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241 | Nós somos um caleidoscópio

Kultur und Widerstand in Brasilien
241 | Nós somos um caleidoscópio

Titelseite des Brasilicum #241

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Inhalt

  • Brasilianische „Kultur(en)“
    Igor Birindiba Batista
  • „Wir sind ein Kaleidoskop“
    Caren Miesenberger
  • Die Literatura marginal
    Ingrid Hapke
  • Das dreckige Gedicht des Betons
    Júlio César M. Matias
  • Partys für Alle
    Niklas Franzen
  • Die schleichende Emazipation des Forró
    Fabian Kern
  • Capoeira: Umkämpftes Kulturgut
    Sarah Lempp
  • Funk gegen Diskriminierung
    Caren Miesenberger
  • Wer steckt eigentlich hinter Mídia Ninja?
    Fabian Kern
  • Religiöse Intoleranz auf dem Vormarsch
    Jan Erler
  • Das ABC der Freiheit
    Marc Guschal

 



Editorial


„Nós somos um caleidoscópio“
(Coletivo Afrofunk)


Cultura de Luta (dt. kämpferische Kultur) – mit diesem Slogan reagierte die brasilianische Kulturszene auf die Ankündigung der Übergangsregierung Michel Temers, das Kulturministerium zu schließen.

Vorausgegangen war dieser Entscheidung die umstrittene Suspendierung der gewählten Präsidentin Dilma Rousseff. Zur Vorgeschichte: Im März verließ die Mitte-Rechts-Partei (PMDB) die Regierungskoalition. Eduardo Cunha, zu dieser Zeit Präsident der Abgeordnetenkammer, ließ Mitte April über die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens abstimmen. In einer landesweit im Fernsehen übertragenen Abstimmung, bei der es zu Handgreiflichkeiten sowie sexistischen und homophoben Vorfällen kam, votierten weit mehr als die erforderlichen 2/3 des Parlaments für die Einleitung des Amtsenthebungsverfahrens. Im Anschluss bestätigte der Senat dieses Votum und suspendierte Dilma Rousseff von ihrem Amt.

Eine Cultura de Luta gibt es nicht erst, seitdem sie zum Slogan geworden ist. Widerstand findet sich schon lange auch in facettenreichen kulturellen Ausdrucksformen. Gesellschaftliche Debatten finden nicht nur in Parlamenten oder sozialen Netzwerken statt, sondern auch auf Tanzveranstaltungen, Konzerten und in der Literatur. In dieser Ausgabe wollen wir nur einige der unzähligen kulturellen Artefakte diskutieren, die gesellschaftliche Machtverhältnisse spiegeln, hinterfragen oder auch angreifen.

Kultur ist für uns nicht nur ein Hobby Privilegierter, sondern Ausdruck gesellschaftlichen Widerstands und künstlerischen Existenzkampfes. Wir haben in dieser Ausgabe elf Texte versammelt, die eine kleine Auswahl unterschiedlicher Aspekte des vielfältigen kulturellen Schaffens in Brasilien und dessen Wechselspiel mit anderen Kontinenten darstellt. Bereits die Auseinandersetzung um die Olympischen Spiele, wie im Brasilicum Nr. 240 dokumentiert, haben gezeigt weshalb es der Ministerien für Kultur und Menschenrechte in Brasilien bedarf.

Für eine explizite Einschätzung der gegenwärtigen politischen Verhältnisse verweisen wir auf die Stellungnahme zum Impeachment-Verfahren, die auf der Homepage der Kooperation Brasilien zu finden ist.

Die vorliegende Ausgabe des Brasilicums kann es nicht leisten, die Unübersichtlichkeit und Unstetigkeit der aktuellen politischen Situation in Brasilien abzuhandeln. Aber sie kann als Plädoyer verstanden werden: Für die bedingungslose Anerkennung der Schönheit vielfältiger, kultureller Widerstände in Brasilien! Das Brasilicum Nr. 241 zeigt daher ein Kaleidoskop kultureller Ausdrucksformen, anhand derer sich gesellschaftliche Verhältnisse ablesen lassen, die die Realpolitik durchaus berühren.

Wir wünschen eine anregende, ästhetische Lektüre!


die Redaktion

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