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Bachelor-Arbeit: Protestbewegung 2013 mit Fokus auf Porto Alegre

Kai Klause hat sich in seiner Bachelor Arbeit mit dem "Recht auf Stadt" in Porto Alegre beschäftigt und dafür zahlreiche Interviews vor Ort geführt.
Bachelor-Arbeit: Protestbewegung 2013 mit Fokus auf Porto Alegre

By Gianluca Ramalho Misiti (Flickr) [CC-BY-2.0, via Wikimedia Commons]

Der 'Confederations-Cup' sollte als Generalprobe für die Weltmeisterschaft 2014 (WM) dienen und ein brasilianisches Fußballfest im medialen Fokus der Weltöffentlichkeit werden, bei dem Samba, Lebenslust und jubelnde Fans das Bild am Zuckerhut prägen. Das aufstrebende Schwellenland setzte viel daran, sich als gastfreundliche und fortschrittliche Demokratie zu präsentieren und sieht die WM als wirtschaftliche Chance für das fußballverrückte Land. Dass hingegen politische Reformen auf der Agenda stehen und die internationalen Medien von Massenprotesten, Militärgewalt und sozialen Missständen berichten, war nicht der Plan der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff und von Joseph Blatter, dem Präsidenten des Weltfußballverbandes FIFA, welche offensichtlich selbst zur Zielscheibe der Protestierenden geworden ist. „Es wird keine WM geben“, schallte deren Kampfansage von den brasilianischen Straßen durch die Fernsehapparate auf der ganzen Welt.

Die heterogene Zusammensetzung der ProtestteilnehmerInnen führt zu unzähligen identifizierten Problemen und Forderungen. Die europäischen Medien vermitteln das Bild, dass sich die Demonstrationen gegen die Finanzierung der teuersten WM der Geschichte durch öffentliche Gelder richten, weil gleichzeitig nicht in das marode Sozialsystem investiert würde. Jedoch gehen die Forderungen weit darüber hinaus. Was steckt tatsächlich hinter den größten Demonstrationen Brasiliens seit über 20 Jahren, die mit punktuellen Versammlungen und Märschen in Porto Alegre gegen die Preiserhöhung von umgerechnet 6,5 Cent pro Fahrkarte des öffentlichen Nahverkehrs begonnen haben? Wodurch werden über 20 Millionen Menschen motiviert, auf die Straße zu gehen und zu protestieren? Die Quantität und Intensität der wochenlang anhaltenden Protestwelle überraschte offensichtlich selbst die OrganisatorInnen der anfänglichen Demonstrationen.

Die vorliegende Arbeit soll auf der Basis von in Porto Alegre durchgeführten qualitativen Interviews erstens einen Beitrag zum Verständnis der Mobilisierungsmechanismen der sozialen Protestbewegung leisten, um von ihnen ausgehend Rückschlüsse auf die Botschaft der Zivilbevölkerung an die Politik zu ziehen. Die Nachricht lautet: Wir wollen mehr Partizipationsmöglichkeiten bei politischen Entscheidungen, denn wir fühlen uns von der Volksvertretung in diesem System nicht zufriedenstellend repräsentiert.

Zweitens charakterisiert diese Arbeit die Bewegung als eine 'Recht auf Stadt'-Bewegungen und geht der Frage nach, ob dieses Konzept von Henri Lefebvre als ein effektives Mittel für die Zivilbevölkerung in Städten des globalen Südens gegen das Modell der 'unternehmerischen Stadtpolitik' und dessen soziopolitischen Auswirkungen sein kann. Dies kann auf Grund des begrenzten Rahmens dieser Arbeit  zwar nicht ausgiebig analysiert werden, soll aber dennoch einen Denkanstoß in diese Richtung geben und somit als Basis für weiterführende Arbeiten dienen.

 

Diese Arbeit beschränkt sich auf die Analyse der sozialen Protestbewegung in Porto Alegre, Rio Grande do Sul, und kann nicht eins zu eins auf andere Städte übertragen werden. Dennoch haben die hier präsentierten Ergebnisse durchaus auch eine nationale Aussagekraft. Ich möchte des Weiteren unterstreichen, dass ich keinen Anspruch auf Repräsentativität der von mir durchgeführten qualitativen Interviews der gesamten Bewegung stelle.

 

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