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245 | Eine Frage des Geschlechts

Gender und Diversität in Brasilien
245 | Eine Frage des Geschlechts

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Inhalt

# Organisierte Frauen im Zentrum des Widerstands
Maria Betânia Ávila und Silvia Camurças

# Gleichberechtigung der Geschlechter
Luciana Lóssio

# Internationaler Frauentag 2017
Tina Kleiber

# Schwangerschaftsabbruch in Brasilien
Kristina Hinz

# Oma, wir müssen mal über Abtreibung reden
Thamyra Thâmara

# Trauerarbeit mit Frauen in Salvador da Bahia
Regina Reinart

# Brasilianische Fraueninitiative gegen Gewalt
Sara Freire Simões de Andrade

# Stimme des schwarzen Feminismus - Djamila Ribeiro
Ana Flávia Oliveira

# Intersektionalitäten und die „Mulheres Desapocadas“
Sirlene Barbosa Passold und Cristiane de Assis Portela

# Diversity à bras(ileir)a: Versprechen, Abgründe und neue Fronten
Nicolas Wasser

# Casa Nem – Jenseits der Geschlechternorm
Jan Erler

# Transvestitismus und Transsexualität in Brasilien
Frederico Viana Machado und Fabiano Barnart

 

Editorial

Historischer Generalstreik, Schmiergeldskandal um den Präsidenten, Massenproteste zur Absetzung von Temer, Polizeirepressionen und Einsatz des Militärs im Inneren,etc. - die Anlässe für aktuelle Berichterstattung zu Brasilien drängen sich unserer Redaktion beinahe täglich auf und machen es uns nicht immer leicht, einen kühlen Kopf zu bewahren. Das Brasilicum kann und will keine Publikation sein, die dem Aktualitätsdruck der heutigen Medienlandschaft nachgibt. Unsere Themenschwerpunkte ermöglichen vielmehr eine Sicht auf die langfristigen Veränderungen in Brasilien, indem sie unterschiedliche Perspektiven abbilden. Auch in Zeiten der politischen Krise erscheint es uns essentiell, den Fokus nicht nur auf potentielle Kandidat*innen für die nächsten Präsidentschaftswahl zu beschränken sondern breiter angelegte inhaltliche Debatten zu führen.

In dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit gesellschaftlichen Ausgrenzungen, aufgrund von geschlechtlicher Zugehörigkeit bzw. Zuordnungen. Diese können dabei nicht losgelöst von anderen Diskriminierungsursachen wie Rassismus oder sozioökonomischen Rahmenbedingungen betrachtet werden. Deshalb haben wir in dem vorliegenden Heft auch unterschiedliche Schwerpunkte rund um das Thema der Geschlechterverhältnisse in Brasilien gesetzt.

Der einleitende Text der Organisation SOS Corpo - Instituto Feminista para a Democracia aus Recife gibt einen Überblick über die verschiedenen Fronten, an denen feministische Gruppen nicht erst seit der Amtsübernahme durch Michel Temer zu kämpfen haben. Eine Analyse der demokratischen Repräsentation von Frauen in Brasilien und Eindrücke vom internationalen Frauentag am 08. März 2017 erörtern exemplarisch zwei Aspekte der Debatte.
Drei Texte beschäftigen sich eingehender mit den reproduktiven Rechten von Frauen in Brasilien aber auch in Deutschland, denn auch hier zu Lande wird die aktuelle Gesetzeslage von progressiver wie konservatier Seite kritisiert.
In der Mitte unseres Heftes stellen wir zwei Initiativen vor, die als Antwort auf die Themen Frauen und Gewalt gegründet wurden. Das Projeto consolação in Salvador begleitet Mütter in der Trauer um ihre Kinder, die durch die Gewalt auf den Straßen umgekommen sind. Die KoBra-Mitgliedsgruppe IMBRADIVA unterstützt Brasilianerinnen aus dem Großraum Frankfurt bei der Bewältigung ihres Alltags in einer zunächst einmal fremden Gesellschaft.
Wie unterschiedlich sich die Konstruktion von Rasse und Geschlecht in Schönheitsdiskursen ausprägt, behandelt ein Beitrag  von einer Forscherin und  Quilombola über die  spezifische Konstruktion  von weiblicher  Schönheit in einem Quilombo im Norden von Minas Gerais.  
Das Kürzel LGBTIQ steht für die Gruppe der Schwulen, Lesben und Bisexuellen, sowie für Menschen, die sich transsexuell, intersexuell oder queer fühlen. Sie stellen unter anderem die Frage nach  der gesellschaftlichen Akzeptanz ihrer sexuellen Orientierung. Das Projekt Casa Nem im Stadtteil Lapa in Rio de Janeiro bietet einen Schutzraum für LGBTIQ-Personen und versucht deren gesellschaftliche Teilhabe zu fördern. Den inhaltlichen Abschluss des Heftes bildet eine weiter angelegte Reflexion über Transvestitismus und Transsexualität in Brasilien.

Save the date
Geschlechterfragen sind immer auch Teil der Menschenrechtsdebatte, die dieses Jahr in Bezug auf Brasilien von besonderer Relevanz ist. Brasilien muss in mehreren gerichtlichen Prüfverfahren seine Menschenrechtssituation hinterfragen lassen. Bei der Fachtagung Runder Tisch Brasilien vom 10. bis 12. November 2017 in Hofgeismar bei Kassel erwarten wir aus diesem Anlass zwei Gäste von SOS Corpo in Recife, der Organisation, die den Eröffnungsartikel zu diesem Heft geschrieben hat.  Wir erwarten  spannende Diskussionen  und freuen uns wie immer  über zahlreiche  Teilnahmer*innen.


die Redaktion