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O grito dos excluídos und die Semana da Luta pela Moradia Popular

Seit nunmehr achtzehn Jahren finden in der Woche vom 1.- 6. September zahlreiche Aktionen zivilgesellschaftlicher Gruppen statt, die auf die herrschenden Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten im Land aufmerksam machen.

Am 7. September, dem Tag der Unabhängigkeit Brasiliens und größtem Nationalfeiertag, wird diese gemeinsame Woche des Protestes traditionell mit großen Demonstrationen und Kundgebungen unter dem Motto O grito dos excluídos („Der Schrei der Ausgegrenzten“) abgeschlossen. Im diesem Jahr war die Woche geprägt von Besetzungen und Wiederbesetzungen leerstehenden Wohnraums in den Städten. Zahlreiche Recht-auf-Stadt-Bewegungen nahmen den grito dos excluídos zum Anlass, die Semana de Luta pela Moradia Popular („Woche des Kampfes für das Recht auf Wohnen in Würde“) auszurufen. Sieben Häuser wurden allein in der Stadt und im Bundesstaat São Paulo besetzt, darunter das Gebäude des Instituto Nacional do Seguro Social (INSS – Nationales Sozialversicherungsinstitut), das seit 20 Jahren leersteht und ein ebenfalls lange verlassenes Gebäude der Caixa Econômica Federal im Zentrum der Stadt. An den Besetzungen waren insgesamt mehrere hundert Familien beteiligt. Gefordert werden:

  • Transzparenz bei Entscheidungen über den Umgang mit staatlichen Immobilien und Priorität sozialer Interessen,

  • Nutzung der Immobilien des INSS für sozialen Wohnungsbau,

  • Restrukturierungen der Arbeitsgruppen Grupos de Trabalho (GT) der Secretária do Patrimônio da União (SPU-Referat für öffentliches Eigentum des Bundes) mit regelmäßigen Versammlungen,

  • Nutzung der stillgelegten Immobilien der staatlichen Eisenbahngesellschaft Rede Ferroviária Federal Sociedade Anônima (RFFSA) für sozialen Wohnungsbau und fachliche Unterstützung für die Regelungen,

  • Abbau der Bürokratie und Unterstützung bei der Ausarbeitung von Wohnungsprojekten in leerstehenden staatlichen Gebäuden,

  • Kein öffentliches Gelände für die Baufirmen! Die Baufirmen sollen weder in der Behandlung, noch was die finanziellen Grenzen des Programms Minha Casa Minha Vida angeht, bevorzugt werden.

Nach den Besetzungen gab es schließlich am Morgen des 7. September einen Protestmarsch des Movimento dos Trabalhadores Sem-Teto (MTST, Wohnungslosenbewegung) mit etwa 2000 Teilnehmenden, um auf die prekäre Wohnungssituation aufmerksam zu machen, die sich im Zuge der Baumaßnahmen für die anstehenden sportlichen Großereignisse weiter verschärft.

Weitere Informationen unter: http://www.gritodosexcluidos.org.

[Auszug aus: KoBra-Dossier September 2012 | Urbanisierung in Brasilien – Was heißt eigentlich „Recht auf Stadt“?]