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Vila Autódromo wehrt sich weiter gegen Zwangsräumung

Behörden von Rio de Janeiro wollen Olympia-Park statt Wohnsiedlung. Stadtumstrukturierung in Rio intensiviert sich.
Vila Autódromo wehrt sich weiter gegen Zwangsräumung

Kampagnenlogo der Vila Autódromo

Rio de Janeiro. D‪ie Bewohner der Vila Autódromo in Rio de Janeiro setzen sich weiter gegen ihre Zwangsräumung ein. In einer am 28. Februar veröffentlichten Erklärung des Zusammenschlusses von Bewohnern, Fischern, Freundinnen und Freunden der Vila Autódromo protestierten sie öffentlich gegen die Pläne der Stadtregierung, ihren angestammten Wohnplatz im Stadtteil Jacarepaguá in der West-Zone Rio de Janeiros im Rahmen einer Public-Private-Partnership zum Immobilien-Erschließungsgebiet zu erklären.

Sie wandten sich zudem gegen die Absicht der Behörden, auf dem Gelände der Vila Autódromo den geplanten Olympischen Park für die für 2016 in Rio de Janeiro stattfindenden Olympischen Spiele zu errichten. Anlaß der Proteste der Bewohner war der zeremonielle Besuch von Rios Bürgermeister, Eduardo Paes, des im Bau befindlichen Wohnblocks, in den die Behörden die Bewohner der Vila Autódromo abschieben wollen.

Bei der Vila Autódromo handelt sich um bis zu 500 Familien, die vor 20 Jahren ein ungenutztes Terrain am Ufer der Lagune von Jacarepaguá besetzt hatten. Seither zogen vermehrt Personen dort hin. In den darauffolgenden Jahren stieg die Zahl der Parzellen und der Bewohner merklich an. Die Vila Autódromo wurde von den Behörden 2005 zu einem Gebiet besonderen sozialen Interesses erklärt. Auch hatten die Behörden jahrelang Bewohner anderer Regionen, die geräumt wurden, angewiesen, sich in der Vila Autódromo niederzulassen. Der Großteil der Parzellen der Vila Autódromo ist mittlerweile legalisiert und verfügt über legale Nutzungsrechte.

Ungeachtet dessen treiben Politik und Behörden von Rio de Janeiro die Zwangsumsidlung der Bewohner der Vila Autódromo voran. Die Präfektur begründete die Räumungsandrohung wiederholt unter Verweis darauf, dass das Olympische Komitee IOC die Räumung fordere. Als Antwort auf die anhaltende Räumungsandrohung hat die comunidade mit Unterstützung der Staatsanwaltschaft für Bürgerbelange einen Brief an das Internationale Olympische Komitee (IOC) verfaßt, in der ausführlich für den Verbleib der Vila argumentiert wird. Rios Bürgermeister, Eduardo Paes, indessen hat selbst bereits vor Jahresfrist im Gespräch mit der BBC eingestanden, "die Olympischen Spiele sind eine phantastischer Vorwand, um Rio zu ändern".

Kritiker der Stadtumstrukturierungspolitik in Rio verweisen mit Nachdruck auf die mit dem Umbau der Stadt einhergehenden sozialen Folgen wie Mietsteigerung, Vertreibung und Immobilenspekulation. Der brasilienweite Zusammenschluß der lokalen Basiskomitees aller WM-Ausrichterstädte (inklusive Rio de Janeiro als Ausrichterin der Olympischen Spiele 2016) schätzen die Zahl der in ganz Brasilien wegen WM und Olympia von Räumung bedrohten Personen auf rund 170.000 Personen, deren Recht auf Wohnen verletzt oder bedroht wird.