cerrados.
Die Bedrohung der Savannenlandschaft des Cerrado

Marilene Alves de Souza vom Centro de Agricultura Alternativa do Norte de Minas (CAA NM). Foto: privat

Interview: Christian Russau

Die neuesten Zahlen zur Entwaldung Amazoniens deuten wieder auf einen Anstieg hin. Zwischen August 2015 und Juli 2016 sei die Entwaldung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 29 Prozent angestiegen. Gleichzeitig gibt es in Brasilien eine andere Region, die Savannenlandschaft des Cerrado, deren Entwaldungsraten deutlich höher liegen, aber in den Medien nicht im gleichen Maße wie Amazonien Beachtung finden. Woher kommt das?

Auf der einen Seite sollten diese Zahlen uns zurecht beunruhigen, auf der anderen Seite trifft es zu, dass im Gegensatz dazu die Entwaldung des Cerrados nicht die gleiche Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit widerfährt. Denn im Cerrado ist die Abholzungsrate zweieinhalb Mal so groß. Das hat dazu geführt, dass mittlerweile schon 55 Prozent der ursprünglichen Cerradolandschaft Landnutzungsänderungen erfahren haben und der Cerrado als Biom vom Aussterben bedroht ist. Dies hat weitreichende Konsequenzen für Mensch und Natur. Dort im Cerrado gibt es rund 13.000 Pflanzenarten, von denen es die Hälfte nur dort gibt. Derzeit gelten davon 600 Arten als stark in ihrer Existenz gefährdet, damit befindet sich allein im Cerrado ein Drittel aller in ganz Brasilien bedrohten Pflanzenarten. Der Cerrado ist damit die derzeit bedrohteste Region Brasiliens.


Warum genießt der Cerrado nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie beispielsweise Amazonien?

Der Cerrado hat nicht wie der tropische Regenwald Amazoniens die selbst jedem Außenstehenden leicht einsichtige Physiognomie eines großen tropischen Waldes. Die sandigen Böden sowie die geringe Fruchtbarkeit der Böden bewirken im Cerrado eher kleinwüchsige Bäume, meist krumm und schief, und so blieb der Cerrado lange Jahre außerhalb der Wahrnehmung der Agroindustrien. Dies galt so ungefähr bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts. Nun ist es die Boomregion für die agroindustrielle Ausweitung von Soja und Eukalyptus. Beispielsweise in der sogenannten Matopiba-Region – also die Bundesstaaten Maranhão, Tocantins, Piauí und Bahia – hatte sich bereits zum Jahre 2010 die Landschaft grundlegend gewandelt: 60 Prozent der ursprünglichen Cerrado-Landschaft war dort bereits durch Sojamonokulturen ersetzt. Sehr lange war das eigentliche Geheimnis des Cerrado nicht bekannt: der des Wasserspeichers Brasilien. Es handelt sich beim Cerrado nämlich um große flache Hochebenen, in denen der Regen von den Böden aufgenommen wird und in die Grundwasserspeicher der Aquifere gespeist wird, die wiederum die Flüsse mit Quellwasser versorgen. Es ist im Cerrado, wo die Wasserspeicher Brasiliens wieder aufgefüllt werden. Das liegt an der besonderen Physiognomie und der besonderen Vegetation des Cerrado. Dieser krumme und hartrindige, knorrige Baumbewuchs des Cerrado lässt nur wenig Wasser verdunsten. Vor allem in der Trockenzeit ist das wichtig. Die tiefliegenden Wurzeln mit der zu Zweidritteln im Untergrunde aktiven Biomasse dieser „auf dem Kopf stehenden Wälder“ wirken wie ein Wasser speichernder Schwamm, der die Grundwasser führenden Schichten mit Wasser versorgt. All dies ist durch die Ausweitung der Monokulturen bedroht.

 

Könnten Sie das näher ausführen, wie sich der Zusammenhang zwischen Ausweitung von Monokulturen und Wasserverlust darstellt?

Wird die natürliche Cerrado-Vegetation durch Monokulturen ersetzt, wird auch der Wasserhaushalt der Region stark verändert. Der Wissenschaftler Vico Mendes P. Lima hat in einer Untersuchung jüngst anhand der Ausweitung von Eukalyptus-Monokulturen im Vale do Jequitinhonha aufgezeigt, wie sich die Ausweitung der Eukalyptus-Monokulturen auf den Wasserhaushalt der Region, also der Funktion, wie die Grundwasser führenden Speicher und Aquiferen mit Nachschub an Wasser versorgt werden, auswirkt. Er kam zu dem Schluss, dass bei angenommen gleichbleibenden äußeren Faktoren wie Regenanfall bei Eukalyptusplantagen die Wasserdurchlässigkeit in die Böden und somit die Wasserzufuhr der Grundwasser führenden Schichten einen Rückgang von 218 Milimeter je Quadratmeter je Jahr aufweist, im Vergleich zur ursprünglichen Cerrado-Vegetation. Er multiplizierte dies auf die 158.387 Hektar Eukalyptus-Plantagen allein in der Mikroregion von Capelinha und kam so auf die erschreckenden Zahlen von 345 Millionen Kubikmeter Wasserverlust je Jahr in der Region. Dies ist Wasser, das oberflächig abfliesst oder verdunstet, also dem Wasserkreislauf entzogen wird. Zum Vergleich: Diese Zahl entspräche 125 Prozent des im Dezember 2015 in den Staubecken von Paraopeba vorhandenen Wassers, das die Millionenmetropole Belo Horizonte mit Trinkwasser versorgt. Man muss also konstatieren, dass es die großen Monokulturen sind, die die schlimmsten Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, also auf die Flüsse, die Aquiferen und die Grundwasser führenden Schichten der Cerrado-Region haben.


Das Agrobusiness und die Politik wollen aber die Ausweitung der agroindustriellen Landwirtschaft im Cerrado betreiben...

Genau das ist die große Gefahr. Wir sehen mit größter Sorge, dass schon im Jahr 2015 das präsidentielle Dekret zur Ausweitung der agroindustriellen Landwirtschaft in der Matopiba-Region verabschiedet wurde. Matopiba steht als Akronym für die Bundesstaaten Maranhão, Tocantins, Piauí und Bahia. Die Regierung will also diesen Entwicklungsplan für Matopiba, den Plano de Desenvolvimento Agrícola MATOPIBA. Das ist die Region der letzten Agrargrenze, die dort massiv vorangetrieben werden soll. Was wir dort sehen, ist eine Verschärfung der bereits in Brasilien existierenden harten Konflikte um Land und Wasser zwischen traditionellen Völkern und Gemeinschaften auf der einen und Politik und Wirtschaft auf der anderen Seite. Beim Matopiba-Projekt sehen wir gegenwärtig die Ausweitung von Rodung ursprünglicher Cerradolandschaften, um Platz zu schaffen für Monokulturen, und dies schürt konkrete Landkonflikte mit der kleinbäuerlichen Bevölkerung und bedroht zudem den Wasserhaushalt Zentralbrasiliens.

 

Wie reagieren die traditionellen Bewohner des Cerrado auf die Veränderungen und Bedrohungen?

Für die traditionellen Völker und Gemeinschaften des Cerrado ist das Land heilig, es ist das Land, das sie ernährt. Die Kleinbäuerinnen und -bauern nutzen den Cerrado mit ihrer angepassten, seit Generationen vermittelten traditionellen kleinbäuerlichen und familiären Landwirtschaft. Es geht dabei um agrarökologische Produktion und um Rechte. Zum einen erarbeiten die traditionellen Gemeinschaften agrarökologische und wassersparende landwirtschaftliche Techniken, die ein Leben und Arbeiten mit der Dürre und nicht gegen die Dürre bevorzugt. Und, ganz wichtig, es geht um die Kontrolle über das Land, über das gemeinschaftliche Recht an dem Land. Die Gemeinschaften kämpfen um das Recht, ihr eigenes Territorium zu kontrollieren und über die Nutzung selbst zu entscheiden. Die traditionellen Gemeinschaften nutzen dafür sowohl brasilianisches Recht als auch internationale Rechtsnormen. Neuerdings nutzen sie auch die munizipale Rechtssprechung, um ihre Gebiete zu erhalten. Denn nur dann, wenn die dort lebenden und arbeitenden Menschen selbst das Land haben, können sie gemeinschaftlich über Raumnutzungspläne entscheiden und so letztlich den Monokulturen Einhalt gebieten und gleichzeitig damit den Wasserhaushalt in der Region schützen. Dazu braucht es natürlich auch einkommensschaffende Maßnahmen für die kleinbäuerliche Landwirtschaft, Zugang zu lokalen und regionalen Märkten, Ausweitung der Schulspeisungsprogramme, die regional hergestellte und kleinbäuerlich produzierte, agrarökologische Nahrungsmittel in die Schulen der Region bringt.

 

Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund die neue De-Facto-Regierung in Brasília?

Der aktuelle politische Kontext in Brasiliens, mit einer bedrohten Demokratie, vollzieht Maßnahmen, die einen massiven Rückschritt der von der Verfassung von 1988 garantierten Rechte bedeutet: Territoriale Rechte traditioneller Völker und Gemeinschaften werden bedroht, die kleinbäuerliche und agrarökologische Produktion als ganze ist bedroht, ja, selbst unser so erfolgreiches Konzept des Zusammenlebens mit der Dürre, das mittels kommunitäten Zisternenbau so erfolgreich der Dürre trotzt, all das gerät in Gefahr, ja selbst die demokratische Verteilung von Wasser gerät in Gefahr. Im Cerrado erleben wir den Vormarsch der Agrargrenze, die Ausweitung des Bergbaus bei gleichzeitigem Kappen und Zurückfahren der Rechte der lokalen Bevölkerung sowie der traditionellen Völker und Gemeinschaften. All die im Lauf der Jahre erkämpften Rechte geraten in Gefahr, das ist sehr besorgniserregend. Der brasilianische Cerrado und seine Bevölkerung droht in wenigen Jahren von der Politik untergepflügt zu werden. Aber die sich zusammenschließenden traditionellen Völker und Gemeinschaften zusammen mit den sozialen Organisationen und Bewegungen werden weiterhin unser Gegenmodell als gangbare Alternative hochhalten.

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Chaos nach Polizei-Streik in Espirito Santo

Seit Samstag streikt die Militärpolzei im Bundesstaat Espirito Santo weil sie keine Gehälter mehr ausbezahlt bekommen. Videos in sozialen Netzwerke zeigen Plünderungen, bewaffnete Überfälle auf Supermärkte sowie Privatpersonen die einfach nur mit ihrem Auto durch Vitoria, die Hauptstadt des Bundesstaates fahren.
Chaos nach Polizei-Streik in Espirito Santo

Coverbild der Zeitung La Tribuna: Soldaten besetzen Vitoria

Die Bundesregierung verklagt die Polizeibehörden weil es der Polizei eigentlich nicht erlaubt ist zu streiken und entsendet 200 (sic!) Soldaten in den Bundesstaat mit 3,9 Millionen Einwohner*innen. Außerdem wurde der bisherige Polizeichef abgesetzt. Offiziell streiken die Polizist*innen nicht. Sie behaupten, dass sie nicht arbeiten können weil ihre Kasernen von Demonstran*innen (ihren Familienmitgliedern) blockiert würden die eine bessere Bezahlung für die Polizei fordern.

Geschäfte verbarrikadieren sich um sich vor Plünderungen zu schützen. Die Schulen und Gesundheitseinrichtungen in Vitoria bleiben geschlossen. Der öffentliche Nahverkehr wurde am gestriegen um 16 Uhr eingestellt - es traut sich ohnehin kaum jemand auf die Straße.

 

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Umweltbehörde von Pará erteilt Goldminenprojekt Belo Sun grünes Licht

Die Bundesstaatsanwaltschaft von Altamira will das Projekt stoppen.
Umweltbehörde von Pará erteilt Goldminenprojekt Belo Sun grünes Licht

Foto: Todd Southgate

Brasiliens künftig größte Goldmine soll nach dem Willen der Umweltbehörden des Bundesstaats Pará grünes Licht bekommen. Dies beschloss die Umweltbehörde des amazonischen Bundesstaats Pará, die Secretaria de Meio Ambiente e Sustentabilidade (Semas-PA). Die Behörde erteilte dem kanadischen Bergbaukonzern Belo Sun mit Sitz in Toronto, Ontario, die Baugenehmigung. Dies teilte die Behörde auf ihrer Internetseite mit. Im Jahr 2013 hatte ein Gericht das Umweltgenehmigungsverfahren noch gestoppt, aber im Jahr 2014 hatte die Semas dem kanadischen Betreiber die vorläufige Genehmigung erteilt. Der Konzern ist mit der nun erteilten Lizenz dem Abbauprojekt ein großes Stück näher gekommen. Gleichwohl widerspricht die Bundesstaatsanwaltschaft. So hat die Bundesstaatsanwältin Taís Santi Klage gegen die Erteilung der Linzen eingereicht. Laut ihrer Ansicht bedroht das Projekt des Offenen Tagebaus die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebenswelten der an der Volta Grande, der Großen Flusschleife des Xingu-Flusses, lebenden indigenen Gruppen und Flussanrainer. Die Lizenz, so die Staatsanwältin Tais Santi, dürfe nicht erteilt werden, solange nicht ein umfassender Rettungsplan für die an der Volta Grande lebenden Flussanwohner aufgestellt und in die Tat umgesetzt worden sei. Die dortigen Bewohnerinnen und Bewohner seien schon durch das Staudammprojekt Belo Monte hart getroffen worden mit stark schwankenden und im Mittel bis zu 80 Prozent zurückgehenden Wassermengen im Fluss Xingu, was massive Auswirkungen auf die Lebensgrundlage der dortigen Bevölkerung habe, da ein rapider Rückgang der Fische vor Ort zu verzeichnen sei. Daher fordert die Bundesstaatsanwaltschaft auch eine vorherige umfassende Umweltfolgenabschätzung, die alle vor Ort zusammentreffenden Faktoren kumulativ betrachte und einer gemeinsamen Analyse unterziehe.
Der Konzern Belo Sun Mining mit Sitz in Toronto erhofft sich mit dem Projekt am Xingu-Fluss den Abbau von bis zu 4,1 Millionen Unzen Gold über einen Zeitraum von zwölf Jahren. Damit wäre dies die größte Goldmine Brasiliens. Die Anwohner fürchten die Umweltfolgen eines solchen Bergbaugroßprojektes in der Region, dies umso mehr, als durch den Bau des Staudamms Belo Monte die Gegend der Großen Flusschleife schon stark in Mitleidenschaft gezogen wurde und den Anwohnern ein Großteil der versprochenen Ausgleichsmaßnahmen bis heute noch immer nicht zuteil wurde.

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Befreit vom Druck

Die geschasste Staatschefin Dilma Rousseff kämpft um ihre Rehabilitation. Plant sie ein Comeback?
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U-Boot-Deals, heikle Umsiedlungen, Stahlstaub-Gefahren

Gemeinsame Pressemitteilung zur Thyssenkrupp-Hauptversammlung 27. Januar 2017 in Bochum.
U-Boot-Deals, heikle Umsiedlungen, Stahlstaub-Gefahren

Flyerbild zur PM

Zur Thyssenkrupp-Hauptversammlung am 27. Januar 2017 fordert ein NGO-Bündnis den Konzern dringend auf, bei Umwelt- und Menschenrechten nachzubessern.

Rüstung

Thyssenkrupp (TK) liefert seine Kriegsschiffe und U-Boote in Krisenregionen der Welt, aktuell etwa nach Ägypten und Israel. Trotz anhaltender Menschenrechtsverletzungen durch das Militär wurde im Dezember 2016 ein U-Boot an Ägypten übergeben. In den vergangenen zwei Jahren hat sich Ägypten mit der Golfallianz am Krieg im Jemen beteiligt. Über 6.000 Menschen wurden getötet, etwa die Hälfte der Bevölkerung hungert – auch aufgrund einer von Saudi-Arabien und Ägypten durchgesetzten Seeblockade. Neuen Ärger bringt die Bestellung von drei U-Booten aus Israel. Das Geschäft steht im Verdacht der Vetternwirtschaft, gegen Premier Netanjahu und auch bei TK laufen Ermittlungen. „2016 war für die Marinesparte ein Jahr der Niederlagen und Skandale. Höchste Zeit, sie komplett neu aufzustellen“, fordert Barbara Happe von urgewald.

Lieferketten

Für die von TK gekaufte Kokskohle aus den Minen von Vale und Rio Tinto in Mosambik wurden Menschen in Gebiete umgesiedelt, die keinen Zugang zu sauberem Wasser oder Möglichkeiten des Broterwerbs bieten. Sie wurden dafür nie angemessen entschädigt. Obwohl das Bündnis Stop Mad Mining TK schon im Sommer 2015 über die Missstände informierte, hat der Konzern immer noch keine Verantwortung für Menschenrechte in seiner Lieferkette übernommen, wie es die UN-Leitprinzipien vorschreiben. „So macht sich Thyssenkrupp mitschuldig an den Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen seiner Lieferanten“, sagt Anna Backmann von der Christlichen Initiative Romero (CIR). CIR und die NGO SumOfUs haben über 30.000 Unterschriften gesammelt, die den Konzern zum sofortigen Handeln auffordern.

Stahlwerk

Noch immer steht das Thyssenkrupp-Stahlwerk TKCSA im brasilianischen Rio de Janeiro massiv in der Kritik. „Seit zehn Jahren protestieren die lokalen Fischer wegen ihrer Einbußen beim Fischfang durch den Bau des Stahlwerks. Noch immer haben sie keine Entschädigung erhalten“, kritisiert Igor Birindiba Batista vom Netzwerk Kooperation Brasilien (KoBra). Zu ihren 5.763 Klagen kommen rund 300 Zivilklagen der Anwohner*innen aufgrund des gesundheitsgefährdenden Stahlwerkstaubs. „Statt Verantwortung zu übernehmen, plant TK den Verkauf des Werks“, kritisiert Christian Russau von den Kritischen Aktionären. Er stellt zudem infrage, ob dessen Betrieb legal ist. „Das Werk hat nur dank einer richterlichen Eilverfügung die Betriebsgenehmigung erhalten, im Dezember 2016 erhob die Staatsanwaltschaft erneut Anklage. TK drohen Schadenersatz und Geldstrafen. „Hätte der Konzern auf die Kritik gehört, wäre ihm das Milliardengrab erspart geblieben.“

Gegenanträge zur Hauptversammlung von Thyssenkrupp

Antwort auf die Stellungnahme von ThyssenKrupp zur Situation „Moatize Coal Mine“ in Mosambik

Diese Pressemitteilung als PDF herunterladen

Kontakte:

Für Interviews und Fotos stehen wir am Freitag, 27.1. ab 8.30 Uhr vor dem RuhrCongress in Bochum zur Verfügung.

Anna Backmann
Christliche Initiative Romero (CIR), Mobil: 0163-633 7933

Barbara Happe
Urgewald, Mobil: 0172 – 6814474

Christian Russau
Kritische Aktionäre, Mobil: 0171 – 2095585

Igor Birindiba Batista
KoBra, Mobil: 0176 - 84306995

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Querschläger im Paradies

Der Tod einer Zweijährigen hat in Rio zu Protesten geführt. Die Bevölkerung ist frustriert vom Versagen von Politik und Behörden - und fordert eine harte Hand.
Querschläger im Paradies

Gedenktafel an der Copacabana für die zweijährige Sofia, die bei einem Schusswechsel von einem Querschläger tödlich getroffen wurde. Foto: Tomaz Silva/Agência Brasil, CC BY 2.0

Die zweijährige Sofia spielte gerade auf den Klettergeräten einer Schnellimbisskette im Norden Rio de Janeiros, als die Schüsse fielen. Polizisten hatten sich am Samstagabend, 21. Januar 2017, einen Schusswechsel mit einem flüchtenden Banditen geliefert. Eine Kugel traf Sofia im Gesicht. Ein Video zeigt, wie ihr Vater, ein Polizist, das tödlich getroffene Kind in seinen Armen trägt.

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[+1C@fé Blicken wir einmal zurück

Am 22. April feiert die Kooperation Brasilien e.V. ihr 25 Jähriges bestehen in Berlin. Anlass für uns mit dem ehemaligen Mitglied der Geschäftsstelle Hartmut Fischer-Thalheimer zu sprechen und mehr über die Geschichte unseres Netzwerks zu erfahren.
[+1C@fé Blicken wir einmal zurück

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Hartmut war in den 90er Jahren mit dem DED in Brasilien und arbeitete zwischen 1999 und 2002 in der KoBra Geschäftsstelle. Er berichtet von der Pre-PT Ära in Brasilien und von den ersten digitalen Schritten des KoBra Netzwerks zu beginn des Jahrtausends.

 

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Zurück in die Zukunft

Zur Einstimmung auf die Veranstaltung am Montag den 23.01 im Tazcafé, Berlin: Antonio Martins vom Debattenportal Outras Palavras im Interview über die ersten Maßnahmen der Interimsregierung in Brasilien, ihre Konflikte und die Perspektiven der Linken.
Zurück in die Zukunft

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Antonio Martins vom Debattenportal Outras Palavras spricht über die Maßnahmen der Interimsregierung, ihre Konflikte und die Perspektiven der Linken.

Moritz Krawinkel: Mitte Mai stimmte Brasiliens Senat für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei (PT). Zum Interimspräsident ernannt wurde Michel Temer, dessen PMDB über vierzehn Jahre die PT-Regierungen unter Lula da Silva und Dilma Rousseff gestützt hatte. Was bedeutet die neue Situation für Outras Palavras?

Antonio Martins: Für uns bedeutet das eine Wende in unserer Redaktionsarbeit. Normalerweise schauen wir eher nach Außen, auf internationale Themen und die Debatte um Alternativen zum Kapitalismus. Die Entwicklungen in der brasilianischen Politik zwingen uns dazu, uns stärker mit nationalen Themen auseinanderzusetzen, die zum Teil wirklich banal sind.

Kannst du uns einen Eindruck geben von der Interimsregierung? Was ist von ihr zu erwarten und was sind ihre ersten Maßnahmen?

Das erste Mal seit 1979, seit der vorletzten Militärregierung, ist keine Frau Teil des Kabinetts. Die Regierung besteht aus einer Gruppe reicher weißer Männer. Und fast alle sind alt. Das ist schon ein starkes Symbol.

Innerhalb weniger Tage hat diese  Gruppe ein Bündel harter Maßnahmen getroffen – einige sind beschlossen, andere schon in der Umsetzung. Einige Maßnahmen betreffen die Verwaltung. Unter dem Vorwand, sparen zu wollen, wurden zehn Ministerien geschlossen: Unter anderem das zur Umsetzung der Agrarreform, das für Frauen, für Jugend, für Kultur. Im Falle des Kulturministeriums musste die Regierung den Beschluss nach einer Reihe Protestaktionen von KünstlerInnen und Intellektuellen immerhin zurücknehmen. Diese Schließungen sind keine bloße Formsache. Wenn ein Ministerium mit seiner ganzen institutionellen Struktur einmal geschlossen wurde, ist es sehr teuer, das Ganze nach einem Ende der illegitimen Regierung wieder herzustellen.

Was für eine Politik setzt sich da gerade durch?

Zurzeit haben hier alle das Gefühl eines großen Rückschritts. Ein Beispiel: Seit Jahren haben Abgeordnete, die dem christlichen Fundamentalismus nahestehen, die geschlechtersensible Pädagogik und die Anerkennung der unterschiedlichen sexuellen Orientierungen kritisiert, wie sie von den Ministerien für Frauen und Jugend vorangetrieben wurden. Und jetzt wurden genau die Ministerien dicht gemacht.

Aber das ist nur ein Teil. Ein zweites Maßnahmenbündel betrifft den Etat. Die Interimsregierung konnte dank ihrer großen Mehrheit im Kongress einen Nachtrag zum Haushalt 2016 beschließen, der ihr umgerechnet über 33 Millionen Euro mehr zur Verfügung stellt. Wichtig ist, dass die Verwendung nicht, wie sonst üblich, festgelegt ist. Man kann annehmen, dass das Geld gebraucht wird, um die vielen kleinen, aber wichtigen Interessen zu bedienen, von denen die Mehrheit für Temers Regierung abhängt. Außerdem soll das erweiterte Budget wohl dazu dienen, mit öffentlichen Geldern die geplanten Privatisierungen zu finanzieren.

Gleichzeitig versucht die Regierung, ein Gesetz durchzubringen, das den Anteil der Ausgaben in jeder Haushaltskategorie für drei bis zehn Jahre einfriert – abhängig von den Steuereinnahmen. Wenn im Jahr 2016 (dem Jahr, das zugrunde gelegt wird) fünfzehn Prozent der Steuergelder für Gesundheit verwendet wurden, wird dieser Prozentsatz für bis zu zehn Jahren festgeschrieben. Das ist deshalb schlimm, weil die Steuereinnahmen in diesem Jahr aufgrund der Krise sehr niedrig sind. Eventuell höhere Kosten in den nächsten Jahren, beispielsweise infolge einer Epidemie oder steigenden Medikamentenpreisen, können nicht ausgeglichen werden. Am wichtigsten ist jedoch, was nicht eingefroren wird: Die Ausgaben für die Zinszahlungen an Banken und Gläubiger. Im Ergebnis heißt das, der Anteil an Steuereinnahmen, den der Staat an die Finanzoligarchie überweist, steigt.

Es war viel von einer möglichen Privatisierung von Petrobras, dem immerhin noch halbstaatlichen Mineralölunternehmen die Rede.

Die Interimsregierung plant ein Gesetz, das die Privatisierung von jeder staatlichen Firma erlaubt, inklusive der Staatsbanken und von Petrobras. Das Gesetz wird vermutlich angenommen, würde aber nicht automatisch die Privatisierung bedeuten. Um das Thema wird es noch viele Debatten und ganz sicher starken Widerstand geben. Ich glaube nicht, dass momentan das Klima günstig ist, um die Brasilianische Staatsbank oder Petrobras zu privatisieren. Aber die Regierung schafft die institutionelle Grundlage für den Verkauf.

Auch auf der internationalen Ebene gibt es einen großen Rückschritt: Der neue Außenminister ist von der PSDB, der klassisch neoliberalen Partei. Er hat angekündigt, sich von der Fokussierung auf Südamerika und die BRICS-Staaten abwenden und zu einer „pragmatischen Diplomatie“ zurückkehren zu wollen. Übersetzt heißt das: Rückkehr zu den alten Beziehungen mit den USA und Europa. Der Anschluss an die großen Freihandelsabkommen wird wahrscheinlich kommen. Relativ schnell könnte es ein Abkommen zwischen dem Mercosur, dem Gemeinsamen Markt Südamerikas, und der Europäischen Union geben. Dafür wirbt auch Argentinien unter Macri. Die zu erwartenden negativen Folgen sind weitreichende Zugeständnisse für transnationale Konzerne und Angriffe auf soziale und Umweltrechte.

Dilma ist in den letzten Jahren ja stark in die Kritik geraten. Welchen Anteil hat sie an der aktuellen Situation?

Die Rückkehr zum Neoliberalismus begann in dem Moment, in dem Dilma ihre zweite Amtszeit antrat. Das war insofern erstaunlich als sie während des Wahlkampfs noch einen Schwenk nach Links angekündigt hatte, mit einer Vertiefung der sozialen Maßnahmen, die Lula begonnen hatte. Aber unmittelbar nach ihrer Wahl kündigte dann sie einen „Finanzausgleich“ an, dessen Maßnahmen stark an die europäische Austeritätspolitik erinnerten.

Ich glaube, Dilmas Sinneswandel hat zwei Gründe: zum einen die mangelnde Tiefe ihrer Überzeugungen, zum anderen das Ziel, mit der Finanzoligarchie ein Bündnis eingehen und dann in Ruhe regieren zu können. Der angekündigte Linksschwenk war nur eine Wahlkampfstrategie und sollte denjenigen entgegen kommen, die im Jahr 2013 für bessere öffentliche Versorgung demonstriert hatten.

Die Einsparungen im Sozialbereich haben letztlich die Tür zum Amtsenthebungsverfahren geöffnet. Seit der ersten Lula-Regierung haben Teile der Eliten versucht, ihn zu demoralisieren oder sogar zu stürzen. Lulas Stärke war die Fähigkeit, mit der ärmsten Bevölkerung in einen Dialog zu treten und sie an sich zu binden. Als die Politik aber wechselte, soziale Rechte infrage gestellt wurden, Einkommen und Arbeit nicht mehr sicher waren, zerriss das Band mit den Unterschichten. Die Eliten haben das sehr schnell verstanden und eine Konfrontation begonnen, die mit dem Amtsenthebungsverfahren endete.

Wie stabil ist die Interimsregierung?

Die PMDB, Michel Temers Partei, ist zwar die stärkste Fraktion der neuen, illegitimen Regierung. Sie war schon mit Lula und Dilma an der Regierung und steckt bis über beide Ohren im Korruptionssumpf. Daneben gibt es aber auch ein ideologisch gefestigteres, neoliberales Lager – ideologisch gefestigt heißt aber nicht, dass die Neoliberalen nicht auch korrupt wären.

Für sie ist es gar nicht schlecht, dass auch Temers Name immer wieder im Zusammenhang mit Korruption auftaucht, denn fielen Temer und die PMDB könnten die Neoliberalen den frei werdenden Raum in der Regierung besetzen. Die Mehrheit im Kongress wird es machen wie immer: Sieht sie die Regierung geschwächt, wird sie von Temer mehr und größere Begünstigungen fordern. Und diese Begünstigungen wiederum können zu neuen Anzeigen und einer weiteren Schwächung der Regierung führen.

Zurzeit wird viel vom Ende der lateinamerikanischen Linksregierungen gesprochen. Wie siehst du das aus brasilianischer Perspektive?

Ich würde nicht sagen, dass es das Ende einer Epoche ist – eher das Ende einer Phase mehr oder weniger softer Reformen, die natürlich stark variieren zwischen Venezuela und Brasilien, die aber im Kern weder den Fokus auf die Landwirtschaft und den Extraktivismus noch die Klassenverhältnisse angetastet haben. Diese Prozesse sind in der Krise. Argentinien, Brasilien, Venezuela sind die klassischen Beispiele, aber auch Rafael Correa in Ecuador hat Probleme und sogar Evo Morales verliert an Stärke. In Chile sorgt die zweite Bachelet-Regierung für weitere Rückschritte. In Uruguay bleibt zwar die Frente Amplio stark, aber ihre geopolitische Bedeutung ist leider sehr begrenzt.

Die PT war ein sehr wichtiger Teil dieser Strömung. In Brasilien waren die Reformen vielleicht schwächer, noch weniger strukturell, als anderswo. Zum Beispiel wurde nichts unternommen, um die Medien-Oligopole zu kontrollieren. Auf der anderen Seite war Brasilien aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke und dem vorhandenen politischen Willen das Land, das am stärksten auf den Wandel der geopolitischen Situation Südamerikas hingearbeitet hat. Die Region ist nicht mehr der Hinterhof der USA, sondern hat sich stärker auf sich selbst konzentriert und ein gewisses Profil in den internationalen Beziehungen gewonnen. Das hat enorm dazu beigetragen, günstige Bedingungen für Chavez, Correa und Morales herzustellen.

Eine letzte Frage: Wie geht es weiter in Brasilien? Welche Perspektiven hat die Linke?

Es ist noch sehr früh, um das zu beantworten. Ich denke, es ist zwar Ziel der Eliten, zu einer Situation von vor 1988 zurück zu kehren. Aber der Versuch, gegen die sozialen Errungenschaften vorzugehen, die seit dem Ende der Diktatur erreicht wurden, wird sein Echo finden. Beispielsweise könnte es zum Wahlsieg eines eher linken Kandidaten bei den Wahlen 2018 führen.

In der Linken gibt es den Wunsch nach stärkeren, strukturelleren Reformen, aber das ist ein Prozess der noch Zeit braucht. Ein Teil der Linken, der eher institutionell ausgerichtet ist, hat sich in den traditionellen Machspielen eingerichtet und keine Alternative mehr anzubieten. Der Unterschied zu anderen Parteien ist bloß der, dass ihre Klientel nicht alles durchgehen lässt.

Daneben gibt es eine noch junge Linke, die eher auf Protest ausgerichtet ist. Sie hat noch wenig politische Erfahrung und vor allem fehlt ihr ein Projekt. Ihre antikapitalistischen Visionen sind zurzeit noch in Gefühlen und Werten begründet, die sich noch nicht zu einer konsistenten Politik entwickelt haben. Die Herausforderung der nächsten Jahre wird es sein, das Reifen dieser Haltung zu fördern; ihre Entwicklung zu einem politischen Projekt zu begleiten, das in der Lage ist, mit den gleichen gesellschaftlichen Sektoren  in einen Dialog zu treten, mit denen auch Lula im Dialog stand. Vielleicht sogar breiter, zum Beispiel auch mit den Mittelschichten, die starke Widersprüche zum Neoliberalismus haben, die viel Geld für Gesundheit, Bildung und Wohnen zahlen und die ständig von Arbeitslosigkeit und Altersarmut bedroht sind.

Ob wir das schaffen? Das können wir noch nicht wissen, das ist unsere Herausforderung.

Antonio, vielen Dank für das Gespräch.

Das Original Interview gibt es bei Medico International und wurde im Vorfeld der Veranstaltung "Linke Perspektiven in Südamerika" veröffentlicht.

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Staudamm Sobradinho speichert wegen anhaltender Dürre mehr Wasser

... und bedroht so die Wasserversorgung der Flussanwohner/innen.
Staudamm Sobradinho speichert wegen anhaltender Dürre mehr Wasser

Dürre im Sobradinhostausee. Foto: Marcello Casal Jr/Agência Brasil (CC BY 3.0 BR)

Foto: Dürre im Sobradinhostausee. Marcello Casal Jr/Agência Brasil (CC BY 3.0 BR)

Brasiliens Nordosten leidet unter der seit Jahrzehnten schärfsten Dürre. Der Rio São Francisco führt immer weniger Wasser, so dass die Betreiber des Staudamm Sobradinhos mehr und mehr des verbliebenen Wassers im Stausee zurückhalten. Dies bedroht aber zunehmend die Wasserversorgung der flussabwärts lebenden Flussanwohner, wie die Tageszeitung O Globo berichtet. Wo wie in der Region um die Stadt Penedo, in der Nähe der Mündung des wichtigesten Flusses Nordostbrasiliens in den Atlantik, noch vor wenigen Jahren vier Meter Wasserstand gemessen wurden, erstreckt sich laut der Reportage von O Globo derzeit nur Schlamm. Hinzu kommt ein steigender Salzgehalt des Wassers, der die Grenze zu für Menschen noch Genießbaren derzeit am überschreiten ist. Dies liegt auch daran, dass das Meerwasser wegen des niedrigen Flusswasserlaufs mittlerweile bis zu 15 Kilometer ins Landesinnere vordringe. Der lokale Wasserversorger der Stadt Piaçabuçu musste deswegen bereits tiefere Brunnen bohren, um das Wasser hervorzufördern, doch trotzdem bleiben mehr und mehr Haushalte von der Wasserversorgung abgeschnitten, da nicht genug Wasser gefördert wird.
Die Quelle des Rio São Francisco, Lebensader des brasilianischen Nordostens, von den Anwohner/innen liebevoll velho chico genannt, war im September 2014 zum ersten Mal seit Menschengedenken ausgetrocknet. Ein Jahr später, im September 2015, traf es weitere Zuflüsse des Rio São Francisco, den Rio Jequitaí, Guavinipã, São Domingos, Juramento und den Córrego do Onça. Im November 2015 erreichte der vom Rio São Francisco gespeist Stausee Sobradinho im Bundesstaat Bahia seinen historischen Tiefststand: 3 Prozent des Fassungsvermögens von 34 Milliarden Kubikmetern bei Vollstauhöhe, die Stromproduktion im Wasserkraftwerk musste temporär eingestellt werden. Im Bundesstaat Rio Grande do Norte tauchten 2015 im Stausee Armando Ribeiro Gonçalves die Reste der Kirche des vor über 30 Jahres für den Stausee gefluteten Ortes São Rafael zum ersten Mal sichtbar über der verbliebenen Wasseroberfläche auf – in den Medien als Atlantis des Sertão bezeichnet.
Einem brasilianischen Hydrologen der Nasa, Augusto Getirana, zufolge hat der brasilianische Nordosten zwischen 2002 und 2015 jährlich 49 Billionen Liter Wasser verloren.
Als Grundlage seiner Forschung nahm Getirana die Daten der Nasa-Satelliten des Systems Gravity Recovery and Climate Experiment (GRACE). Diese zwei parallel geschalteten Satelliten messen das Gravitationsfeld der Erde. Änderungen im Gravitationsfeld werden durch Bewegungen von großen Massen an Eis oder Wasser ausgelöst, inklusive der im Untergrund gespeicherten Wassermengen, so dass die Änderungen in der Gravitation rechnerische Rückschlüsse zu ließen über die lokalen Zu- oder Abnahmen der jeweiligen Wassermengen, wie die Nasa mitteilte. Die Studienergebnisse wurden im Journal of Hydrometeorology veröffentlicht. Augusto Getirana erläuterte, dass der Ansatz seiner Studie nicht die Erforschung der Ursachen sei. Dazu gebe es bereits umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen und Theorien wie die Fliegende Flüsse Amazoniens, den Klimawandel  oder andere Phänomene, so dass in dieser Hinsicht noch weiter geforscht werden müsse. Sein Ziel sei es hingegen gewesen, erstmals belastbare Zahlen für Wasserschwund in der Region zu finden.

Termine
Trotz alledem ... 25 Jahre KoBra 21.04.2017 18:30 - 17:35 — Berlin
Film Agrokalypse 05.05.2017 19:00 - 22:00 — Schorndorf
"Abstauben in Brasilien" - Deutsche Konzerne im Zwielicht 19.05.2017 19:00 - 21:00 — Stuttgart
Kommende Termine…