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Volkswagen do Brasil: Heute mit Wasserwerfer gegen Demos, früher gemeinsam mit der Militärdiktatur?

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre kritisiert Volkswagen und stellt Gegenantrag für Hauptversammlung der Volkswagen AG am 13. Mai 2014 in Hannover.
Volkswagen do Brasil: Heute mit Wasserwerfer gegen Demos, früher gemeinsam mit der Militärdiktatur?

Aufgetaucht aus den brasilianischen Geheimarchiven...

Der Vorstand der Volkswagen AG verstößt mit seiner Lieferung von Wasserwerfern an die Militärpolizei in Brasilien gegen die eigenen Corporate-Governance-Richtlinien und hat es im Fall des 50. Jahrestages des Militärputsches in Brasilien versäumt, endlich die eigenen historischen Verstrickungen der Konzerntochter VW do Brasil mit der brasilianischen Militärdiktatur aufzuarbeiten. Dies sagt der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, der zur Hauptversammlung der Volkswagen AG am 13. Mai 2014 in Hannover einen Gegenantrag gestellt hat, in dem die Nicht-Entlastung des Vorstands gefordert wird. Dieser Gegenantrag ist mittlerweile auch auf der Webseite der Volkswagen AG online einsehbar.

KoBra dokumentiert hier den Wortlaut des Gegenantrags des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre auf deutsch und portugiesisch.

Gegenantrag zu Tagesordnungpunkt 3, Entlastung des Vorstands für das Geschäftsjahr 2013

Die Mitglieder des Vorstands der Volkswagen AG werden nicht entlastet.

Begründung:
Der Vorstand der Volkswagen AG verstößt mit seiner Lieferung von Wasserwerfern an die Militärpolizei in Brasilien gegen die eigenen Corporate-Governance-Richtlinien und hat es im Fall des 50. Jahrestages des Militärputsches in Brasilien versäumt, endlich die eigenen historischen Verstrickungen der Konzerntochter VW do Brasil mit der brasilianischen Militärdiktatur aufzuarbeiten.

1) VW-Wasserwerfer in den Händen der berüchtigten Militärpolizei von Rio de Janeiro:
Die brasilianische Tageszeitung Extra Globo berichtete Ende Juni 2013, auf dem Höhepunkt der Massenproteste in Brasilien, von der Lieferung des neuen Wasserwerfers für die berüchtigte Polizei Rio de Janeiros: „Die Militärpolizei von Rio setzt auf eine neue Waffe, um Demonstrationen auseinander zu treiben: einen Wasse rwerfer mit Hochdruckwasserstrahl.“ Extra Globo verweist darauf, dass „die Türken, die in Istanbul auf die Straßen gingen, die Kraft dieses Wasserstrahls sehr gut kennen“. Und auf dem abgebildeten Foto des Wasserwerfers, deutlich zu erkennen, das Logo von Deutschlands größtem Autobauer, VW.
Seither wird dieser VW-Wasserwerfer auf den Straßen Brasiliens gegen Protestierende eingesetzt. Auf dem Fahrzeug thront ein Gefechtssitz. Von dort wird der Wasserstrahl auf sein Ziel ausgerichtet. Wer in diesen Strahl kommt, wird von der Straße gespült. Verletzungen sind nicht ausgeschlossen.
Die Militärpolizei von Rio de Janeiro ist übereinstimmenden Medienberichten zufolge auf den Demonstrationen der Bevölkerung für ein verbessertes öffentliches Transport-, Bildungs- und Gesundheitswesen im vergangenen Jahr mit maßloser Gewalt gegen die friedlich Demonstrierenden vorgegangen und setzte dabei auch den VW-Wasserwerfer zur Repression des demokratisch legitimen Protestes ein. Zudem kritisieren Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International seit Jahren das Vorgehen der brasilianischen Militärpolizei und fordern – so AI im letzten Bericht vom August 2013 – eine umfassende Reform und insbesondere Entmilitarisierung des gesamten brasilianischen Polizeisektors.
Letzten Erhebungen von 2012 zufolge töten Polizeikräfte in Brasilien statistisch 24 Mal mehr als ihre Kollegen beispielsweise in Großbritannien.
Einer solch berüchtigten Polizei Wasserwerfer aus der eigenen Produktpalette zu verkaufen, dies ist mit den ethischen Grundsätzen, die sich die Volkswagen AG selbst setzt, unvereinbar.

2) Verstrickungen der VW-Tochter VW do Brasil in die brasilianische Militärdiktatur (1964-1985):
Volkswagen ist seit 1953 in Brasilien mit VW do Brasil präsent. VW do Brasil soll noch in diesem Jahre vor der Nationalen Wahrheitskommission zu der VW-Verstrickung in die Militärdiktatur in Brasilien aussagen. Der Generalstaatsanwalt der Republik und Mitglied der Wahrheitskommission, Cláudio Fonteles, hatte vergangenes Jahr in den Archiven des vormaligen Geheimdienstes Brasilien, Serviço Nacional de Informações (SNI), Dokumente gefunden, die die Zusammenarbeit von Industrie und Unternehmern mit den brasilianischen Repressionsorganen nahelegten. Den als Verschlusssache deklarierten Dokumenten sei laut Fonteles zu entnehmen, dass als Mittelsmänner für die Industrie das Forschungsinstitut Ipês (Instituto de Pesquisas e Estudos Sociais) und die Industriemobilisierungsgruppe GPMI des Industrieverbands FIESP in São Paulo (Grupo Permanente de Mobilização Industrial da Federação das Indústrias do Estado de São Paulo) fungierten. Die Industrie- und Unternehmervertreter – unter ihnen auch Volkswagen sowie die heutige VW-Tochter Scania – hätten zur Zeit der Militärdiktatur (1964-1985) diese zwei Institutionen finanziell gefördert, damit diese gemeinsam mit der Obersten Heeres Schule (Escola Superior de Guerra) einen „militärisch-industriellen Komplex“ gegen den Widerstand aufbauen. Jüngsten brasilianischen Medienberichten zufolge haben die in Brasilien ansässigen ausländischen Autobauer – unter ihnen VW do Brasil – dem Ipês Spendengelder überreicht.
Die Tageszeitung Jornal do Brasil zitiert zudem aus Akten der Geheimpolizei Deops, nach denen VW do Brasil in den 1970er Jahren Diktaturspitzel in die Gewerkschaftsversammlungen seiner Arbeiter einschleuste und Informationen über seine Angestellten an die Geheimpolizei der Diktatur weiterreichte. Der Fall des Lkw-Bauers, der heutigen VW-Tochter Scania, reichte sogar noch weiter: Dem JB-Bericht zufolge entließ Scania im Juli 1978 223 Streikende, um sie sofort durchleuchten zu lassen und diese Infos – zumindest in einem Fall – direkt an die Geheimpolizei weiterzugeben. VW tat dem Bericht zufolge das Gleiche im August 1978 mit drei seiner Angestellten, die von der Polizei wegen
Mitgliedschaft in einer sozialistischen Bewegung verhaftet worden waren.
Wir fordern Volkswagen auf, diese Vorgänge umgehend zu untersuchen und aufzuklären, nicht zuletzt angesichts kürzlichen 50. Jahrestages des brasilianischen Militärputsches. Volkswagen muss sich seiner historischen Verantwortung stellen und sich dazu bekennen.
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Erklärung:
Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre wird diesen Antrag in der Hauptversammlung der Volkswagen AG am 13.05.2014 stellen oder stellen lassen. Er wird in der Versammlung den Vorschlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats zu diesem Tagesordnungspunkt widersprechen und die anderen Aktionäre veranlassen, für seinen Gegenantrag zu stimmen.

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Português:

Moção em relação ao ponto 3 da pauta do dia, Aprovação dos atos da junta diretiva da Volkswagen S.A. referente ao exercício do ano 2013

 

Os membros da Junta Diretiva da Volkswagen S.A. não devem ter seus atos aprovados.

 

Justificativa:

 

A Junta Diretiva da Volkswagen S.A. viola as Diretrizes da Governança Corporativa (Corporate Governance) ao realizar a entrega de caminhões blindados equipados com canhões de água à Polícia Militar no Brasil e, justamente no ano em que o golpe militar brasileiro completa 50 anos, fracassa ao não efetivar investigações sobre o envolvimento e cooperação de sua filial VW do Brasil com a ditadura civil-militar brasileira.

 

1) Canhões de água da VW nas mãos da desacreditada Polícia Militar do Rio de Janeiro:

O jornal brasileiro Extra Globo noticiou no final de junho de 2013, durante o ápice da onda de protestos no Brasil, acerca da entrega de novos caminhões equipados com canhões de água à desacreditada Polícia do Rio de Janeiro: “A Polícia Militar do Rio conta com uma nova arma para dispersar manifestações: um caminhão-tanque com jato d'água de alta pressão.” O jornal Extra Globo declara que “Os turcos que foram as ruas de Istambul conhecem bem a força dos jatos d'água e os estragos que eles podem provocar”. Nas fotos publicadas é possível identificar claramente a logomarca da maior produtora alemã de automóveis: VW.

Desde então, estes caminhões VW com canhão de água são utilizados nas ruas brasileiras contra pessoas mobilizadas em protestos. No caminhão há um assento de combate, de onde o jato d’água é controlado e direcionado contra seus alvos. Quem é atingido por esse jato é lavado para fora da rua, podendo sofrer ferimentos.

A Polícia Militar do Rio de Janeiro foi retratada unanimemente pela mídia como tendo agido de maneira descabidamente violenta contra os/as manifestantes pacíficos durante as demonstrações populares por um melhor transporte público e por melhores sistemas de educação e saúde, e empregou os caminhões VW com canhões de água para reprimir protestos legitimamente democráticos. Em razão disso, organizações de Direitos Humanos, como a Anistia Internacional (AI), criticam há anos a forma de atuação da Polícia Militar brasileira e exigem, como consta no relatório da AI de agosto de 2013, uma reforma geral e, em especial, a desmilitarização de todo o setor policial brasileiro.

Conforme últimos levantamentos feitos em 2012, as forças policiais do Brasil matam estatisticamente 24 vezes mais do que, por exemplo, seus colegas da Grã-Bretanha. Vender caminhões com canhões de água a uma polícia tão violenta e desacreditada é um ato que está completamente em desacordo com os fundamentos éticos que a própria Volkswagen S.A. aplica.

 

2) Envolvimento da filial VW do Brasil com a ditadura civil-militar brasileira (1964-1985):

A Volkswagen está presente no Brasil desde 1953 por meio da VW do Brasil. Esta deve, ainda este ano, ser ouvida perante a Comissão Nacional da Verdade (CNV) a respeito do envolvimento da VW com a ditadura civil-militar brasileira. O ex-procurador-geral da República e membro da CNV, Cláudio Fonteles, encontrou, no último ano, documentos nos arquivos do antigo serviço secreto brasileiro, o Serviço Nacional de Informações (SNI), que sugerem ter havido cooperação da indústria e de empresários com os órgãos brasileiros de repressão. De acordo com Fonteles, a partir de documentos classificados como confidenciais, seria possível depreender que o Instituto de Pesquisas e Estudos Sociais (Ipês) e o Grupo Permanente de Mobilização Industrial da Federação das Indústrias do Estado de São Paulo funcionavam como intermediários para a indústria. Representantes da indústria e empresários, dentre os quais também Volkswagen e Scania (atual subsidiária da VW), teriam financiado aquelas duas instituições durante a ditadura civil militar (1964-1988) para construir, em conjunto com a Escola Superior de Guerra, um “complexo militar-industrial” contra grupos de resistência ao regime militar. De acordo com recentes relatos da mídia, a indústria automobilística estrangeira com sede no Brasil, dentre as quais a VW do Brasil, contribui com doações ao Ipês.

A respeito disso, o Jornal do Brasil cita atas da polícia DEOPS, de acordo com as quais VW do Brasil infiltrava-se nas assembleias sindicais de seus/suas trabalhadores/as e repassava informações de seus/suas funcionários/as à polícia secreta da ditadura. O caso da fabricante de caminhões Scania, atualmente subsidiária da VW, vai ainda além: conforme o relatório do Jornal do Brasil, a Scania demitiu 223 grevistas em julho de 1978 para imediatamente investigá-los e, ao menos nesse caso, repassar essas informações diretamente à polícia secreta. Ainda conforme o relatório, VW fez o mesmo em agosto de 1978 com três de seus funcionários, os quais foram presos pela polícia em razão de filiação a um movimento socialista.

 

Nós requeremos que a Volkswagen investigue e esclareça imediatamente essas operações, tendo em vista os recentes 50 anos completados pelo golpe militar de 1964. A Volkswagen deve reconhecer e assumir sua responsabilidade histórica.

 

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Esclarecimento:

A Associação de Acionistas Éticos apresentará essa moção contra a diretoria da Volkswagen durante a assembleia geral da Volkswagen S.A. no dia 13 de maio de 2014. Durante a assembleia, a Associação opor-se-á às propostas da Junta Diretiva e do Conselho de Supervisão a respeito desse ponto da pauta e convocará outros/as acionistas a votarem a favor da moção.