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„Von hier gehe ich nicht weg! Niemand vertreibt mich von hier!“

Ein Testimonio von Dona Alzenir, Comunidade João XXIII, Fortaleza, über die ihr wegen der im kommenden Jahr im Lande anstehenden Fußballweltmeistschaft angedrohten Räumung aus ihrem Haus.
„Von hier gehe ich nicht weg! Niemand vertreibt mich von hier!“

Photo: comunidades do trilho

Die alte Bahnlinie Parangaba – Mucuripe verbindet den Stadtrand mit dem Hafen von Fortaleza. Seit Jahren verkehrt einmal täglich ein Güterzug auf der etwa 15 Kilometer langen Strecke., die dabei 22 comunidades durchkreuzt. Eng an der Linien wohnen seit Jahrzehnten mehrere tausend Menschen. Nun soll für die Weltmeisterschaft dort eine neue Tramlinie gebaut werden (siehe LN 441). Schätzungen zufolge sind bis zu 15.000 Menschen von Räumung bedroht. Doch Widerstand regt sich. Die Anwohner*innen haben eine Kampagne unter dem Slogan „Von hier gehe ich nicht weg! Niemand vertreibt mich von hier!“ gestartet. Elf Monate vor Beginn der Spiele ist der Bau zu einem Drittel fertig. Einige Räumungen fanden bereits statt, doch der Widerstand der Bevölkerung hat Landes- und Stadtregierung entzweit, wer für die Räumungen zuständig sein muss. Und die Bewohnerinnen setzen sie sich noch immer zu Wehr.

"Ich lebe hier seit Februar 1975. Hier gab es nichts. Nur Gestrüpp, Mücken und der vorbeifahrende Zug ab und an. Hier kam nicht mal ein Leiterwagen vorbei, nur herumstreunende Tiere. Ich bin seit damals hier und hier gehe ich nicht weg.
Ich habe das Land gekauft. Ich habe das Dokument, das zeigt, wie lang, wie breit das Grundstück ist, wer der Nachbar rechts, wer der von links ist, wer der da hinten ist. Alles auf Papier. Wir haben bezahlt und dafür das Dokument erhalten. Mit all unserer Schufterei haben wir das Haus hier gebaut. Das gab es kein Bad, gar nichts.
Und jetzt kommen da diese Firmen her, so aus dem Nichts. Bringen die Apparate zum Filme und Messen mit. Sagen, das sei Anweisung der Regierung, das müssten wir befolgen. Das haben wir auch, ohne zu wissen, worum es überhaupt geht. Sie kamen alle auf einmal, an einem Samstag. Da brachten sie diese Maschine und fragten nach meinen Papieren. Dann notierten sie alles und filmten hier rum.
Ich will hier nicht weg. Mir gefällt es hier. Als ich hier ankam, und es hier nichts gab, schon da gefiel mir das. Und jetzt haben wir hier alles. Wer hier zuerst war, das waren wir."
// comunidades do trilho. Gekürzte Übersetzung: Felipe Bley Folly und Christian Russau

Entnommen und übersetzt aus den Depoimentos do Trilho

Dieses Testimonio erschien in dem neuen Gemeinschaftsdossier der Lateinamerika Nachrichten und der Rosa Luxemburg Stiftung unter dem Titel "Im Schatten der Spiele. Fußball, Vertreibung und Widerstand" in der Lateinamerika Nachrichten-Ausgabe 471/472, September - Oktober 2013.