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Argemiro Ferreira de Almeida zu Gast in Freiburg

Am 23. Januar 2013 lud die Kooperation Brasilien Argemiro Ferreira de Almeida nach Freiburg ein, um mehr über die Arbeit der Comitês Populares da Copa zu erfahren und den transnationalen Austausch mit der lokalen Recht auf Stadt Bewegung zu befördern.
Argemiro Ferreira de Almeida zu Gast in Freiburg

Unter dem Slogan „Recht auf Stadt“ kämpfen weltweit soziale Bewegungen gegen Gentrifizierung und eine neoliberalen Stadtentwicklung. Deutschlandweit entstanden in den letzten Jahren Netzwerke von  lokalen Initiativen und Einzelpersonen, die sich für „bezahlbaren Wohnraum“, städtische Freiräume, die Erhaltung von öffentlichen Grünflächen und eine wirklich demokratische Stadt einsetzen. In Brasilien kämpfen insbesondere Favelabewohner_innen für ihr Recht auf Wohnen und den Zugang zu den urbanen Zentren. Im Zuge der anstehenden Männer-Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Spielen 2016 haben die Verdrängungs- und Ausgrenzungsprozesse in den Austragungsorten weiter an Fahrt aufgenommen. Hierhingen formierte sich jedoch ein breiter zivilgesellschaftlicher Widerstand. Landesweit gründeten sich an den WM-Austragungsorten spontan Bürger_innenkomitees (Comites Populares da Copa), die die Interessen der Betroffenen artikulieren und eine „Weltmeisterschaft für alle“ fordern.


Am 23. Januar 2013 lud die Kooperation Brasilien (KoBra) Argemiro Ferreira de Almeida, ein Vertreter des Basiskomitees von Salvador, nach Freiburg ein, um das interessierte Publikum über die Arbeit und Organisation der Bürger_innenkomitees zu informieren und einen Austausch zwischen Vertreter_innen der Recht auf Stadt Bewegung in Brasilien und Deutschland zu ermöglichen. Im Sinne des gegenseitigen Austausches begann der Tag mit einem Rundgang durch Freiburg, quer durch das Grethergelände, vorbei an Miethäuserprojekten bis hin zur Adlerstraße 12, wo sich unter anderem das Mietshäusersyndikat und das freie Radio Dreyeckland befinden. Hier gab Argemiro für die brasilianische Sendung „Espaço Aberto“ und die „Stadt für alle Nachrichten“ ein Interview, in dem er deutlich machte, vor welchen Herausforderungen Brasilien im Vorfeld der beiden sportlichen Großereignissen steht. Über 170.000 Menschen droht der Verlust ihrer Häusern und ihres gewohnten Wohnumfeldes, da die Favelas luxuriösen Wohnkomplexen, Hotels und Einkaufszentren weichen sollen. Dieser Prozess ist von schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen begleitet und viele der Betroffenen werden mit lächerlichen Summen entschädigt oder in bis zu zwei Stunden entfernte Gegenden umgesiedelt, wodurch sie ihren Arbeitsplatz und ihr soziales Umfeld verlieren.

Am Abend fand zusammen mit Vertreter_innen der lokalen Recht auf Stadt Bewegung eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung vor zahlreichem Publikum im Kulturcafé Jos Fritz statt. Im Mittelpunkt von Argemiros Vortrag stand die Arbeit der Bürger_innenkomitees, die durch ihre starke basisdemokratische Ausrichtung und eine effektive Vernetzung zwischen den einzelnen Städten auffielen. Für die Freiburger Bewegung schilderte eine Vertreterin eindrucksvoll die politische Arbeit der letzten Jahre und gab eine schlüssige Zusammenfassung der Thematik in Deutschland. In einer abschließenden Frage- und Diskussionsrunde loteten die Referent_innen gemeinsam mit dem Publikum die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Brasilien und Deutschland aus. Hierbei zeigte sich, dass Gentrifizierung und neoliberale (Stadt-)Politik ein globales Phänomen ist, das sich entsprechend den lokal Besonderheiten teils recht verschieden äußert. Darüber hinaus zeigte sich aber, dass die verschiedenen Recht auf Stadtbewegungen dennoch viel voneinander lernen und sich gegenseitig in ihrer Arbeit bestärken können. So fand beispielsweise die Bürger_innenkomitees in Brasilien erst dann von der Regierung Gehör, nachdem sich weltweit Nichtregierungsorganisationen, Wohlfahrtsverbände und Internationale Organisationen mit deren Anliegen solidarisierten.


Argemiro Ferreira de Almeida ist Mitglied des WM-Bürgerkomitees in Salvador sowie des nationalen Netzwerks der WM-Bürgerkomitees der Austragungsstädte. Außerdem ist er Mitglied des Vereins Rede Rua in São Paulo, ein Dokumentations- und Kommunikationszentrum für städtische soziale Bewegungen. Als Video-Aktivist veröffentlichte er zahlreiche Dokumentar-Videos zu sozialen Problemen in brasilianischen Städten.

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