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Rote Karte für Gewalt

Am 12. Juni 2014 wird in Sao Paulo das Eröffnungsspiel der Fußball Weltmeisterschaft angepfiffen. Grund genug für die Bonner Don Bosco Mission ein Jahr vor dem Start des weltweiten Megaevents zu einem Gespräch über Kinder und Jugendliche und den Fußball im größten lateinamerikanischen Land einzuladen.
Rote Karte für Gewalt

Florian Kopp / Don Bosco Mission

Fußball ist für die 14.000 Mitarbeiter der Salesianer Don Boscos und die 850 Ordensbrüder in Brasilien nicht nur leidenschaftliches Freizeitvergnügen. Bei ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, ist der Fußball eine Methode der sozialen Arbeit. Genau hier forschte Claudia Steiner, Bildungsreferentin der Bonner Don Bosco Mission, im Frühjahr auf ihrer Reise durch das größte lateinamerikanische Land genauer nach. In einem Pressegespräch am Dienstag den 11. Juni informierte sie über die Lage von Kindern und Jugendlichen im Schatten von Fußball, Weltjugendtag und einer dynamischen gesellschaftlichen Entwicklung.


Was Claudia Steiner auf ihrer Reise erlebte, ist Grundlage für geplante Unterrichtsmaterialien zum Thema Gewaltprävention. In deutschen Klassenzimmern soll im Jahr der Fußball-WM nicht nur der Sport, sondern auch die Menschen in Brasilien im Mittelpunkt stehen. Um deutschen Schülern mehr über ihre Altersgenossen in Rio und Sao Paulo zu vermitteln, führte Steiner Interviews, besuchte Familien und besichtigte zahlreiche Ausbildungszentren und Jugendheime von Don Bosco. Immer wieder stieß sie neben brasilianischer Fußballfreude auf die unheilvolle Verbindung von Gewalt und Drogen. Zum Beispiel Pedro, 17 Jahre, aus Itaquera, einem Stadtteil von Sao Paulo. Heute ist er Teilnehmer des Programms „Begleitete Freiheit“, das jugendlichen Delinquenten einen Weg zurück in die Gesellschaft aufzeigt. Pedro saß schon dreimal im Jugendknast, meist wegen Autodiebstahl. Mit Hilfe von Pater Rosalvino SDB hat er einen Drogenentzug erfolgreich durchlaufen und träumt von einem Ausbildungsplatz im Marketing. Natürlich ist Pedro auch leidenschaftlicher Fußballfan der Corinthians aus Sao Paulo. Für die WM und ihre vielen Besucher lernt er jetzt schon fleißig Englisch. Denn das neue Stadion liegt direkt neben dem Don Bosco Jugendzentrum und er möchte die Besucher gastfreundlich empfangen.

Pedro ist nicht der einzige Jugendliche mit Gewalterfahrungen, den Steiner während ihrer Reise traf. Anderson aus Poxoréu verlor seine Mutter bei einer Schießerei unter Drogenhändlern, Carin und ihre Familie in Jacarezinho, einer Favela in Rio, litten jahrelang unter Gewaltausbrüchen des alkoholkranken Großvaters, bis dieser wegen versuchten Mordes im Gefängnis landete. „Gewalt in unterschiedlicher Ausprägung begegnete mir an jeder Station meiner Reise. Die Gewalt, die die Kinder und Jugendlichen am häufigsten betrifft, ist meistens gekoppelt mit Drogenkriminalität und Drogenmissbrauch. Damit die Jugendlichen nicht in diesen Kreislauf gelangen, braucht es effiziente Jugendsozialarbeit“, beschreibt Steiner ihre Erfahrungen in Brasilien.

 

Ein geeignetes Mittel haben die Salesianer Don Boscos in Poxoréu, im Bundesstaat Mato Grosso, gefunden. In der dortigen Fußballschule lernen die Kinder und Jugendlichen Respekt gegenüber Anderen, entwickeln Teamgeist und verstärken ihre Konzentrationsfähigkeit. Bei sportpädagogischen Spielen und beim klassischen Fußballtraining erhöht sich außerdem ihr Durchhaltevermögen und ihre Konfliktfähigkeit und sie entwickeln ein größeres Selbstbewusstsein. All das wirkt sich auf das Verhalten der Jugendlichen in der Schule aus und hilft, die nächste Versetzung oder den Schulabschluss zu meistern. Die begleitende Arbeit mit den Eltern schafft ein stabileres Familienumfeld, so dass die Jugendlichen nach und nach eine neue Perspektive abseits von Drogen entwickeln können.

Beeindruckt zeigte sich Steiner auch von den Fortschritten des Landes, etwa in der Bekämpfung von Straßenkindern und der Befriedung gefährlicher Favelas. So ist die Zahl der Straßenkinder in den letzen 25 Jahren von knapp 10 Millionen auf etwa 24.000 Straßenkinder landesweit gefallen. Ein Erfolg, zu dem auch die dortigen Don Bosco Einrichtungen mit ihrer Lobby- und Gremienarbeit und den praktischen Hilfen für Familien beigetragen haben.
Im Anschluss an das Gespräch übergab Karl-Heinz Witt, Vizepräsident des Fußball Verbandes Mittelrhein und Vertreter der Egidius Braun Stiftung des DFB einen Scheck über 5000 Euro für die Fußballschule in Poxoréo, im Bundesstaat Mato Grosso. Witt unterstrich die Bedeutung von Fußball für den sozialen Frieden und die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern. Das Thema Gewaltprävention spiele auch in deutschen Clubs eine große Rolle, auch wenn es hier eher um Gewalt in den Stadien als Gewalt auf der Straße gehe. Die Stiftung fördert den Kauf von Bällen und Trikots und übernimmt die Gehälter der Sportpädagogen in der Fußballschule.

 


 

Hintergrund:
Don Bosco Mission mit Sitz in Bonn ist eine Einrichtung der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos. Sie vertritt deren internationalen Anliegen in Deutschland und koordiniert die Hilfsmaßnahmen für die weltweiten Kinder- und Jugendpro-jekte. Die Salesianer Don Boscos sind der zweitgrößte Männerorden der katholischen Kirche und in 132 Ländern aktiv. Pro Jahr fördert Don Bosco Mission mit öffentlichen und privaten Spenden und Zuwendungen ca. 500 Projekte für junge Menschen unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft, Glauben und sozialem Status. Es sind junge Menschen in Not- und Risikolagen (Straßenkinder, Kinderarbeiter, Jugendliche die von Flucht und Vertreibung betroffen sind) die durch Ausbildung und eine liebevolle Erziehung für ein selbstbestimmtes Leben fit gemacht werden. Ein besonderer Schwerpunkt der Salesianer Don Boscos sind Straßenkinder und die berufliche Ausbildung junger Menschen.

In Brasilien arbeiten 850 Salesianer und 14.000 Mitarbeiter in über 88 Jugendzentren, 54 Vor- und Grundschulen, 53 weiterführende Schulen, 17 Berufsbildungszentren, 12 Medienzentren und 71 Pastoral- / Sozialzentren. Don Bosco ist in allen Austragungsorten der WM aktiv und kümmert sich dort um rund 200.000 Kinder und junge Menschen.

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